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Welt

Ahmadinedschad und Chávez - zwei "Brüder"

Im Atomstreit mit Teheran fordern die USA die Hilfe der lateinamerikanischen Länder, die Irans Präsident Ahmadinedschad dieser Tage besucht. Doch Venezuelas Staatschef Chávez verbrüdert sich lieber mit seinem Gast.

Venezuelas Staatschef Hugo Chávez und der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad setzen zu einem Handschlag an (Foto: AP)

Brüder im Geiste: Chávez (l.) und Ahmadinedschad

Venezuelas linker Staatschef Hugo Chávez und der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad haben am Montag (09.01.2012) in Caracas Einigkeit demonstriert. Sie kündigten den Ausbau der Freundschaft und Solidarität zwischen ihren Ländern an und bezeichneten sich gegenseitig als "Brüder".

Chávez betonte, Iraner und Venezolaner gehörten zu den Völkern, die angegriffen würden, obwohl sie sich für Gleichgewicht und Frieden in der Welt einsetzten. Weder der Iran mit seiner islamischen Revolution noch Venezuela mit der Revolution Bolivars hätten jemanden überfallen oder Bomben geworfen.

Ahmadinedschad wies "imperialistische" Beschuldigungen zurück, sein Land baue an der Atombombe. Das "hegemoniale System" befinde sich derzeit im Niedergang. Deshalb zeige es nun sein "aggressives Gesicht" und trete "menschliche Werte mit den Füßen", fügte er hinzu, ohne die USA namentlich zu erwähnen.

Iran reichert Uran auf 20 Prozent an

Präsident Mahmud Ahmadinedschad vor iranischer Flagge mit Atomsymbol (Foto: AP)

Welche Ziele hat das iranische Atomprogramm?

Die Regierung in Washington rief derweil die Gastgeberstaaten der insgesamt fünftägigen Lateinamerikareise Ahmadinedschads auf, Teheran in der Atompolitik zur Vernunft zu ermahnen. Die USA bäten darum, der iranischen Führung deutlich zu machen, dass sie "in ihrem atomaren Dialog mit der internationalen Gemeinschaft den falschen Weg eingeschlagen" habe, sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland. Es liege im Interesse aller Staaten, dass Teheran den Beweis für den "friedlichen Charakter seines Atomprogramms" erbringe.

Zuvor hatte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien bekanntgegeben, dass der Iran in einer unterirdischen Anlage in Fordo Uran auf bis zu 20 Prozent anreichert. Die Arbeiten würden von der IAEA überwacht. Damit könnte das Land theoretisch deutlich schneller atomwaffenfähiges Material herstellen, als das mit dem in der Anlage Natans auf 3,5 Prozent angereicherten Uran möglich wäre.

Die 160 Kilometer südwestlich von Teheran gelegene Anlage in Fordo galt lange als geheim und ist zum Schutz vor möglichen Luftangriffen in einen Berg gebaut worden. Der Westen wirft dem Iran vor, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms den Bau von Atombomben anzustreben. Teheran hat das stets zurückgewiesen.

Westerwelle: Weitere Eskalation

Bundesaußenminister Guido Westerwelle

Fordert schärfere Sanktionen gegen den Iran: Bundesaußenminister Westerwelle

Für Bundesaußenminister Guido Westerwelle ist die Anreicherung von Uran auf 20 Prozent ein Schritt zur weiteren Eskalation des Konflikts, wie das Auswärtige Amt in Berlin mitteilte. Solange sich der Iran nicht bewege, gebe es zu schärferen Sanktionen keine Alternative.

Neue Strafmaßnahmen könnten noch in diesem Monat bei einem Treffen des EU-Außenrats beschlossen werden. Geplant ist ein Ölembargo gegen Teheran. Diplomaten zufolge soll die Zusammenkunft um eine Woche auf den 23. Januar vorgezogen werden, um den Gipfel der Staats- und Regierungschef am 30. Januar nicht zu überschatten.

Bleibt abzuwarten, ob Ahmadinedschad im Verlauf seiner Lateinamerika-Tour auf weitere Verbündete trifft. Auf seinem Programm stehen noch Nicaragua, Kuba und Ecuador.

Autor: Thomas Grimmer (dpa, afp, dapd, rtr)
Redaktion: Michael Wehling

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