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Wirtschaft

AIG-Manager beugen sich dem Druck

Nach heftiger Kritik der Öffentlichkeit will eine Reihe führender Manager des schwer angeschlagenen US-Versicherungsriesen AIG ihre Boni zurückzahlen.

Demonstranten in Chicago protestieren gegen die Boni für AIG-Manager (Foto: AP)

Empörung und Protest nach Bekanntwerden der millionenschweren Bonus-Zahlungen an AIG-Manager

Neun der zehn Manager mit den höchsten Zulagen hätten sich zur Rückzahlung bereit erklärt, von den Top 20 wollten 15 ihre Boni nicht behalten, teilte der New Yorker Staatsanwalt Andrew Cuomo am Montag (23.03.2009) mit. Nach seinen Schätzungen entspricht dies einem Betrag von 50 Millionen Dollar.

Der Versicherer hatte in den vergangenen Monaten mehr als 170 Milliarden Dollar staatliche Hilfen erhalten, um einen Kollaps anzuwenden. Dass davon Mitte März noch mindestens 165 Millionen Dollar an Manager-Boni ausgezahlt wurden, hatte in den USA einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Das Repräsentantenhaus erließ in der vergangenen Woche eine 90-prozentige Strafsteuer für Manager von Unternehmen, die Staatshilfe erhalten. Die Zustimmung des US-Senats zu der Gesetzesvorlage gilt allerdings als fraglich. US-Finanzminister Geithner muss am Dienstag in der Affäre um Bonus-Zahlungen bei AIG im US-Repräsentantenhaus Rede und Antwort stehen. Kritiker halten dem Minister unter anderem vor, er hätte die Zahlungen verhindern müssen. Der Staat hält immerhin inzwischen 80 Prozent der AIG-Anteile.

US-Plan zur Entgiftung der Finanzwelt

Geithner hatte am Montag seine Pläne zur Befreiung der Banken von "faulen Krediten", auch mit Hilfe privater Investoren, vorgestellt. Durch die Einbindung des privaten Sektors würden für die Steuerzahler die geringsten Kosten anfallen, erklärte er. Die US-Regierung könne es sich nicht leisten, den Markt das Problem der "faulen Kredite" lösen zu lassen. Denn das würde den Kreditmarkt weiter austrocknen und die Rezession vertiefen. Doch die Regierung - und damit die Steuerzahler - sollten auch nicht allein das Risiko tragen. Auch solle vermieden werden, dass die Regierung den Preis für die "faulen Kredite" festlegt und so durch Fehleinschätzung Steuergelder verschwendet.

US-Finanzminister Timothy Geithner (Foto: dpa)

Mann mit Plan: US-Finanzminister Timothy Geithner


Der Plan sieht vor, dass die Banken diejenigen Anlagen identifizieren, die sie loswerden möchten. Sie werden zu einem Paket gebündelt. Unter Aufsicht der FDIC (Federal Deposit Insurance Corporation), dem amerikanischen Einlagensicherungsfond, wird auf einer Auktion der höchste Bieter ermittelt. Akzeptiert die verkaufende Bank diesen Preis, kann der größte Anteil des Kaufs über einen Kredit der FDIC finanziert werden. Den Rest teilen sich Staat und Käufer. Auch für derzeit unverkäufliche Anleihen, die mit Hypotheken oder Konsumkrediten abgesichert sind, soll der Markt wieder geöffnet werden. Dadurch profitieren nicht nur Banken, sondern auch Versicherer, Pensionskassen oder Investmentgesellschaften. Hier will sich das Finanzministerium direkt beteiligen. Institutionen, die diese Anleihen kaufen, erhalten für jeden investierten Dollar einen Dollar Steuergelder. Außerdem soll auch hier ein Kredit gewährt werden.

Bis zu einer Billion Dollar?

Insgesamt sollen faule Kredite und Anlagen in einer Höhe von 500 Milliarden Dollar ausgelöst werden. Diese Summe kann auf bis zu eine Billion Dollar verdoppelt werden. Der Staat will bis zu 100 Milliarden Dollar ausgeben. Dafür, so Geithner, "haben wir bereits beträchtliche Mittel vom Kongress erhalten". Man werde mit den Abgeordneten zusammen arbeiten, um später noch mehr finanzielle Mittel zu bekommen. Das Programm solle "so schnell wie möglich" umgesetzt werden, sagte der Finanzminister und wies darauf hin, dass die US-Regierung "das tut, was nötig ist, um das System zu schützen".

Banken müssten wieder in die Lage versetzt werden, ihre Bilanzen zu säubern, Kapital zu erwerben und Kredite zu vergeben. Die Regierung – und damit der Steuerzahler – könne aber nicht allein das Risiko für die Kredite übernehmen, die derzeit das System lahmlegen. Nach dem Plan soll auch der Steuerzahler davon profitieren, wenn die Anlagen nach dem Verkauf wieder steigen. Namen von Investoren konnte Geithner nicht nennen, zeigte sich aber zuversichtlich, dass der Verkauf genügend Interesse hervorrufe. Außerdem gebe es nach Ansicht der Regierung "keine plausible Alternative."

US-Präsident Barack Obama und Finanzminister Geithner verlassen eine Pressekonferenz (Foto: AP)

Einig: US-Präsident Barack Obama und sein Minister

Kursfeuerwerk als Applaus

An der Börse stießen die Vorschläge des Finanzministers auf Wohlwollen - die Investoren begrüßen offenkundig den Plan. Investmentstratege Alan Gayle von RidgeWorth Investments sagte, das Vorhaben sei sehr hilfreich, um den Sand im Getriebe zu beseitigen. Am Aktienmarkt gab es ein regelrechtes Kursfeuerwerk. Der Dow Jones schloss mit einem Plus von 6,8 Prozent bei 7775 Punkten. Der Technik-Index Nasdaq legte ebenfalls um 6,8 Prozent zu und lag zu Börsenschluss bei 1555 Punkten. Vor allem Finanztitel profitierten. Citigroup und Bank of America schossen um jeweils mehr als 15 Prozent in die Höhe.

Auch an den Börsen in Fernost sorgten die US-Pläne für positive Stimmung. In Tokio kletterte der Nikkei-Index um 3,3 Prozent auf 8488 Punkte. Das ist der höchste Stand seit zweieinhalb Monaten. (cb/sam/fg/gri/dpa/rtr)

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