Air Berlin muss erneut Flüge streichen | Aktuell Deutschland | DW | 13.09.2017
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Luftfahrt

Air Berlin muss erneut Flüge streichen

Weil sich wieder Piloten krankgemeldet haben, streicht Air Berlin auch an diesem Mittwoch Flüge. Politiker und Manager warnen vor verheerenden Konsequenzen für die Krisen-Airline. Doch Besserung zeichnet sich ab.

Nach zahlreichen Flugausfällen rechnet die Air Berlin für diesen Donnerstag mit einem normalen Flugbetrieb. Die Zahl der Krankmeldungen flaue ab, hieß es in einem Offenen Brief des Vorstands an die Cockpit-Crews. "Die Piloten kommen zurück", sagte ein Sprecher. Nach der Streichung von etwa jedem siebten Flug am Dienstag bezeichnete der Chef der insolventen Airline, Thomas Winkelmann, in dem Brief auch die Situation am Mittwoch als "unerträglich". Mindestens 32 Flüge müssten gestrichen werden - am Vortrag war es noch mehr als das Dreifache gewesen. Zudem fielen am Mittwoch 35 Verbindungen bei der Lufthansa-Tochter Eurowings aus, die üblicherweise von Air Berlin durchgeführt werden.

"Potenzielle Investoren werden durch die gestrige und heutige Performance verschreckt", betonte Winkelmann gemeinsam mit Betriebsleiter Oliver Iffert und Personalchefin Martina Niemann. Sie appellierten an die Piloten: "Meldet Euch aus dem Off freiwillig zurück."

Der Vorstand der Fluglinie hatte am Dienstag in einem internen Schreiben der Belegschaft mitgeteilt, dass "gegenwärtig 149 Krankmeldungen von Kapitänen und First Officers" vorlägen. Dieser Krankenstand habe sich bis Mittwochmorgen nicht verändert, sagte eine Sprecherin. Am Dienstag hatten sich etwa 200 Mitarbeiter krank gemeldet. 

Berlin Thomas Winkelmann (l), Vorstandschef von Air Berlin, und der Air-Berlin-Generalbevollmächtigte Frank Kebekus (picture-alliance/dpa/J. Kalaene)

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann (l.) und der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus

Nach Angaben der Pilotengewerkschaft Cockpit besteht unter den Piloten die Sorge, dass Langstreckenflüge vor einer Übernahme durch ein anderes Unternehmen eingestellt werden sollen. Hintergrund könnte sein, dass man die gut bezahlten Langstreckenpiloten dann loswerden wolle, sagte der Präsident der Vereinigung Cockpit, Ilja Schulz, der "Rheinischen Post". Allerdings trat Cockpit trat dem Verdacht entgegen, zu Krankmeldungen aufgerufen zu haben und ermahnte gesunde Kollegen, zur Arbeit zu gehen. Der Betriebsrat rief ebenfalls dazu auf. 

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte, die Insolvenz von Air Berlin sei "eine große Belastung für alle Mitarbeiter, vor allem auch wegen der Unsicherheiten bezüglich der Entwicklung der Arbeitsplätze", sagte Dobrindt der "Bild"-Zeitung." Gerade deswegen sei es "wichtig, den Flugbetrieb jetzt bestmöglich aufrecht zu erhalten und nicht die Kunden in Mitleidenschaft zu ziehen".

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) forderte den Zusammenhalt von Belegschaft und Unternehmen. "Ich wünsche mir, dass alle Beteiligten an den Gesprächen um die Zukunft von Air Berlin die Nerven behalten und versuchen, das Beste für die Beschäftigten zu erreichen", sagte Zypries dem Blatt. 

Die erneuten Turbulenzen kommen für Air Berlin reichlich ungelegen, schließlich drängt die Zeit für einen Verkauf. Massenhafte Ausfälle erwecken bei Interessenten nicht gerade Vertrauen. Bleibe es bei diesem Krankenstand, drohe vermutlich eine vollständige Liquidation der Fluggesellschaft, warnte der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus im Intranet des Unternehmens. Die Ausfälle seien "pures Gift" für das Ziel, dabei möglichst viele der mehr als 8000 Arbeitsplätze zu erhalten. 

Kebekus soll die Airline sanieren und verhandelt mit der Lufthansa und weiteren Interessenten über einen Verkauf. An diesem Freitag endet die Bieterfrist, eine Entscheidung soll am 21. September fallen.

stu/ml (afp, dpa, rtr)