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Wirtschaft

Aktienmarkt nimmt Aufschwung vorweg

An der Börse wird bekanntlich die Zukunft gehandelt. Seit Anfang des Jahres haben die Deutschen Aktienkurse im Schnitt um 15 Prozent zugelegt. Eine Wette auf den bevorstehenden Aufschwung?

Börsianer mit einem Champagnerglas (Foto: AP)

Für Sektlaune ist es noch zu früh

Glaubt man den jüngsten Wachstumszahlen und Konjunkturindikatoren, dann hat die deutsche Wirtschaft nach einem tiefen Fall den Boden gefunden und kann in den kommenden Quartalen sogar mit einem moderaten Wachstum rechnen. Auch an der Börse, an der bekanntlich mit der Zukunft gehandelt wird, spiegelt sich dieser Aufwärtstrend wider. Seit einigen Tagen schließt der Deutsche Aktienindex DAX öfters auf Jahreshöchstständen jenseits der 5.500 Punkte. Und seit Jahresbeginn haben die Aktienkurse im Schnitt um 15 Prozent zugelegt.

Werden die Anleger schon wieder übermütig? Wenn es den Menschen gut geht, ist alles gut. Wenn es ihnen zu gut geht, kann Übermut schnell zum Absturz führen. Am schönsten ist es wohl, wenn es nicht mehr schlecht geht. Und das haben Menschen und Börsen gemein. Manfred Hübner, Geschäftsführer der Sentix GmbH, fragt bei den Anlegern regelmäßig ihre Befindlichkeit ab. Für ihn es deshalb kein Widerspruch, dass die Unternehmen noch rote Zahlen liefern, der Deutsche Aktienindex aber ein Jahreshoch nach dem anderen produziert: "Die guten Börsen reflektieren, dass die Probleme kleiner werden. Das schönste Gefühl ist, wenn die Schmerzen nachlassen."

Hiobsbotschaften bleiben aus

Börsensaal in Frankfurt (Foto: dpa)

Es geht aufwärts: Börsensaal in Frankfurt

Seit März sei klar, dass die Hiobsbotschaften ausbleiben, meint Hübner: "Das Vertrauen in die Wirtschaft kommt zurück." Der Ifo-Geschäftsklimaindex hatte das am Mittwoch (26.08.2009) bestätigt. Zum fünften Mal in Folge ist er gestiegen. Alle Pessimisten, die steigenden Kursen im März misstrauten, sind Lügen gestraft worden. Hübner beschreibt, in welcher Phase der Kurszyklus sich nun befindet: "Die erste Phase der Erholung: Börse steigt, weil Hiobsbotschaften ausbleiben. Dann Korrekturphase: Die Anleger sind verunsichert. Jetzt, und der Ifo-Index ist eine Bestätigung, ist eine Phase der Entdeckung. Es wird entdeckt, dass die Talsohle durchschritten ist. Jetzt werden Analysten ihre Kursziele nach oben nehmen. Diese Phase der Entdeckung ist die rationale Phase: größte Übereinstimmung zwischen guten Nachrichten und guter Kursentwicklung."

Aber an vielen Anlegern sind die ersten Phasen vorbeigezogen. Denn die Zahl der Aktionäre in Deutschland hat schon deutlich höher gelegen als derzeit. Viele hatten seit 2001 verkauft, hatten mit den Füßen abgestimmt, hatten sich vom Aktienmarkt zurückgezogen. Damals besaßen gut 12,8 Millionen Deutsche Aktien oder Aktienfonds. Jetzt sind es noch 8,8 Millionen. Doch der Rückgang scheint gestoppt. Im ersten Halbjahr 2009 ist die Zahl der Aktienbesitzer um rund 20.000 gestiegen, nicht viel, aber wenigstens nicht mehr gefallen.

Die Jungen kommen

Ein Börsenmakler grübelt (Foto: AP)

Ist die Hälfte des Aufschwungs schon vorbei?

Rüdiger von Roosen, geschäftsführender Vorsitzender des Deutschen Aktieninstituts, weiß, wer und warum an den Aktienmarkt zurückkam: "Die Privaten werden das nachvollziehen. Die unter 40jährigen sind starker eingestiegen. Die haben wegen der Altersversorgung einen langen Anlagehorizont. Das ist eine positive Entwicklung für den Gesamtmarkt." Manfred Hübner kann erklären, warum viele Aktionäre nur langsam wieder den Weg zurück zum Markt finden: Weil sie zuvor, im Abschwung, zu spät verkauft haben: "Das heißt: Mit Verlust verkauft. Die negative Haltung will man so schnell nicht mehr abgeben. Dann verteidigen Anleger ihre negative Haltung. Fehler nicht eingestehen."

Doch wer erst jetzt erst kommt, hat einen Teil des Aufschwungs, den, in dem man am leichtesten Geld verdienen kann, verpasst. Wenn das Modell der Sentix-Leute stimmt, dürfte die Hälfte des Börsen-Aufschwungs schon vorbei sein. Das heißt aber auch: Die andere Hälfte steht noch bevor. Es ist aber wie beim Bergwandern: Nun wird es steiler, langsamer, risikoreicher.

Autor: Michael Braun

Redaktion: Rolf Wenkel