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Politik

"Ahmadinedschad hat die Geiselnahme unterstützt"

Am 20. Januar 1981 wurden 52 Mitarbeiter der US-Botschaft in Teheran nach 444 Tagen Geiselhaft freigelassen. Barry Rosen war eine davon. Im DW-WORLD-Interview erinnert er sich an die "schlimmste Zeit" seines Lebens.

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Barry Rosen verlas 1980 aus der Geiselhaft eine Botschaft an seine Familie

DW-WORLD: Herr Rosen, Sie waren Ende der 1970er Jahre Pressesprecher an der amerikanischen Botschaft in Teheran. Sie und 51 andere Mitarbeiter waren 444 Tage in der Gewalt von iranischen Studenten – allesamt Anhänger von Ayatollah Khomeini. Am 20. Januar 1981 kamen Sie frei. Was fühlen Sie heute, 25 Jahre danach?

Barry Rosen: Der 20. Januar ist immer ein spezieller Tag für mich. Damals, an jenem Morgen, war ich nicht sicher, ob ich leben oder sterben würde. Ich fühle mich heute einfach glücklich, überlebt zu haben.

Was geschah an jenem Tag?

An diesem Tag drang den ganzen Morgen viel Lärm von den Straßen in die Botschaft. Gegen 10 Uhr morgens kam jemand zu uns und sagte: Packt Eure Sachen - das waren wirklich nicht viele. Daraufhin wurden uns die Augen verbunden und sie brachten uns zu einem Bus. Wir fuhren mindestens eine Stunde lang. Als der Bus anhielt sollten wir uns in einer Reihe aufstellen und sie rissen uns die Augenbinden herunter. Ich sah ein Flugzeug und jemand der mich zu sich winkte. Als ich loslaufen wollte, bespuckten uns die Geiselnehmer. Schließlich rann ich zum Flugzeug. Es handelte sich um eine algerische Maschine. Die Algerier waren als Vermittler aufgetreten.

Kam die Befreiung überraschend für Sie?

Absolut. Wir wussten überhaupt nicht, was mit uns geschah. Wir befanden uns die ganze Zeit über in einer Art Vakuum. Wir waren dann auch völlig überrascht über das öffentliche Interesse, das uns überfiel, als wir in Deutschland Zwischenstation machten.

Was haben Sie in Deutschland gemacht?

Wir blieben mehrere Tage in Wiesbaden. Wir trafen uns mit Präsident Carter, der sofort, nachdem er von unserer Freilassung erfahren hatten, von den USA nach Deutschland geflogen war. Das war am gleichen Tag, an dem der neue Präsident Reagan ins Amt eingeführt worden war. Es war eine überwältigende Erfahrung. Zum ersten Mal nach 444 Tagen konnte ich wieder fest und bequem schlafen, ganz ohne Angst. Eine der Krankenschwestern fragte mich nach meiner Familie und ich erzählte ihr, dass ich einen kleinen Sohn und eine kleine Tochter habe. Dann schenkte sie mir ein kleines Spielzeugauto und eine Puppe.

Wie haben die Geiselnehmer Sie behandelt?

Sie hielten uns immer wieder Maschinengewehre an den Kopf, sie steckten uns in dunkle Zimmer, sie fesselten uns für Tage und Wochen. Wir wurden behandelt, als wären wir ein Stück Fleisch.

Sie waren damals Pressesprecher. Wurden die Geiseln unterschiedlich behandelt?

Ja, manche Geiseln erhielten mehr, andere weniger Infos, die einen wurden besser, die anderen schlechter behandelt. Doch unabhängig davon, egal wer sie waren, sie waren für 444 Tage fast immer im Dunkeln eingesperrt.

Hatten Sie Kontakt zu Ihren Familien?

Wir bekamen hin und wieder Post von zu Hause. Wenn Sie „nützliche“ Information für Geiselnehmer hatten, gaben Sie ihnen die Möglichkeit zu einem Telefonanruf. Ich tat das nie. Ich wollte nicht mit meiner Frau für 15 Sekunden sprechen. Dann wäre es mir noch schlechter gegangen.

Sprachen Sie mit Ihren Geiselnehmern?

Ja, wir diskutierten sehr viel über politische Angelegenheiten. Über die Frage, ob die Geiselnahme richtig oder falsch war, wie gut oder schlecht die USA sind. Ich versuchte aber immer Distanz zu halten. Ich sprach Farsi, so dass es einfach für mich war, mit ihnen zu sprechen. Allerdings habe ich nie gutgeheißen, was sie taten.

Was denken Sie heute? Können Sie die Motivation der Geiselnehmer nachvollziehen?

Ja, natürlich. Ich verstehe ihre Beweggründe. Sie wollten jede Art von Beziehung zwischen den USA und Iran kappen. Sie fürchteten, dass die USA die neu ausgerufene islamische Republik stürzen wollten.

Lesen Sie im zweiten Teil: Die Versöhnung von Barry Rosen mit einem der Geiselnehmer. Und: War Präsident Ahmadinedschad an der Geiselnahme beteiligt?

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