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Kultur

Al-Dschasira steht zum Verkauf

Der Fernsehsender ist erst acht Jahre alt, aber er hat die Medienlandschaft in der arabischen Welt von Grund auf verändert. Jetzt soll Al-Dschasira privatisiert werden. Die Frage ist nur: warum?

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Umstrittenes bin-Laden-Video bei Al-Dschasira

Al-Dschasira soll bald zum Verkauf stehen. Wohl weniger wegen der 30 bis 50 Millionen Dollar, die das Öl-Emirat Katar weiterhin in den 120-Millionen-Haushalt des Senders einbringt. Der Emir von Katar gründete Al-Dschasira 1996, um in der arabischen Welt das moderne Kommunikations- und Medienzeitalter einzuläuten.

Ein triftigerer Grund für die Verkaufabsicht dürfte sein, dass Katar sich wegen dieses Senders immer wieder Probleme mit den Vereinigten Staaten einhandelte. Das behauptet zumindest die "New York Times".

Berichte, die vom Sender prompt zurückgewiesen wurden. Die Regierung von Katar denke bereits seit 14 Monaten über eine Privatisierung von Al-Dschasira nach, weil der Sender zu einer internationalen Marke geworden sei. Tatsache ist allerdings, dass Washington Al-Dschasira vorwarf und -wirft, einseitig, anti-amerikanisch und möglicherweise sogar im Dienste extrem-islamistischer Kreise zu berichten. Die Tatsache, dass Al-Dschasira immer wieder Botschaften des flüchtigen Al-Kaida-Chefs Osama Bin Laden ausstrahlte, war Washington Beweis genug für diese Verdächtigung.

Feinde und Freunde

Der Sender hat sich allerdings nicht nur in den Vereinigten Staaten Feinde geschaffen, sondern immer wieder auch in verschiedensten Teilen der arabischen Welt, wo offizielle Stellen immer noch nicht sonderlich viel von Meinungs- und Pressefreiheit halten. Es gibt kaum ein arabisches Land, in dem Al-Dschasira - zumindest - vorübergehend nicht arbeiten durfte.

In einem Land selbst nicht arbeiten zu dürfen, bedeutet freilich noch lange nicht, dass Al-Dschasira dort nicht gesehen würde. Denn der Satelliten-Empfang kann nicht mehr verboten werden, seit auch die staatlichen Sender ihre Programme über Satellit verbreiten. Verbote haben die Popularität des Senders nur noch verstärkt, weil sie seine Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit unter Beweis zu stellen schienen.

Misserfolg: US-Kanal für die arabische Welt

An dieses Vorbild reichen die Nachahmer kaum heran. An erster Stelle steht da Al-Arabija - ein von Saudis finanzierter Nachrichtenkanal, der allerdings nicht aus Saudi-Arabien sendet, sondern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo das journalistische Klima besser ist als in der Heimat der Al-Arabija-Besitzer.

Gegenüber diesen Sendern ohne jede Chance blieben bisher die Versuche der USA, mit einem eigenen arabischen Satellitenkanal - Al-Hurra (Der Freie) - Einfluss zu gewinnen: Die Zuschauer begegnen diesem Sender mit Misstrauen und die Einschaltquote ist - soweit überhaupt feststellbar - sehr gering.

Übernahme durch arabische Investoren?

Solch mangelndes Interesse an "News, made in USA" hat schon früh in Washington Kreise aktiviert, die das den USA freundschaftlich verbundene Katar zu drängen begannen, Al-Dschasira strenger zu kontrollieren. So weit will der Emir nicht gehen, denn er hat sich mit seiner liberalen Medienpolitik das Ansehen der arabischen Welt erworben - wenn auch nicht ihrer Führer. Aber es scheint der Entschluss gereift zu sein, dass Al-Dschasira alt genug ist, um aus der Obhut des Emirats entlassen zu werden.

Noch sind zwar Details nicht bekannt, auch noch kein Preis für den Sender, aber es scheint festzustehen, dass er ein arabischer Sender bleibt: In Katar stellt man sich vor, dass ein Konsortium arabischer Investoren den Sender übernehmen könnte. Diese sollen aus verschiedenen Teilen der arabischen Welt kommen, damit der Sender nicht unter die Kontrolle des einen oder anderen Regimes gerät. Die Möglichkeit, dass er von nicht-arabischen - etwa amerikanischen - Geldgebern übernommen werden könnte, schließt man dabei ganz entschieden aus.

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