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Ostmitteleuropa

"Al Kaida bittet Allah, Kwasniewski möge vom Erdboden verschluckt werden"

Bonn, 1.4.2004, GAZETA WYBORCZA, PAP

GAZETA WYBORCZA, poln., 1.4.2004, Grzegorz Sokol, Bartosz Weglarczyk

Geheimdienstchef Zbigniew Siemiatkowski hat gestern den Abgeordneten des Sejmausschusses für Geheimdienste einen aus dem Internet stammenden Bericht vorgestellt, den im Dezember norwegische Militärs gefunden hatten. Als am 11. März in Madrid Bomben explodierten, wurde den Norwegern klar, dass sie den Schlüssel zu der Tragödie in der Hand hatten. Ganze drei Seiten lang ist in dem Bericht eine Analyse der spanischen Politik und der Aufruf an die Anhänger von Al Kaida, Spanien anzugreifen. "Das wird nicht ohne Folgen für die Wahlen bleiben. Wir gehen davon aus, dass sich die Regierung nach zwei, drei Anschlägen nicht mehr wird halten können und unter dem Druck der Öffentlichkeit einen Teil seiner Truppen abzieht. Nach diesen Anschlägen wird die sozialistische Partei einen gewissen Sieg davontragen und der Rückzug der spanischen Truppen aus dem Irak wird folgen. Wir sind davon überzeugt, dass der Rückzug der spanischen und italienischen Truppen zu einem Druck auf Großbritannien führen wird und Tony Blair seine Position nicht wird halten können."

Die Norweger übergaben das Dokument an die Verbündeten. Die Verfasser des Dokument beschreiben Polen als ein rückständiges Land, das sich allerdings schnell entwickelt, und die Polen als loyale Verbündete der USA. Genau dargestellt werden die Ergebnisse der Parlamentswahlen von 2001. Zitiert wird ausführlich aus dem Buch Aleksander Kwasniewskis, insbesondere die Passagen, die die EU und die NATO betreffen. Es wird darauf verwiesen, dass die Amtszeit des prowestlich eingestellten Präsidenten im Jahre 2005 endet und dabei betont: "Wir bitten Allah darum, dass ihn bis dahin die Erde verschlingt."

"Zusammenfassend können wir zum Thema Polen sagen, dass dieses Land trotz all seiner Schwäche und Armut unter den Ländern, die im Irak geblieben sind, die meisten Soldaten entsandt hat und außer menschlichen Verlusten nichts riskiert. Dies ist kein hoher Preis, aber im Falle eines Rückzugs eines Teils der westlichen Truppen muss es (Polen, und auch sein Präsident) auf gewisse Schwierigkeiten vorbereitet sein. Die Wahrscheinlichkeit aber, dass es den Irak verlassen wird, ist allerdings nicht groß."

"Hier geht es eigentlich nicht mehr darum, ob, sondern wann es einen Anschlag geben wird", sagte das Ausschussmitglied Zbigniew Wassermann (von der Partei Recht und Gerechtigkeit). "Wir haben den Bereich der Mutmaßungen verlassen und befinden uns jetzt im Bereich der Fakten."

Nach Ansicht von Konstantyn Miodowicz (Bürgerplattform), der ebenfalls dem Ausschuss angehört, können die gespaltene öffentliche Meinung über den Irak und die politischen Streitigkeiten in Polen die Anschlagpläne begünstigen, den ein Anschlag könnte beträchtliche politische Folgen haben. Ähnlich war es auch in Spanien.

Nach den uns vorliegenden Informationen aus dem US-Kongress braucht das Dokument nicht direkt von Al Kaida zu stammen. Die Webseite mit dem Dokument war auf einem Server in Pakistan installiert und, nachdem sie von den Norwegern gefunden worden war, verschwand sie wieder. Nach der Sprache des Dokuments zu urteilen könnte es sich bei den Verfassern um die Ziele der Terroristen unterstützende Geheimdienst-Offiziere aus Pakistan, Saudiarabien oder aus einem anderen islamischen Staat handeln." (Originalüberschrift der GAZETA WYBORCZA) (TS)

PAP, poln., 31.3.2004

Geheimdienst-Chef Zbigniew Siemiatkowski sagte der GAZETA WYBORCZA unter anderem: "Wir haben es hier mit einer richtigen Analyse und der Planung eines Anschlags zu tun, der politische Konsequenzen haben könnte. Wie in Spanien, wo die Opposition erklärt hatte, sollte sie die Regierung bilden, werde sie die Truppen aus dem Irak zurückziehen. Das gilt auch für Polen: Je mehr Stimmen es gibt, die den Rückzug aus dem Irak fordern, desto stärker wird der Nährboden für Anschläge." (TS)

  • Datum 01.04.2004
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