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Kultur

Al Dschasira startet Sender auf Englisch

Terroristen-Sender, Stimme der arabischen Welt oder das arabische CNN - es gibt viele Meinungen zu Al Dschasira. Mit dem Angebot auf Englisch will der Sender seine Stimme nun auf der ganzen Welt hörbar machen.

Techniker bereiten in einem Fernsehstudio den Start des neuen Senders vor

Ein neues Studio für einen neuen Sender

"Alle Welt schaut CNN, und was schaut CNN? - Al Dschasira" - der Werbeslogan des arabischen Senders zeugt von Selbstvertrauen. Am Mittwoch um 12 Uhr UTC hat der wegen seiner oft schonungslosen Bilder umstrittene Sender sein neues englisches Programm gestartet, das nach eigenen Angaben von 80 Millionen Haushalten empfangen werden kann. Der erste Bericht, den der neue Nachrichtensender Al-Dschasira International (AJI) ausstrahlte, zeigte das Leiden der Kinder in den Palästinensergebieten sowie aktuelle Bilder von einem palästinensischen Raketenangriff in Israel.

Der eigentlich schon für Herbst 2005 geplante Start war immer wieder verschoben worden - offiziell wegen technischer Probleme. "Eine Brücke zwischen den Kulturen" habe Al Dschasira geschaffen, sagte Wadah Khanfar, der sowohl der Generaldirektor des arabischen als auch des englischen Senders ist, am Tag vor dem Programmstart. "Wir demonstrieren damit die Stärke der Marke Al Dschasira", sagte er.

Auslöser einer "journalistischen Revolution"

Tatsächlich hat Al Dschasira seit seiner Gründung im November 1996 Beachtliches erreicht und für Polarisierung gesorgt. Die USA und Israel kritisieren den Sender mit Sitz in Katar als Sprachrohr der Terroristen-Organisation Al Kaida, weil er Videobotschaften Bin Ladens ausstrahlte und sehr USA-kritisch über den Irak-Krieg berichtete. Andere Beobachter loben ihn als die demokratische Stimme in der arabischen Welt. Für den Medienwissenschaftler Oliver Hahn steht fest, dass mit dem Sendebeginn von Al Dschasira eine " journalistische Revolution begonnen hat, die westliche Nachrichtenstandards in die arabische Welt trug".

Da die anfangs erhofften Werbe-Einnahmen ausblieben, wird Al Dschasira immer noch vom Emir von Katar finanziert, der auch den Startkredit über 140 Millionen US-Dollar gegeben hatte. Aber davon abgesehen, dass sein Bruder im Aufsichtsrat sitzt, nimmt er keinen inhaltlichen Einfluss auf die Berichterstattung.

Konkurrenz für CNN und BBC?

Mit dem englischen Sender will der Fernsehsender CNN und BBC International Konkurrenz machen. "Raus aus dem Ghetto der arabischen Sprache, rein in die Liga der TV-Riesen", sagt Jochen Hippler, Politikwissenschaftler und Medienexperte an der Universität Essen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden 250 Journalisten aus 47 Ländern eingestellt, darunter im Westen bekannte, frühere BBC und CNN-Journalisten wie Darren Jordon oder Lauren Dutton. Rund um die Uhr soll abwechselnd aus Doha, London, Kuala Lumpur und Washington gesendet werden. "Das englische Programm könnte auch das Image des Muttersenders aufpolieren und endlich mehr Werbegelder aus dem Westen einbringen", spekuliert der Medienwissenschaftler Hahn.

Schwerpunkt Südostasien

Vor einer Reihe von Fernsehbildschirmen in einer Redaktion steht ein Mann mit Turban und sucht eine Kassette.

Noch ist unklar, wie viel Einfluss die Zentrale in Katar nimmt

"In Europa und in Nordamerika wird Al Dschasira International lediglich ein Nischensender für die arabische Diaspora und für die Bildungseltiten sein", zweifelt der Kommunikationswissenschaftler Kai Hafez von der Universität Erfurt an den Ambitionen des Senders. Ein kommerzieller Erfolg im Westen könne nur gelingen, wenn er sich an den Mainstream anpasse und von der arabische Agenda abrücke. "Der Preis wird der Leitung in Katar zu hoch sein", ist Hafez sicher. Er erwartet zudem "heftige Auseinandersetzungen über die Unabhängigkeit der Inhalte" zwischen den Journalisten von Al Dschasira International und dem Muttersender in Katar.

Die Hauptzielregion des Senders könnte jedoch abseits von Europa und den USA liegen - und zwar in Südostasien. "Besonders interessant für Al Dschasira sind Länder der Dritten Welt wie Indien und Länder, in denen Moslems leben, die kein Arabisch sprechen, zum Beispiel Pakistan oder Malaysia", sagt Hippler.

Medienwissenschaftler Hahn vermutet dahinter eine ganz gezielte Strategie, bei der kommerzieller Erfolg nachrangig ist: "Al Dschasira will von einem pan-arabischen, zu einem pan-islamischen Sender werden."

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