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Europa

Aktionsplan Elbe steht

Ein Jahr nach der Flutkatastrophe steht das Konzept für den Hochwasseraktionsplan Elbe. Hauptziel: Der Fluss soll wieder mehr Raum bekommen.

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Dresdner schauen über die riesige Wasserfläche der Elbe (Sommer 2002)

Um Flutkatastrophen wie im August 2002 künftig zu verhindern, wollen deutsche und tschechische Hochwasser-Experten der Elbe Überschwemmungsflächen zurückgeben. In einem "Aktionsplan Elbe“, der im Oktober beschlossen werden soll, schlagen die Experten 15 Standorte vor, an denen die Deiche der Elbe und ihrer Zuflüsse ins Hinterland verlegt werden sollen. So könnten rund 27 Quadratkilometer Überflutungsgebiete gewonnen werden.

Neben dem Deichrückbau schlägt die Kommission zum Schutz von Dörfern die Sanierung von rund 550 Kilometern Deich vor, die nicht mehr dem heutigen Standard entsprechen. Zudem sollen 16 neue Flutungspolder angelegt werden, um Hochwasserspitzen zu kappen. Die größten dieser Rückhaltebecken sind in Sachsen-Anhalt geplant.

Trittin: Keine neuen Baugebiete in Flussauen

Warten auf die Flut

Provisorischer Deich bei Bleckede (21.8.2002)

Einige Teile des Aktionsplans, an dem auch Vertreter der der deutschen und tschechischen Regierung beteiligt waren, werden schon jetzt umgesetzt. Der Abriss der Siedlung Röderau-Süd ist sicher eine der spektakulärsten Konsequenzen aus der Jahrundertflut: In dem Ortsteil des sächsischen Ortes Riesa begann im April 2003 der Abriss von insgesamt 120 Wohnhäusern, die in einem Überschwemmungsgebiet errichtet worden waren. In Dresden wurden aus dem selben Grund zahlreiche Kleingärten geräumt, die das Ausbreiten der Wassermassen in Nebenarmen und Flutungsrinnen behindert hatten.

Mit einem neuen Gesetz will Bundesumweltminister Jürgen Trittin künftig die Ausweisung von Bau- und Gewerbegebieten in Überschwemmungszonen gänzlich verbieten. Zudem soll ab 2013 ein grundsätzliches Ackerverbot gelten. Bei einer Reise in die Hochwassergebiete vom August 2002 kritisierte Trittin, dass Städte und Gemeinden schon jetzt wieder dabei seien, neue Baugebiete in Flussauen zu planen.

Tschechien: Rückhaltebecken ausbauen

In Tschechien, wo kaum Orte eingedeicht sind, setzt der Aktionsplan vorrangig auf den Ausbau von Rückhaltebecken. Dabei sollen auch die Speicherkapazitäten bestehender Talsperren an der Moldau und anderen Flüssen erhöht werden. Die Talsperren verhinderten bereits im vergangenen August schlimmere Schäden in Prag, indem sie das Eintreffen der Hochwasserwelle verzögerten. Dadurch hatten die Behörden mehr Zeit für Evakuierungen und Schutzmaßnahmen. Außerdem verhinderten die Talsperren, dass entwurzelte Bäume und vom Fluss mitgerissene Wochenendhäuser in die Hauptstadt geschwemmt wurden.

Um Dörfer und Städte besser zu schützen, will die tschechische Regierung außerdem künftig auch in anderen Landesteilen verstärkt mobile Schutzwände einsetzen, wie sie im August 2002 die Prager Altstadt vor der Überflutung bewahrten. Für die Finanzierung der Maßnahmen hat Prag bereits Darlehen bei der Europäischen Union beantragt.

WWF fordert mehr Kompetenzen für den Bund

Die Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) Deutschland begrüßte die Vorschläge der Elbekommission grundsätzlich. Die Umweltschützer warfen den Ländern aber vor, nichts aus der Hochwasserkatastrophe gelernt zu haben und äußerten Zweifel, dass diese den Aktionsplan umsetzen würden. "Ein Jahr nach der Flut ist nicht erkennbar, dass die Verantwortlichen auf Länderebene bereit sind, die Lehren zu ziehen", kritisierte der Leiter des WWF-Aueninsituts, Emil Dister.

Er forderte mehr Kompetenzen für die Bundesregierung und warnte davor, zu schnell Erfolge des neuen Hochwasserkonzepts zu erwarten. Wie beim Atomausstieg werde für die "Gewässerwende" ein langer Atem gebraucht. So könne es bis zu zehn Jahre dauern, bis ein Deich versetzt sei oder ein Flutungspolder angelegt. Für die Umsetzung eines Flussprogramms reiche ein Vierteljahrundert kaum aus.

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