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Aktuell Asien

Aktivistin will 14-jährigen Hungerstreik fortsetzen

Sie wird die "Eiserne Dame von Manipur" genannt: Seit 14 Jahren protestiert die Inderin Irom Chanu Sharmila mit einem Hungerstreik gegen willkürliche Erschießungen. Nun wurde sie aus einem Gefängniskrankenhaus entlassen.

Hunderte Unterstützer und Journalisten erwarteten die Menschenrechtsaktivistin beim Verlassen des Krankenhauses in Imphal, der Hauptstadt des Bundesstaats Manipur. Die geschwächt wirkende Sharmila zeigte sich überwältigt von diesem Empfang. Sie sei froh, wieder in Freiheit zu sein, sagte die 42-Jährige. Allerdings wolle sie nicht gefeiert, sondern in ihrem Anliegen unterstützt werden, sagte Sharmila mit stockender Stimme.

Die Aktivistin kündigte an, ihren seit 14 Jahren andauernden Hungerstreik auch nach ihrer Haftentlassung fortzusetzen. Sie werde weiterhin nichts zu sich nehmen, bis ihre Forderungen erfüllt seien, sagte Sharmila und rief die Menschen dazu auf, sich ihrem Protest in Massen anzuschließen.

Protest gegen Militär-Willkür

Mit ihrem Hungerstreik protestiert Sharmila gegen ein Gesetz, dass der Armee im indischen Bundesstaat Manipur weitreichende Befugnisse gibt. Es erlaubt dem Militär, Verdächtige ohne Haftbefehl festzunehmen und sichert Soldaten weitgehende Straffreiheit zu. Das Gesetz wurde 1990 zur Bekämpfung separatistischer Gruppen im unruhigen Nordosten sowie im Bundesstaat Kaschmir erlassen. Menschenrechtsgruppen kritisieren seit langem, dass die Regelungen als Vorwand für außergerichtliche Hinrichtungen dienen. Trotz internationalem Protest hält die Regierung des indischen Bundesstaats weiterhin an dem Gesetz fest.

Sharmila begann ihren Hungerstreik im November 2000, nachdem sie nahe ihres Hauses Zeugin geworden war, wie an einer Bushaltestelle zehn Menschen getötet wurden, darunter auch zwei Kinder. Menschenrechtsorganisationen machen die indische Armee für die Tötungen in dem bergigen, entlegenen Bundesstaat Manipur verantwortlich. Die örtliche Polizei nahm den Fall zwar auf, Verhaftungen gab es aber nicht.

Große Anerkennung für die "Gefangene des Gewissens"

Nach dem Beginn ihrer Protestaktion wurde sie in ein Gefängniskrankenhaus eingewiesen und drei Mal am Tag über einen Tropf zwangsweise ernährt. Wiederholt auf Anweisung örtlicher Gerichte freigelassen, nahm sie sogleich ihren Hungerstreik wieder auf, woraufhin sie erneut festgenommen wurde. Am Dienstag hatte ein Gericht entschieden, dass Sharmilas Inhaftierung und Zwangsernährung wegen des Vorwurfs des Selbstmordversuchs nicht länger aufrecht zu erhalten sei.

Ihr langjähriger und hartnäckiger Protest macht Irom Chanu Sharmila weltweit bekannt. Amnesty International bezeichnete die 42-Jährige als "Gefangene des Gewissens". Die Menschenrechtsorganisation rief die indischen Behörden dazu auf, das Gesetz, gegen das Sharmila mit ihrem Hungerstreik vorgeht, ernsthaft zu überdenken.

cw/mak (afp, dpa)

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