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Wirtschaft

Airbus: Chirac drängt, Merkel delegiert

Zur Vorbereitung des EU-Gipfels im März treffen sich Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Staatspräsident Chirac auf Schloss Meseberg bei Berlin. Die Konsultationen sind überschattet von der Airbus-Krise.

Angela Merkel und Jacques Chirac

Angela Merkel und Jacques Chirac treffen sich in Brandenburg

Am Freitag (23.2.07) reist der französische Staatspräsident zu einem informellen Gipfeltreffen mit Bundeskanzlerin Merkel im brandenburgischen Schloss Meseburg. Dabei solle auch "die Sorge um die Beschäftigung" im Airbus-Streit berücksichtigt werden, erklärte das Präsidialamt in Paris am Donnerstag. Chirac wünsche eine rasche Lösung "in einem Geist der Partnerschaft und der angemessenen Aufteilung der Lasten".

Auf der Tagesordnung des Treffens stehen auch Gespräche über die Energiepolitik und Entscheidungen zur EU-Reform, welche die EU-Staats- und Regierungschef bei ihrem Gipfel im Juni treffen sollen. Merkel und Chirac werden auch Initiativen zur Belebung des Nahost-Friedensprozesses und den Atomkonflikt mit Iran diskutieren.

Berlin will keinen "Airbus-Gipfel"

Nach dem Willen von Bundeskanzlerin Merkel soll es keinen "Airbus-Gipfel" geben. Die Politik wolle den Managern ihre Entscheidung über die Airbus-Sanierung nicht abnehmen, verkündete die Bundesregierung. Bundesarbeitsminister Franz Müntefering betonte unterdessen in Brüssel, die Bundesregierung lege Wert darauf, dass die Konsolidierung in gerechter Weise erfolge. Wichtig sei vor allem, dass die deutschen Airbus-Standorte "nicht an Innovationskraft verlieren". Es könne nicht sein, dass an deutschen Standorten nur Flugzeugteile hergestellt würden, "die irgendwann mal die Produkte von gestern sein werden".

Der französische Premierminister Dominique de Villepin hatte am Dienstag mit der Ankündigung für Verwirrungen gesorgt, bei Airbus würden 10.000 Stellen gestrichen. Die deutsche Bundesregierung und EADS, der Mutterkonzern von Airbus, betonten dagegen umgehend, dass noch keine Entscheidungen gefallen seien. Mit der Streichung von 10.000 Stellen wäre fast jeder fünfte Arbeitsplatz bei dem Flugzeugbauer betroffen.

Zeitung: In Deutschland sollen 3.700 Arbeitsplätze wegfallen

In den Airbus-Werkstätten sollen Stellen abgebaut werden

Zukunft ungewiss: In den Airbus-Werkstätten sollen Stellen abgebaut werden

Am Donnerstag kursierten weitere Spekulationen um Stellenabbau und Werksverkäufe. Bei Airbus-Deutschland stehen nach einem Bericht des Bremer "Weser Kuriers" rund 3700 Arbeitsplätze auf dem Spiel, zwei Werke sollen verkauft werden. Die "Financial Times Deutschland" berichtete hingegen von 5000 bedrohten Stellen. Demnach sollen neben den Airbus-Werke in Varel und Nordenham auch Laupheim und Buxtehude verkauft werden. EADS und Gewerkschaft wiesen alle Zahlen als Spekulationen zurück.

Dem "Weser Kurier" zufolge gilt die Zahl von 10.000 Jobs, die europaweit im Zuge des Airbus-Sanierungsplans "Power 8" wegfallen sollen, als gesichert. Demnach entfallen mit 4300 Stellen die meisten auf Frankreich, in England und Spanien wolle Airbus die Belegschaften um jeweils 1000 Mitarbeiter verkleinern. Unter Berufung auf Regierungskreise berichtete das Blatt, die niedersächsischen Werke Nordenham und Varel mit zusammen zirka 3550 Beschäftigten sollten verkauft werden. Für die Standorte Hamburg, Bremen und Stade will Airbus demnach eine Bestandsgarantie geben.

Werke sollen offenbar verkauft werden

Der Bremer SPD-Bundestagsabgeordnete Volker Kröning bestätigte den Bericht im Grundsatz. Aus dem Umfeld der politischen und industriellen Spitzen sei zu erfahren, dass sich eine klare Tendenz verfestige, sagte der SPD-Politiker. Es sei "ein offenes Geheimnis", dass es primär um den Verkauf der Werke in Nordenham und Varel gehe. Laut "Financial Times Deutschland" stehen zusätzlich die Werke Buxtehude und Laupheim mit zusammen 1500 Beschäftigten auf der Verkaufsliste. Aus den Werken solle ein Kompetenzzentrum für den Kabinenbau unter der Regie eines Investors entstehen, berichtete das Blatt unter Berufung auf Branchenkreise.

EADS weist Berichte als Spekulationen zurück

Unternehmen und Gewerkschaften bezeichneten die Berichte als Spekulationen. "Alles, was sie derzeit an Zahlen und Werken, die betroffen sein sollen, hören, ist reine Spekulation", sagte ein EADS-Sprecher. "Wer auch immer neue Spekulationen in die Welt setzt, spielt in unverantwortlicher Weise mit den Ängsten der Mitarbeiter."

Medienberichte, wonach die EADS-Führung an diesem Wochenende über das Sparprogramm entscheide, wollte der Konzern nicht bestätigen. Es bleibe dabei, dass die Pläne "um Ende Februar herum" bekannt gegeben werden sollten, sagte der EADS-Sprecher. (tos)

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