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Asien

Aktiver Umweltschutz in der Halong-Bucht

Tausende dschungelgekrönte Kalkfelsen ragen aus dem grünen Wasser. Die Schönheit der Halong-Bucht ist weltberühmt. Doch das Weltnaturerbe im Norden Vietnams ist durch Umweltverschmutzung bedroht.

Vor 500 Millionen Jahre entstand die einzigartige Landschaft der Bucht, die 1994 in die Liste der schützenwerten Naturwunder der UNESCO aufgenommen wurde. In den letzten 20 Jahren haben sich die Umweltbedingungen an der Nordküste Vietnams östlich von Hanoi allerdings dramatisch gewandelt: "Die Region leidet unter steigender Verschmutzung durch zunehmende Industrialisierung, städtische Entwicklung, Kohlebergbau und Tourismus." Das schreibt die in Vancouver ansässige Umweltberatungsfirma ESSA, die gemeinsam mit der Weltbank eine Untersuchung für die Regierung der Provinz Quang Ninh, zu der die Halong-Bucht gehört, durchgeführt hat.

Die Gefahren für das Weltnaturerbe kommen von allen Seiten. Die Region ist ein Tourismusmagnet. Hunderttausende Reisende kommen jährlich und hinterlassen ihren Müll, der aufgrund der fehlenden Strömung noch Jahre später in der Bucht schwimmt. Immer mehr Einheimische ziehen in die Region, da der Tourismus und vor allem die reichen Kohlevorkommen Arbeit versprechen. Der wachsende Energiehunger Vietnams und Chinas haben den Abbau förmlich explodieren lassen. Die Provinzstadt Cam Pha ist seitdem vom Kohlestaub bedeckt. Er legt sich als schwarzes Pulver auf die Straßen und Häuser, landet im Essen und knirscht zwischen den Zähnen.

Der Preis der Kohle

Für die Halong-Bucht und die Flüsse der Region sind die im Bergbau anfallenden Grubenabwässer besonders problematisch. Sie werden ungefiltert in die Flüsse der Region geleitet und gelangen so schließlich in die Bucht. Das Wasser ist voll von Eisen, Kohle, Mangan und Schwebeteilchen. Diese setzen sich als Schlamm am Ufer fest und machen das Wasser sauer. "Das Leben entwickelt sich in einem sauren Wasser nicht. An den Ufern wächst nur noch Schilf, da es tiefe Wurzeln hat. Alle anderen Tiere und Pflanzen gehen ein", so Michael Illing von der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) im Gespräch mit der DW.

Mit deutscher Hilfe sind jetzt erste Schritte unternommen worden, um gegen die Zerstörung der Natur vorzugehen. Unter Leitung der LMBV und mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) wurde im Auftrag des staatlichen Kohlekonzerns Vinacomin am Vang Dang-Fluss eine Anlage zur Reinigung von Grubenwasser gebaut, die seit Dezember 2012 im Betrieb ist. Eine exklusive Bildergalerie der DW dokumentiert den Bau des Pilotprojekts.

Sensibilität für die Umwelt wecken

Das Projekt zeigt, dass die Menschen in Vietnam ein Wirtschaftswachstum um jeden Preis nicht mehr hinnehmen wollen. "Die Bevölkerung und die Kommunalvertreter nehmen jetzt bewusst Einfluss auf die Umwelt und fordern die Betriebe und Konzerne dazu auf, umweltrelevant zu handeln", so Illing, der zur Umsetzung des Projekts mehrere Monate in Vietnam war und sowohl mit Ingenieuren als auch mit Politikern aus Vietnam zusammengetroffen ist. Beim großen Nachbarn China könnten die Vietnamesen sehen, wohin eine entfesselte Industrialisierung und die Vernachlässigung des Umweltschutzes führen.

Ähnlich sieht das Quyen Vu, die Direktorin der ersten unabhängigen Umweltorganisation Vietnams "Education for Nature Vietnam" (ENV). In den neunziger Jahren begann Frau Vu mit Aufklärungskampagnen zum Umwelt- und Tierschutz. ENV schaltete Werbespots im Radio, hielt Vorträge an Schulen und Universitäten und verteilte Broschüren. "Vor allem in den letzten zehn Jahren habe ich einen gewaltigen Fortschritt beim Umweltbewusstsein der Vietnamesen beobachten können", sagt Frau Vu im Interview mit der Deutschen Welle. "Die jüngere Bevölkerung ist viel wacher bei Umweltfragen. Sogar in der Regierung gibt es einen positiven Trend, aber es ist noch viel zu tun."

Trotz des erwachenden Umweltbewusstseins stellt Illing nämlich auch fest: "Für die Realisierung solcher Projekte braucht man einen sehr, sehr langen Atem." Es gebe zwar Gesetze, aber diese würden nur selten buchstabengetreu umgesetzt. In Schwellenländern wie Vietnam kollidiere der Umweltschutz noch zu oft mit kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Das Gebäude des chinesischen Staatsfernsehens verschwindet im Smog (Foto: Reuters)

Die Luftverschmutzung in Peking ist gesundheitsgefährdend

Alle Bemühungen von Frau Vu zielten und zielen immer darauf, die Menschen aufzuklären und selbst handlungsfähig zu machen: "Am wichtigsten ist Hilfe zur Selbsthilfe, damit die Menschen in Vietnam ihre Umwelt selbst schützen können."

Auch Illinig und die LMBV haben von Anfang an darauf geachtet, Vietnamesen in das Projekt einzubeziehen. "Die Planung wurde teilweise in Begleitung von vietnamesischen Ingenieuren durchgeführt", so Illing. Sein Fazit ist optimistisch: "In der neuen Generation existieren bereits neue Maßstäbe für ein Umweltbewusstsein. Das wird auf die Verbesserung der Umwelt- und Lebensbedingungen sicherlich positiv wirken."

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