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Aktuell Deutschland

Al-Dschasira-Journalist an Berliner Flughafen festgenommen

Ein internationaler Haftbefehl gegen einen ägyptischen Journalisten ließ die Beamten am Flughafen Berlin-Tegel handeln. Der Festgenommene kritisiert Deutschland: Es mache sich zum Spielball Ägyptens.

Der Al-Dschasira-Journalist Ahmed Mansur (Foto: dpa)

Ahmed Mansur

Ohne die Identität des Festgenommenen preiszugeben, hat die Bundespolizei bestätigt, sie habe einen ägyptischen Journalisten festgesetzt. Gegen den Mann liege ein Haftbefehl aus Ägypten vor. Der 52-Jährige wollte, so die Behörden, von Berlin nach Doha fliegen.

Inzwischen habe das Bundeskriminalamt den Haftbefehl gegen den Journalisten übermittelt, so die Bundespolizei. Er werde wegen mehrerer Delikte gesucht. Die Entscheidung darüber, ob der Haftbefehl aufrechterhalten werde, liege beim Berliner Generalstaatsanwalt.

Mansur zu 15 Jahren Haft verurteilt

Dass es sich bei dem Festgenommenen um Ahmed Mansur handelt, bestätigte der Journalist selbst auf Facebook und Twitter. Der Journalist war nach Berlin gereist, um für seine Interviewsendung "Bi La Hudud" (Deutsch: "Ohne Grenzen") einen deutschen Dschihad-Fachmann zu interviewen.

In einem Video, das Al-Dschasira auf Facebook veröffentlichte, wirft Mansur der Bundesregierung vor, ein "Spielball des blutdurstigen ägyptischen Regimes" zu sein. Das Video zeigt den Journalisten am Flughafen Berlin-Tegel.

Ein Strafgericht in Kairo hatte den in der arabischen Welt prominenten Journalisten im vergangenen Jahr in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft verurteilt. Mansur soll im Frühjahr 2011, während der Proteste gegen den damaligen Langzeitherrscher Husni Mubarak, auf dem Kairoer Tahrir-Platz an der Folter eines Anwalts beteiligt gewesen sein. Der Sender wies die Vorwürfe als politisch motiviert zurück.

Inhaftierte Al-Dschasira-Journalisten vor einem Kairoer Gericht (Foto: dpa)

Inhaftierte Al-Dschasira-Journalisten vor einem Kairoer Gericht

In dem auf Facebook veröffentlichten Video erklärt Mansur, alle Vorwürfe gegen ihn seien erfunden und gefälscht. Nach Angaben seines Arbeitgebers wirft das ägyptische Regime dem 52-Jährigen unter anderem Vergewaltigung und Raub vor.

Al-Dschasira: Unterstützer der Muslimbrüder?

Seit Jahren ist der Nachrichtensender mit Sitz in Katar im Clinch mit dem Regime in Kairo. Die dortige Regierung betrachtet Al-Dschasira als Unterstützer der in Ägypten mittlerweile verbotenen Muslimbrüder. Der Sender gilt als scharfer Kritiker von Präsident Abdel Fattah al-Sisi.

Im vergangenen Jahr hatte ein ägyptisches Gericht drei Reporter des Nachrichtensenders zu sieben Jahren Haft verurteilt. Den Männern war vorgeworfen worden, die Muslimbrüder unterstützt zu haben. Mittlerweile sind sie wieder frei. Allerdings wird der Fall neu verhandelt.

nem/fab (dpa, afp)