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Welt

Akteure und Allianzen in der Irak-Krise

Im Irak liefern sich unterschiedliche Gruppierungen blutige Gefechte. Wer sind sie und was wollen sie?

ISIS

Die Organisation "Islamischer Staat im Irak und Syrien" kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum. Ihr zweiter Name ISIL (Islamischer Staat im Irak und in der Levante) verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten. ISIS verzeichnet derzeit territoriale Gewinne im Irak und zielt darauf ab, als nächstes auch die Hauptstadt Bagdad einzunehmen. Die radikale Islamistengruppe ging aus der von Abu Bakr al-Bagdadi geführten Gruppe "Al-Kaida im Irak" hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak richtete. Außerdem kämpft sie seit Jahren gegen die Schiiten im Land. 2012 mischte sich Al-Bagdadi in den Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien ein und baute dort die islamistische Al-Nusra-Front mit auf. Doch ISIS überwarf sich 2013 mit der Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen eigentlich dem Terrornetzwerk Al-Kaida angehörten. Während die Al-Nusra-Front heute in Syrien im Namen des Terrornetzwerkes Al-Kaida weiterkämpft, operiert ISIS in Syrien und dem Irak eigenständig. Die ISIS wird überwiegend aus Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien finanziert. Sie profitiert innerhalb des Irak vom Streit zwischen der von Schiiten dominierten Regierung unter Nuri al-Maliki und den sunnitischen Parteien des Landes.

Sunniten

Mehr als ein Drittel der irakischen Bevölkerung sind sunnitische Araber. Sie leben überwiegend im Norden und Westen des Landes. Bis zum Sturz des Diktators Saddam Hussein im Jahr 2003 dominierte die Minderheit der arabischen Sunniten das Land. Schiiten und Kurden wurden gewaltsam unterdrückt. Nach dem Ende des Irak-Krieges kam es zu Wahlen, aber es gab keine Aussöhnung der Bevölkerungsgruppen. Ministerpräsident Nuri al-Maliki regiert das Land zunehmend autoritär. Ihm wird vorgeworfen, die Sunniten von der Macht auszuschließen. Daher werden die ISIS-Kämpfer von verschiedenen sunnitischen Stämmen und Guerillagruppen unterstützt, darunter auch von Jaysh al-Muhammad, Ansar al-Sunnah und der Naqshbandi-Armee, dem bewaffneten Arm der verbotenen Baath-Partei.

Schiiten

Mit etwa 60 Prozent machen die schiitischen Araber den größten Teil der Bevölkerung im Irak aus. Sie leben vor allem im Zentrum des Landes rund um ihre heiligen Stätten Nadschaf und Kerbela südlich der Hauptstadt Bagdad. Nach dem Ende des Irak-Krieges ging der Schiit Nuri al-Maliki als Sieger aus den demokratischen Wahlen hervor. Er wird von einer schiitischen Allianz gestützt, was den Machtkampf zwischen Schiiten und Sunniten erneut entbrannte. Die sunnitische Terrorgruppe "Islamischer Staat im Irak und Syrien" (ISIS) betrachtet die Schiiten als "Abweichler" von der wahren Lehre des Islam und bekämpft sie im Irak. Die wichtigsten Milizen der Schiiten sind die Kataibe-Brigade, die Assaub-Brigade sowie die Imam-al-Sadr-Brigade. Sie verfügen momentan jeweils über 2500 bis 3000 Mann, die ausgezeichnet bewaffnet sind. Hinzu kommen zehntausende Freiwillige mit wenig Kampferfahrung. Der hoch angesehene schiitische Geistliche Großayatollah Ali al-Sistani hat die Schiiten dazu aufgerufen, zu den Waffen zu greifen, um ihre heiligen Stätten zu verteidigen.

Kurden

Die Volksgruppe macht etwa 17 Prozent der irakischen Bevölkerung aus. Der Großteil der Kurden gehört dem sunnitischen Islam an. Sie leben vor allem im autonomen Nordirak. Aus dem aktuellen Konflikt zwischen den sunnitischen Kämpfern der ISIS und den Schiiten unter Premier Al-Maliki versuchen sich die Kurden herauszuhalten. Sie haben eine eigene mehr als 100.000 Mann starke Streitmacht, die Peschmerga. Teilverbände rückten unmittelbar nach Beginn der ISIS-Offensive in Kirkuk ein. So wurden die Kurden über Nacht zu den neuen Herren der Stadt. Ministerpräsident Nuri al-Maliki hatte die Peschmerga nie in die irakische Armee integriert. Deren Mithilfe im Kampf gegen die ISIS kann er nun nicht einfordern. Die Kurden sind für die USA, Europa und Israel ein zuverlässiger Partner in der aktuellen Krise und könnten als Gewinner daraus hervorgehen.

Irakische Streitkräfte

Die relativ modern ausgerüstete Armee besteht aus 14 Divisionen mit 270.000 Mann. Sie wurden jahrelang von US-Ausbildern trainiert. Vier Divisionen sind bereits komplett zusammengebrochen. In diesen Einheiten dienten überproportional viele Sunniten und Kurden, die kein Interesse daran hatten, ihr Leben für die schiitische Regierung von Nuri al-Maliki zu riskieren. Die im Norden des Irak stationierten schiitischen Soldaten sind wenig motiviert, für die Verteidigung überwiegend sunnitischer Städte wie Mossul oder Tikrit zu kämpfen. Für die morsche Struktur und niedrige Moral der Truppe sind vor allem die Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten verantwortlich, aber auch Korruption.

Regionale und internationale Akteure

Der Iran sieht sich als regionale Schutzmacht der Schiiten. Teheran unterstützt daher die irakische Regierung im Kampf gegen die sunnitische ISIS. Irans Präsident Hassan Rohani kündigte an, man werde nicht zögern, heilige Stätten des Islam im Irak zu verteidigen. Westliche Diplomaten gehen davon aus, dass sich bereits Mitglieder der iranischen Revolutionären Garde im Irak befinden.

Irans regionaler Gegenspieler, das streng sunnitische Saudi-Arabien, warnt vor einer internationalen Einmischung in den Konflikt. Saudi-Arabien fürchtet, ebenso wie andere Golfstaaten, eine starke schiitische Achse vom Irak über den Iran und Syrien bis zur libanesischen Hisbollah.

Die USA unterstützen die schiitische Regierung unter Nuri al-Maliki. Nach dem Abzug der US-Soldaten aus dem Irak im Jahr 2011 hat Washington in den letzten Monaten in großem Stil Waffen an die irakische Armee geliefert. Neben Kriegsschiffen schickt US-Präsident Barack Obama bis zu 275 amerikanische Soldaten in die Krisenregion. Die Sorge davor, dass militante Islamisten im Irak weiter Fuß fassen, hat zu ersten Gesprächen zwischen den USA und dem Iran geführt.

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