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Politik

Aggressive Methoden bei der Anwerbung neuer Soldaten

Nach einem Bericht des US-Rechnungshofes GAO häufen sich Verstöße gegen die Anwerbungsvorschriften in der US-Armee. Potenzielle Rekruten seien unter Druck gesetzt, Daten gefälscht worden.

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Rekrutierungsoffiziere sind nicht immer freundlich

Die Autoren des Berichts des "Goverment Accountability Office" (GAO), einer im US-Kongress angesiedelten Kontrollbehörde, nehmen kein Blatt vor den Mund: Der zermürbende Irak-Einsatz, der gute Arbeitsmarkt in den USA und der hohe Rekrutierungsdruck hätten die Aufgabe, neue Soldaten für das US-Militär anzuwerben, zu einer schwierigen Angelegenheit gemacht. Dies habe dazu geführt, dass Rekrutierungsoffiziere immer häufiger aggressive Anwerbemethoden angewandt hätten, die manchmal sogar in kriminellem Verhalten gipfelten.

So wurden potenzielle Rekruten psychologisch unter Druck gesetzt oder sexuell genötigt, medizinische Daten von Bewerbern gefälscht oder Vorstrafen unterschlagen – alles mit dem Ziel die Sollmarke – zwei Verpflichtungen pro Monat - in jedem Falle zu erreichen. Insgesamt listet der Bericht 630 Regelverstöße für das Jahr 2005 auf. Das ist ein Anstieg um mehr als 50 Prozent gegenüber 2004. Die als kriminell eingestuften Regelverstöße kletterten im gleichen Zeitraum von 30 auf 70. Während die Zahl der angeworbenen US-Soldaten von 250.000 auf 215.000 sank.

Dunkelziffer liegt wahrscheinlich höher

Vereidigung von US-Rekruten

Eine Karriere in der Armee ist immer unattraktiver für junge Leute

Die Zahl der bekannt gewordenen Fälle könnte dabei nur die Spitze eines Eisbergs sein. Wörtlich heißt es in dem Bericht des GAO: "Wir sind nicht in der Lage dem Kongress und der amerikanischen Öffentlichkeit zu sagen, dass wir ein volles Bild der Lage hätten.“ Was zum einen daran liegt, dass im Verteidigungsministerium über Regelverstöße kein Buch geführt wird, und zum anderen längst nicht jeder der regelwidrig rekrutierten Bewerber an die Öffentlichkeit geht. Für die Kontrollbehörde steht das Vertrauen der US-Bevölkerung in die US-Armee und ihre Rekrutierungspraktiken auf dem Spiel.

Parlamentarier, wie der demokratische Kongressabgeordnete Pete Stark aus Kalifornien, sind entrüstet. Amerika verdiene es nicht, dass derartige Verstöße unter den Teppich gekehrt würden. Stark fordert Konsequenzen aus dem Bericht. Im Pentagon verweist man auf die Vorschriften, an die Rekrutierungsoffiziere gebunden seien. Dazu gehören eine klare Erfassung eventueller Vorstrafen und die Berücksichtigung von Krankheiten oder mentalen Problemen.

Zielvorgaben verfehlt

Angesichts von über 2000 gefallenen US-Soldaten im Irak sind immer weniger Eltern geneigt, ihren Söhnen und Töchtern eine Karriere in der US-Armee zu empfehlen. 2005 verfehlte die US-Armee ihr Rekrutierungsziel von 80.000 deutlich. In diesem Jahr werde man das Ziel erreichen, heißt es aus Armeekreisen. Aber nicht jeder der angeworbenen Rekruten schafft auch die Grundausbildung. Und je mehr Rekruten angeworben werden, die eigentlich nicht die Qualifikationen erfüllen, umso größer die Durchfallquote. Im übrigen erfüllt etwa die Hälfte aller 16- bis 21-Jährigen die Vorraussetzungen für einen Dienst in der US-Armee schon von vornherein nicht.

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