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Wirtschaft

Aktien runter - Euro hoch

Starke Kursverluste bei Finanz- und Technologiewerten haben am Montag (24. Juni 2002) den Handel an der Frankfurter Börse stark belastet.

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Die wichtigsten deutschen Aktienindizes gaben am Mittag nach frühen Gewinnen erheblich nach und erreichten neue Jahrestiefstände. Die Verluste gingen quer durch die Bank, sagten Aktienhändler. Man sei überrascht, wie stark die europäischen Börsen verloren haben, während sich die US-Märkte vergleichsweise moderat hielten. Man glaube, vielerorts gebe es bereits eine Art Panik.

Viele Großanleger lösten erst einmal ihre Depots auf oder reduzierten zumindest den Anteil zugunsten anderer Wertpapiere. Ohne dass sich die Konjunktur stark verändert habe, sei der DAX seit Mitte Mai um 1.000 Punkte gefallen.

Das Börsenbarometer DAX verlor am Montag zweieinhalb Prozent oder 105 Punkte auf 4127. Am Neuen Markt fiel der NEMAX 50 um 1,7 Prozent oder elf Punkte auf 610. Ausschlaggebend für die starken Verluste seien Allianz, Münchener Rück und SAP, sagten Aktienhändler. Das Börsenumfeld sei allgemein schlecht und der DAX könnte noch einmal die Marke von 4.000 Punkten testen.

Warten auf den Aufschwung

SAP verloren als grösster Tagesverlierer 5,4 Prozent. Viele Anleger hätten bei SAP ebenso wie bei den anderen Technologiewerten immer noch Angst vor einem weiter rückläufigen Geschäft, sagten Händler. Schließlich wüssten nicht einmal die Unternehmen selbst, wann der lang ersehnte Aufschwung komme.

Angesichts der schlechten Branchensituation sei das SAP-Papier trotz der deutlichen Kursverluste der vergangenen Monate immer noch teuer, sagte ein Händler. In den vergangenen zwölf Monaten hatte dieser Titel seinen Wert aber bereits fast halbiert und das Unternehmen damit mehr als 20 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung eingebüßt.

Interesse an Allianz?

Die Aktie des Münchener Finanzkonzerns Allianz verbilligte sich um 4,1 Prozent. Die HypoVereinsbank (HVB) hat ihren Anteil am Versicherungsriesen Allianz wie geplant auf unter fünf Prozent reduziert. Die Allianz-Anteile seien nicht an der Börse platziert, sondern von einem Finanzinvestor außerbörslich übernommen worden, hieß es. Eine weitere Reduzierung der Allianz-Anteile sei derzeit nicht vorgesehen.

Die Deutsche Bank teilte unterdessen mit, sie wolle sich entgegen den Marktgerüchten momentan nicht von Allianz-Anteilen trennen. "Wir verkaufen nicht in diesen Tagen und wenn, dann nur zu angemessenen Preisen", sagte ein Bank-Sprecher am Montagabend. Vergangene Woche hatte die Deutsche Bank ihre restlichen 7,6 Millionen Anteile an der
Münchener Rück an der Börse platziert. Seitdem hat dieser Wert rund zehn Prozent an Wert verloren.

T-Aktie fällt weiter

Die Aktien der Deutschen Telekom haben nach einer Herabstufung des französischen Wettbewerbers France Telecom (FT) durch die Ratingagentur Moody's am Montag ihre Verluste ausgeweitet. Die T-Aktie fiel um über vier Prozent und markierte neue Allzeittiefs. Die Herabstufung der FT belaste die Deutsche Telekom neben der allgemeinen Marktschwäche sehr stark, sagten Händler. "Wir hoffen,
dass sich die T-Aktie auf dem derzeitigen Niveau hält", fügte ein Börsianer hinzu.

Da es derzeit aber keine technische Unterstützungslinie gebe, sei das Schicksal des Papiers nicht absehbar. Es gebe nun nur noch eine psychologische Marke bei 8,50 Euro. Andere Analysten wollten weitere Kursverluste der T-Aktie nicht ausschließen, obwohl die Talsohle seiner Einschätzung nach erreicht sein müsste.

Am Mittag hatte Moody's die Bonitätseinstufung der FT auf "Baa3", knapp über dem Status "Junk", herabgesetzt. Das Unternehmen könne seine Verschuldung in nächster Zeit voraussichtlich nicht abbauen, hieß es zur Begründung. Die Einstufung der FT-Mobilfunktochter Orange wurde parallel zur Muttergesellschaft ebenfalls auf "Baa3" herabgesetzt. Der Ausblick für die Einstufungen beider Unternehmen sei negativ, teilte Moody's weiter mit.

Euro-Jahreshoch

Am Vormittag war der Euro auf ein neues Jahreshoch von über 0,98 Dollar geklettert. Händler sprachen von einer anhaltenden Dollar-Schwäche und einem weiteren Rückzug der Anleger aus der US-Währung. Grund seien unter anderem die Verluste an den US-Aktienmärkten und die Brasilien-Krise.

Auch von der am Dienstag beginnenden Sitzung der US-Notenbank werde der Dollar kaum profitieren, da eine Zinserhöhung unwahrscheinlich sei, weil sich das Verbrauchervertrauen in den USA zuletzt wieder abgeschwächt habe.

Die Durchschnittsrendite gab drei Basisstellen auf 4,8 Prozent ab. Die Schlusskurse im Dax wie immer ohne Gewähr:

adidas-Salomon 83,20 (- 3,99)
Allianz 182,30 (- 7,80)
BASF 45,50 (- 0,60)
Bayer 31,38 (- 0,63)
HypoVereinsbank 31,21 (- 0,10)
BMW 37,94 (- 0,24)
Commerzbank 15,01 (- 0,97)
DaimlerChrysler 44,66 (- 0,30)
Degussa 35,78 (- 0,12)
Deutsche Bank 67,73 (- 2,32)
Deutsche Post 12,79 (- 0,21)
Deutsche Telekom 8,68 (- 0,37)
E.ON AG 56,57 (- 0,94)
EPCOS 32,93 (- 1,09)
Fresenius Med. Care 48,80 (+ 0,50)
Henkel 68,80 (- 0,62)
Infineon Techno 15,85 (+ 0,59)
Linde 49,30 (- 0,05)
Lufthansa 13,93 (- 0,22)
MAN 19,62 (- 0,68)
Metro 29,30 (- 0,50)
MLP 31,25 (- 0,83)
Münchener Rück 211,00 (- 11,00)
Preussag 24,83 (+ 0,07)
RWE 38,31 (- 0,19)
SAP 90,60 (- 5,15)
Schering 61,45 (- 0,62)
Siemens 57,81 (- 1,98)
ThyssenKrupp 15,46 (- 0,11)
VW 46,05 (- 1,55)

Ausgewählte Devisennotierungen aufgrund der Referenzkurse der Europäischen Zentralbank - danach kostete ein Euro

US-Dollar 0,9781
Brit. Pfund 0,6501
Schw. Franken 1,4694
und Japan Yen 118,62

  • Datum 24.06.2002
  • Autorin/Autor Thomas Kirschning
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2Rcy
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