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Kultur

Agenten in kultureller Mission

Sie sind im Auftrag der Kultur unterwegs. An deutschen Schulen sollen sie helfen, dass Kultur für Kinder und Jugendliche zu einem festen Bestandteil ihres Alltags wird.

Schulhefte (Foto: Klaus Eppele - Fotolia.com)

Auf den Schultischen liegen Reproduktionen von Gemälden namhafter Künstler: van Gogh, Gauguin, Casper David Friedrich. Daneben Pinsel, Bleistifte und Lineale. Die Klasse 8 der Erich-Kästner-Stadtteilschule in Hamburg hat einen besonderen Auftrag: Sie soll Fälschungen der großen Künstler anfertigen. Während die einen noch mit Zeichenrastern hantieren, mischen andere bereits die Farben zusammen. Das Motiv für ihre Kopien konnten sich die Schüler selbst aussuchen. Damit beginne schließlich die Auseinandersetzung mit Kunst, sagt Kunstlehrer Ulrich Schötker.

Schulen wollen ihr kulturelles Profil schärfen

Kopie eines Van Gogh-Gemäldes (Foto: DW)

Die Schule als Kopierstube

Die meisten Schüler arbeiten konzentriert. Nach dem Unterricht spielt bei vielen der 13 bis 15 Jahre alten Mädchen und Jungen Kultur in der Regel keine Rolle mehr. Das Modelprogramm "Kulturagenten für kreative Schulen" soll da Abhilfe schaffen. Schulen sollten zu einem Ort der Kultur werden, erklärt Sybille Linke, Geschäftsführerin des Programms. Es gebe Kunst- oder Musikunterricht. "Doch die Schulen, die bei dem Projekt mitmachen, wollen ihr künstlerisches Profil weiter stärken und dazu brauchen sie Unterstützung von den Kulturagenten."

In insgesamt fünf Bundesländern – Baden-Württemberg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Hamburg – sind sie seit September im Einsatz. An 138 Schulen. Vor allem an solchen, die überwiegend von Schülern aus bildungsfernen Familien besucht werden. Denn auch für diese Kinder soll Kultur zu einem festen Bestandteil des Alltags werden. Dabei sollen die Kulturagenten helfen. "Das sind Leute mit künstlerischem Hintergrund. Sie haben bereits Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Schulen. Diese Leute sind Brückenbauer zwischen zwei unterschiedlichen Systemen, nämlich Schule und den Kulturinstitutionen oder Künstlern."

Kulturagenten hospitieren an Schulen

Matthias Vogel (Foto: DW)

007 der Kultur: Matthias Vogel

Ein solcher Brückenbauer ist Matthias Vogel, der für drei Hamburger Schulen gleichzeitig als Kulturagent zuständig ist. 32 Stunden pro Woche engagiert er sich hier im Sinne des Programms und wird dafür auch bezahlt. "Kunst und Kultur müssen ständig präsent sein in den Schulen", sagt der Jurist und Filmemacher. Schließlich verbrächten die Schüler hier die meiste Zeit ihres Tages. Vogel sitzt im Schülercafé der Hamburger Erich-Kästner-Schule, ein bisschen außer Atem. An diesem Tag jagt eine Besprechung die nächste, Konzepte müssen abgestimmt werden. Jede Schule erfordere eine eigene Herangehensweise. Deshalb hospitieren alle Kulturagenten am Anfang an ihren drei Schulen, verbringen sehr viel Zeit dort, um die Lehrer kennenzulernen, sich das Umfeld anzuschauen. "Nur so kann ich einen Eindruck davon bekommen, wo wir die Schüler abholen", sagt Vogel.

Erich-Kästner-Gymnasium in Hamburg (Foto: DW)

Betonklotz soll ein Ort der Kultur werden

Auf die Erich-Kästner-Gesamtschule im Norden Hamburgs gehen rund 1500 Schüler. Ein grauer Betonklotz, der nicht gerade einladend wirkt. Diese Schule brauche keinen künstlerischen Entwicklungshelfer, sondern einen künstlerischen Betriebsdirektor, sagt Vogel. Er hat die Erfahrung gemacht, dass es nicht so leicht ist, Lehrer für Besprechungen und Planungen überhaupt an einen Tisch zu bekommen. Ihre Arbeitstage seien sowieso schon voller anderer Aufgaben und selten seien mal alle am selben Tag anwesend. Sein Hauptansprechpartner ist Kunstlehrer Schötker, der durch das Programm zum Kulturbeauftragten der Schule wurde. Er schätzt daran, dass er gemeinsam mit Vogel ganz unbürokratisch Ideen entwickeln kann. "Es hat nichts mehr mit Direktiven zu tun. Weder die Schulleitung noch die Behörde sagen, wie wir unsere Arbeit gestalten müssen."

Nachhaltigkeit des Projekts

Bis die gemeinsamen Ideen umgesetzt werden können, werden noch einige Monate vergehen. Bis zum Ende des Schuljahres soll erstmal der Fahrplan fertig sein und die ersten Projekte gehen an den Start. Die Schulen können dann für die Umsetzung dieser künstlerischen Projekte Unterstützung in Form von "Kunstgeld" beantragen - bis zu 40.000 Euro stehen dafür insgesamt für jeweils drei Schulen zur Verfügung. Das Programm ist auf vier Jahre angelegt.

Autorin: Janine Albrecht
Redaktion: Sabine Oelze

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