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Kultur

Aids weltweit auf neuem Höchststand

Der HI-Virus hat sich in 2004 so schnell verbreitet wie niemals zuvor. Der Jahresbericht der Vereinten Nationen dokumentiert die zunehmende weltweite Bedrohung. Zudem gibt es alarmierende Neuentwicklungen.

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Trotz Milliardeninvestitionen in den Kampf gegen Aids ist die Zahl der weltweiten HIV-Infektionen auf einen neuen Höchststand gestiegen. Nach einer am Dienstag (23.11.04) in Brüssel veröffentlichen Studie der Vereinten Nationen und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben derzeit 39,4 Millionen Menschen mit dem HI-Virus. Gut drei Millionen Menschen starben in diesem Jahr an Aids.

Fünf Millionen Neuinfektionen

Besonders alarmierend ist die Lage der Frauen und Mädchen, auf die der diesjährige Welt-Aids-Tag am 1. Dezember aufmerksam macht: Sie stellen inzwischen fast die Hälfte aller Infizierten.

Die von der UN-Organisation UNAIDS und der WHO vorgelegten Zahlen sind Besorgnis erregend: Fast fünf Millionen Menschen infizierten sich in diesem Jahr neu mit HIV. In einigen Regionen der Welt explodierte die Zahl der Neuansteckungen geradezu. In China, Indonesien und Vietnam infizierten sich 50 Prozent mehr Menschen als 2002 mit dem Immunschwächevirus, in Russland und der Ukraine
sowie in Zentralasien stieg die Zahl um 40 Prozent. Um die HIV-Infektionen zu senken, hat China erstmals öffentliche Kondomwerbung erlaubt.

Krisenregion Nummer eins bleibt aber nach wie vor das südliche Afrika: Dort leben mehr als 25 Millionen Menschen mit dem Immunschwäche-Virus.

Mehr Geld - trotzdem steigende Zahlen

Dabei haben sich die Investitionen in den Kampf gegen Aids in den vergangenen Jahren verdreifacht: Die Mittel stiegen von 2,1 Milliarden Dollar 2001 auf 6,1 Milliarden Dollar im laufenden Jahr. "Die Herausforderung ist es nun, das Geld auch zum Einsatz zu bringen", betonte UNAIDS-Chef Peter Piot. "Ein Impfstoff ist immer noch nicht in Sicht. Wir brauchen einen Durchbruch in der Forschung."

Daneben müssten neue Strategien entwickelt werden, um gerade die hohe Zahl der Neuinfektionen bei Frauen zu bremsen, betonte Piot. Der Grund für die Ausbreitung von Aids sei in vielen Fällen Armut und das fehlende Wissen über Verhütungsmethoden.

Die Weltgesundheitsorganisation und die UNO setzen daher neben verstärkter Aufklärung auf den Einsatz so genannter Mikrobiozide. Die Vaginalgels verhindern die Anlagerung des HI-Virus im Körper und stoppen sexuell übertragbare Infektionen, die das Risiko einer HIV-Infizierung erhöhen. Forscher glauben, damit könnten allein in Afrika zwei Millionen Leben gerettet werden.

Neue Risikogruppen

Trotz großer Aufklärungskampagnen wächst in Deutschland die Sorglosigkeit gegenüber der unheilbaren Immunschwäche Aids. "Der Kondomgebrauch nimmt ab, das ist ein Indiz für eine zunehmende Sorglosigkeit", sagte Ulrich Marcus, Aids-Experte beim Berliner Robert Koch-Institut (RKI). Das RKI registriere zum Beispiel eine deutliche Zunahme von HIV-Erstdiagnosen in Ostdeutschland. "Vom Verhalten her gefährdet sind insbesondere junge homosexuelle Männer zwischen 25 und 30 Jahren", ergänzte Marcus.

In Deutschland leben derzeit nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts 44.000 Menschen mit einer HIV-Infektion. Darunter sind 9500 Frauen und 300 Kinder. Die Zahl der Neuinfektionen stieg erneut leicht von rund 1950 im vergangenen Jahr auf geschätzte 2000 in 2004. An Aids starben 700 Menschen, darunter 150 Frauen. Das Vorurteil, dass sich nur schwule Männer mit HIV infizieren, stimmt auch für Deutschland längst nicht mehr. 41 Prozent aller Neuinfektionen gingen der WHO zufolge auf heterosexuellen Geschlechtsverkehr zurück. (kas)

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  • Datum 23.11.2004
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