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Wirtschaft

Airbus-Geschäft mit China: Durchstart oder Bruchlandung?

Nach dem Airbus-Deal mit China kommen vor allem aus Frankreich kritische Stimmen. Sie warnen vor den Folgen des Technologietransfers. Arbeitsplätze in Europa könnten vernichtet werden. Wie real ist diese Gefahr?

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Die Chinesen wollen nicht nur die fertigen Flugzeuge

Airbus habe sich "über den Tisch ziehen lassen", wetterte Christian Harbulot, Wirtschaftsforscher und Direktor der Pariser Ecole de Guerre Économique, in der Pariser Zeitung "Le Parisien" (6.12.2005). "Die Europäer haben gebilligt, was die US-Behörden Boeing verboten haben, nämlich den Bau eines Montagewerks." Harbulot befürchtet wettbewerbsschädigenden Technologietransfer.

Umsatz teuer erkauft?

Ministerpräsident Wen Jiabao bei Dominique de Villepin Frankreich

Wen Jiabao und Dominique de Villepin vor dem Vertragsabschluss

Im Rahmen des Großauftrags - die Chinesen wollen 150 Flugzeuge der A320-Familie kaufen, Auftragsvolumen: 8,2 Milliarden Euro - hatte der Airbus-Mutterkonzern EADS eingewilligt, bis Mitte 2006 den Bau eines Montagewerks in China zu prüfen. Gemeinsam mit chinesischen Unternehmen will der Luft- und Raumfahrtriese zudem einen Hubschrauber entwickeln. Harbulot befürchtet, die kopierfreudigen Chinesen könnten sich so nach und nach der europäischen Technik bemächtigen. EADS/Airbus mache zwar anfangs gute Geschäfte, laufe aber in Gefahr, dass China in einiger Zeit "die gleichen Flugzeuge baut und keine Airbusse mehr kauft." Unterstützung bekommt er dabei von französischen Zeitungen. Die warnen, in der Luftfahrtindustrie könnten sich die Folgen des Technologietransfers wie in der Textilindustrie wiederholen und somit Arbeitsplätze in Europa vernichtet werden.

Monika Stärk, Geschäftsführerin des Ostasiatischen Vereins zur Förderung der deutschen Asienwirtschaft, hält es dagegen für "ganz üblich, dass sich die abnehmenden Länder an der Produktion beteiligen wollen." Zwar habe die Bereitschaft deutscher Firmen zum Technologietransfer nach Asien "aus guten Gründen" abgenommen, sagt sie im Gespräch mit DW-WORLD. Letztendlich sei es aber Sache des einzelnen Unternehmens zu entscheiden: "Transferiere ich technisches Know-How oder verzichte ich auf einen Auftrag, wenn dieser an Technologietransfer in nicht vertretbarem Maß gebunden ist?" Und sich die Frage zu stellen: "Was macht der Konkurrent?"

Staatliche Grenzen für multinationale Konzerne?

Airbus ist in China bislang mit einem Marktanteil von 34 Prozent nur die Nummer 2 - denn der US-amerikanische Gegenspieler Boeing hat mit 60 Prozent die Nase vorn. Und das angeblich, ohne seine Technik Preis zugeben. "Boeing durfte nur eine Reparatur- und Wartungswerft in Shanghai bauen", behauptet Harbulot. Dass die EU auf Freihandel setze, sei ein "schwerer strategischer Fehler, der vor allem daher kommt, dass wir in Europa – anders als die USA oder China – keine politische Orientierung der Wirtschaft haben."

Airbus A320 China Southern Airlines Northern Company

Airbus A320 einer chinesischen Fluglinie: Kann die Freiheit wohl grenzenlos sein?

Monika Stärk kann solchen Forderungen nichts abgewinnen. "Staatliche Beschränkungen lösen das Problem nicht." Die Unternehmen müssten selbst bestimmen, "ob sie ihren Wettbewerbsvorsprung durch eigene technologische Weiterentwicklung sichern können." Im Hamburger Airbus-Werk nimmt man die Kritik recht entspannt auf. "Flugzeuge sind heute Weltprodukte. Kein einzelnes Land kann Flugzeuge noch im Alleingang fertigen", erklärte Airbus-Sprecher Tore Prang DW-WORLD. Die Kernkompetenz werde Airbus nicht aus der Hand geben. Eine mögliche Endmontage in China, deren Prüfung ohnehin noch ausstehe, bedeute keineswegs die Preisgabe von entwicklungstechnischem Wissen.

Lego-Steine zusammenstecken

"Der Zusammenbau eines Flugzeuges ist ein relativ bescheidener Teil des Flugzeugwertes. Die technologischen Schwierigkeiten stecken in den einzelnen Sektionen des Flugzeuges, im Cockpit, in den Flügeln, im Treibstoffsystem", sagte EADS-Ko-Chef Noel Forgeard. Dessen Konzern hält 80 Prozent an Airbus. "Nur weil sie wissen, wie man Lego-Steine zusammensteckt, verfügen sie noch lange nicht über die Technologie, ein Flugzeug zu bauen", meinte Forgeard dazu am Mittwoch (7.12.).

Dennoch: Nur wer der Volksrepublik technische Zusammenarbeit anbietet, dürfte langfristig das Rennen machen. Nur einen Tag nach Unterzeichung des Airbus-Deals mahnte Regierungschef Wen Jiabao in Paris, Frankreich müsse ein "noch attraktiveres Angebot" bei Technologietransfer und Preis machen, damit sich die Kooperation entwickeln könne. Diesmal ging es um Aufträge für vier Atomreaktoren in China. Wert: über 6,7 Milliarden Euro. Die Wettbewerber sind zwei Atomtechnikkonzerne: einer aus den USA, der andere aus Frankreich.

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