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Globale Zusammenarbeit

"Aigner soll für Menschenrechte eintreten"

Der Soja-Anbau in Argentinien geht mit Landraub und Vertreibung von Kleinbauern einher. Deutsche Hilfsorganisationen erwarten von Ministerin Aigner klare Worte.

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DW: Herr Lang, Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner besucht Brasilien und Argentinien. Schwerpunktthema der Gespräche ist nach Angabe des Ministeriums "die Verbesserung der Welternährungssituation". Hilfsorganisationen wie Brot für die Welt fordern von Frau Aigner, sie solle für Menschenrechte eintreten - worum geht es Ihnen konkret?

Rainer Lang: Uns geht es darum, dass nicht noch mehr Kleinbauern in Argentinien von ihrem Land vertrieben werden, damit auf den Flächen in großem Stil Soja angebaut werden kann. Das passiert in Argentinien täglich. Allein im vergangenen Juli wurden nach Angaben unserer Partnerorganisation 35.000 Hektar im Norden Argentiniens gerodet um Flächen für den Sojaanbau zu bekommen.

Was ist die Folge für die Kleinbauern in Argentinien?

(Foto: Brot für die Welt)

Rainer Lang - Presserefernt von Brot für die Welt

Die Kleinbauern und die indigene Bevölkerung haben keine Lebensgrundlagen mehr. In großen landwirtschaftlichen Betrieben, die den Sojaanbau industriell betreiben, sind relativ wenige Arbeitskräfte nötig. Die lokale Bevölkerung muss sich dann mit ganz kleinen Parzellen begnügen. Die Flächen sind zu gering damit sie sich davon ernähren können, geschweige denn, dass sie Überschüsse auf den Märkten verkaufen können. Das ist eine fatale Situation. Ganze Bevölkerungsgruppen werden so in die Armut getrieben.

Welche Auswirkungen hat die Ausweitung des Soja-Anbaus auf die Ernährungssicherheit in Argentinien selbst?

Millionen Tonnen Soja kommen in die EU, um dort als Tierfutter verwendet zu werden. Wenn es jetzt noch attraktiver wird, Soja als Basis für Biosprit zu verwenden, werden weitere Flächen gerodet und weitere Kleinbauern vertrieben werden. Die Flächen gehen der Nutzung für den Anbau von Lebensmitteln verloren. Hier findet eine Verdrängung statt: landwirtschaftliche Flächen werden zunehmend genutzt, um Tierfutter oder die Grundlagen für den Biosprit zu produzieren.

Brasilien und Argentinien gehören zu den wichtigsten Soja-Produzenten, die weltweite Nachfrage bestimmt den Preis. Welches Gewicht kann da das Wort der deutschen Ministerin haben?

Wir denken hier an die herausragende Rolle Deutschlands in der EU. Die Stimme der Bundesregierung hat hier Gewicht. Gerade in so einer prekären Situation, müssen auch immer wieder die Gefahren für die Welternährung insgesamt betont werden, die Probleme der Preissteigerung und die Auswirkungen für die armen Menschen. Und da hat das Wort einer Ministerin aus Deutschland großes Gewicht.

Was müsste denn in Argentinien selbst geschehen?

Die Gesetze zum Schutz der indigenen Gemeinschaften und der Kleinbauern sind da, die Vorschriften sind gut. Aber das ist alles Theorie und wird nicht in die Praxis umgesetzt - da klafft eine riesige Lücke. Unsere zentrale Forderung an Argentinien lautet deshalb, die vorhandenen Gesetze umzusetzen: Da muss nichts Neues entwickelt werden.

Argentinien ist kein Einzelfall. In welchen anderen Weltregionen spielen sich ähnliche Konflikte ab, bei denen die EU indirekt Verantwortung für Menschenrechtsverletzungen trägt?

Das wiederholt sich in allen Weltteilen. Vor kurzem war eine Delegation mit Teilnehmern von Brot für die Welt in Indonesien. Dort wird Palmöl produziert. Riesige Plantagen werden angelegt. Ganze Täler sind in Monokulturen umgewandelt und die Bevölkerung ist vertrieben worden.

Auch in Afrika werden immer größere Flächen von Investoren gekauft und gepachtet. In Mozambique ist eine riesige Fläche, die Kleinbauern bereits zugesprochen worden war, plötzlich doch an ein Unternehmen aus Südafrika gegangen. Die haben dort auf einer riesigen Fläche Zuckerrohr angebaut. Die Landbevölkerung hatte das Nachsehen. Die sind zu schwach, um sich gegen die Großkonzerne zu wehren. Es gibt keine verbrieften Landrechte. Das sind sehr große Probleme.

Gibt es auch Beispiele, die zu Gunsten der Kleinbauern ausgegangen sind?

Ja. Es gibt in unseren Projekten Beispiele, auch wieder in Mozambique, wo wir mit unseren Partnern für Landrechte kämpfen. Das ist ein schwieriger Prozess, aber es sind durchaus Erfolge zu sehen, wenn man das konsequent macht, mit der Unterstützung von Anwälten. Auch in Äthiopien sind Erfolge da, dass Menschen wieder selbständig leben können von dem Land, das sie bewirtschaften. Das sind Erfolge, die als Beispiel dienen können, wohin die Entwicklung gehen sollte.

Rainer Lang ist Pressereferent bei Brot für die Welt