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Kultur

AKW-Vorfall: Slowenien räumt Fehler ein

Wir sind offenbar mit dem Schrecken davon gekommen: Slowenien bestätigte, bei dem Zwischenfall im AKW Krsko sei kein Schaden für die Umwelt entstanden. Greenpeace sprach indessen von einer kritischen Situation.

Das Kernkraftwerk von Krsko in Slowenien, nahe der kroatischen Grenze (Quelle: dpa)

Das Kernkraftwerk von Krsko in Slowenien, nahe der kroatischen Grenze

Trotz eines am Mittwoch (04.06.2008) aufgetretenen Lecks im Hauptkühlwassersystem sei keine Radioaktivität in die Umwelt gelangt, erklärte der slowenische Innenminister Dragutin Mate in Luxemburg. Das Kraftwerk sei nur vorsichtshalber heruntergefahren worden. Die Lage sei stabil, sagte Mate. Sloweniens Umweltminister Janez Podobnik räumte aber Fehler bei der Alarmierung anderer EU-Mitglieder ein. Die Behörde für Nuklearsicherheit habe in ihrer ersten Mitteilung an die Nachbarstaaten das falsche Formular verwendet. Politiker aus Österreich und Deutschland verlangten von der Regierung in Ljubljana umgehend Aufklärung über den Zwischenfall. Zuvor hatte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel Entwarnung für Deutschland gegeben.

AKW-Leitung: "Nichts Außergewöhnliches"

Die Leitung des Atomkraftwerks bekräftigte, das Problem sei nichts Außergewöhnliches. In den slowenischen Medien sagte AKW-Direktor Stane Rozman, der Fehler solle in "wenigen Tagen" behoben werden. Das Krisenmanagement der slowenischen Atomschutzbehörde wollte er nicht kommentieren. Der Zwischenfall sei zunächst als Übung der Strahlenschutzbehörde im benachbarten Österreich gemeldet worden, hieß es in slowenischen Medienberichten. Die EU-Kommission hatte nach dem Vorfall über das europäische Warnsystem bei radioaktiven Vorfällen (ECURIE) alle 27 Mitgliedsstaaten der EU informiert. In den Medien war zunächst von einem EU-weiten "Atomalarm" die Rede. Die slowenischen Behörden stuften den Zwischenfall selbst als "eher gering" ein.

Greenpeace: Leck im Primär-Kühlkreislauf "sehr kritisch"

Kritik kam von der Umweltschutzorganisation Greenpeace: Trotz der Entwarnung dürfe der Fall nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Man sei "noch nicht auf der sicheren Seite", sagte Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital der Agentur DPA. Ein Leck im Primär-Kühlkreislauf sei sehr kritisch. Dabei gehe es weniger darum, ob radioaktives Wasser austrete, sondern ob man den Reaktorkern weiter kühlen könne. Unmittelbar nach dem Abschalten sei die Hitze so hoch gewesen, dass es zur Kernschmelze hätte kommen können. Der Prozess sei sozusagen erst "in letzter Sekunde" beherrscht worden. Was genau in dem AKW geschehen sei, würden erst wochenlange Analysen zeigen.

Krisenstab in Kroatien: AKW ist eine "ständige Bedrohung"

Auch im benachbarten Kroatien wurde nicht mit Kritik gespart: Der Atommeiler im slowenischen Krsko sei eine ständige Bedrohung für die Hauptstadt Zagreb, sagte der Chef des kroatischen Krisenstabs, Pavle Kalinic. Er habe vom Zwischenfall erst von Freunden aus Österreich erfahren, wurde er in einer Tageszeitung zitiert. Das Kernkraftwerk liegt nur 50 Kilometer von Zagreb entfernt.

Experte: "Gutes Kraftwerk" am falschen Ort

Nach Meinung eines österreichischen Experten handelt es sich bei dem slowenischen Kernkraftwerk Krsko um ein "gutes Kraftwerk", das allerdings wegen seines Standortes seismologisch gefährdet sei. Der Leiter des Instituts für Risikoforschung der Universität Wien, Wolfgang Kromp, sagte im ORF-Fernsehen, der Reaktor sei 1992 von einer internationalen Kommission begutachtet worden. Dabei habe man zwar viele Fehler identifiziert, von denen die meisten auch zwischenzeitlich behoben worden seien.

Atomenergiebehörde: Lage weiter verfolgen

Auch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) hat sich mit dem Zwischenfall befasst. Die slowenische Behörde für Atomsicherheit habe die IAEO über einen "ungewöhnlichen Vorfall" informiert, teilte die UN-Organisation mit Sitz in Wien mit. Ein "ungewöhnlicher Vorfall" sei die niedrigste der vier Alarmstufen im Warnsystem. Die IAEO habe daraufhin die vier Nachbarländer Sloweniens gewarnt. Man werde die Lage weiter verfolgen, hieß es in einer Erklärung in Wien.

AKW: Baujahr 1983

Das slowenische Atomkraftwerk Krsko hat immer wieder für negative Schlagzeilen gesorgt. Wegen angeblicher Sicherheitsmängel protestieren vor allem österreichische Umweltschützer seit Jahren gegen den Betrieb des Atommeilers, der in einer Erdbeben gefährdeten Region liegt. Zum letzten Mal wurde das AKW Krsko, das im Jahr 2000 auch mit Hilfe von Siemens grundlegend erneuert wurde, im August 2003 wegen einer Störung vorübergehend abgeschaltet. Das Atomkraftwerk wurde vor 31 Jahren vom US-Konzern Westinghouse gebaut und ist das einzige Atomkraftwerk auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien. Es gehört zu gleichen Teilen Slowenien und Kroatien, und liefert Strom für beide Länder. (hp)

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