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Aktuell Deutschland

Aktionäre strafen Deutsche-Bank-Spitze ab

Die Aktionäre der Deutschen Bank haben dem Führungsduo auf der Hauptversammlung die gelbe Karte gezeigt. Die beiden Vorstandchefs Jain und Fitschen wurden nur mit jeweils 61 Prozent entlastet.

Üblich sind bei Hauptversammlungen in Deutschland Zustimmungsraten für die Unternehmensspitze von 95 Prozent und mehr. Der Vorgang hat allerdings keine direkten Folgen, da nur der Aufsichtsrat über eine Abberufung von Vorständen entscheiden kann.

Aktionäre kritisieren Kurs

In dem schwachen Ergebnis für die beiden Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen (Artikelbild, Jain links), spiegelt sich die massive Kritik vieler Aktionäre am Kurs des größten deutschen Geldhauses. Sie bestimmte die Hauptversammlung in Frankfurt am Main. Im Zentrum stand die schleppende Aufarbeitung zahlreichen Skandale der Vergangenheit, die die Bank Milliarden kosten.

Aufsichtsratschef Paul Achleitner hatte über die Vorstandsmitglieder einzeln abstimmen lassen, nachdem einige Großinvestoren Kritik an den bisherigen Ergebnissen der Führungsmannschaft geübt hatten. Einflussreiche Aktionärsberater wie die Gesellschaften ISS und Hermes hatten Fonds im Vorfeld empfohlen, den Vorstand nicht zu entlasten.

"Umbau geht weiter"

Jain und Fitschen hatten vor den Aktionären eingeräumt, dass ihre bisherige Amtszeit seit Juni 2012 keine reine Erfolgsgeschichte war. Die vergangenen drei Jahre seien aber "keine verlorene Zeit", sagte Fitschen. "Wir fühlen uns auf einer besseren Basis als vor drei Jahren." Allerdings sei der Abbau von Altlasten teurer und dauere länger als gedacht.

Zudem habe das Management die neuen Vorgaben der Finanzaufsichtsbehörden weltweit unterschätzt. "Wir sind noch nicht am Ziel, der Umbau geht weiter" rief Fitschen den Aktionären zu. "Wir liefern Ihnen noch nicht die Renditen, die Sie erwarten und verdienen." Doch beide Co-Chefs bekräftigten: "Wir sind davon überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Mehr Macht für Jain

Wenige Stunden vor Beginn der Hauptversammlung hatte der Aufsichtsrat der Deutschen Bank einen weitreichenden Umbau des Top-Managements beschlossen. Der vor allem in Deutschland umstrittene Jain übernimmt die Verantwortung für Strategie und Organisationsentwicklung. Fitschen, der durch den laufenden Kirch-Prozess in München belastet ist, bekommt keine neuen Aufgabengebiete, sondern gibt die Zuständigkeit für die unternehmensinterne "Bad Bank" ab. Privatkunden-Chef Rainer Neske, der vergeblich gegen die Trennung von der Postbank gekämpft hatte, wird die Deutsche Bank nach 25 Jahren zum 30. Juni verlassen.

wl/SC (dpa, afp, rtr)