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Kultur

Aga Khan öffnet seine Schatzkammer

Seine Hoheit Prinz Aga Kahn IV ist das geistige Oberhaupt der Ismailiten und gilt als direkter Nachkomme des Propheten Mohammed. Außerdem ist er reich und besitzt eine der wertvollsten Sammlungen islamischer Kunst.

Teller mit Löwe aus dem 17. Jahrhundert Copyright:© Aga Khan Trust for Culture, Geneva, Switzerland

Teller mit Löwe aus dem 17. Jahrhundert

"Die besorgniserregenden und gefährlichen Spannungen zwischen der muslimischen Welt und dem Westen gebieten es dringend, dass sich beide Welten aufrichtig darum bemühen, einander besser kennenzulernen", schreibt Seine Hoheit Prinz Aga Khan IV in der Einleitung zum Katalog dieser Ausstellung. Auf phantasievolle und intelligente Weise sei das vor allem im Museum möglich. Schließlich offenbarten und artikulierten sich Kulturen über ihre Kunst. Seine eigene Sammlung enthält über 1000 kostbarste Werke der islamischen Kunst aus mehr als 1000 Jahren.

Kulturelle Vielfalt

Copyright:© Aga Khan Trust for Culture, Geneva, Switzerland

Die rund 200 Exponate, die nun in Berlin zu sehen sind, habe man sehr bewusst ausgewählt, sagt Luis Monreal, Generaldirektor des Aga Khan Trust for Culture. Die Auswahl solle nämlich einige der Grundlagen des Islam veranschaulichen. "Den Wert des geschriebenen Wortes, des Koran, die Bedeutung der Pilgerreisen nach Mekka, das ist die eine Absicht. Und die andere, für mich wichtigere, ist es, der westlichen Öffentlichkeit die Vielfalt der islamischen Kulturen zu zeigen".

Wegweiser Koran

Der Koran, das macht die Ausstellung gleich eingangs deutlich, ist der Wegweiser für das Denken und die Lebensführung der Muslime. Ihn ganz oder auch nur einige seiner Verse abzuschreiben, gilt als fromme Handlung – und das hat die Menschen im Laufe der Jahrhunderte zu phantasievollsten Kunstwerken inspiriert. Kostbarste, reich illustrierte Handschriften sind so entstanden, bemalte Fliesenfelder, Inschriften in Stein, reisetaugliche Miniaturausführungen von Koranmanuskripten und zarteste Schriftzüge selbst auf Perlmuttschalen und einem Kastanienblatt, das die Gezeiten unbeschadet überstanden hat.

Copyright:© Aga Khan Trust for Culture, Geneva, Switzerland

Die Geschichte von Haftwad und dem Wurm, ca. 1540

Abgesehen von diesem Material zum Koran habe man die übrigen Exponate so gruppiert, sagt Benoit Junod, Kurator der Ausstellung, "dass wir die Spuren der traditionell Reisenden durch die islamische Welt zeigen können. Reisen, die manchmal Pilgerfahrten waren, aber auch die von Abenteurern, Entdeckern".

Bräuche und Werte

Und natürlich von Händlern. Diesen Wagemutigen folgt die Ausstellung von Raum zu Raum und durch die Jahrhunderte, von einer islamischen Dynastie zur nächsten und von Cordoba auf der Iberischen Halbinsel nach Marokko und Tunesien, nach Ägypten und Syrien, nach Konstantinopel, Bagdad, Delhi und Turkmenistan. Jede dieser Regionen hat ihre eigenen Bräuche und Werte gehabt, und das hat sich in den Arbeiten ihrer Künstler niedergeschlagen. Denn deren Gemälde, Zeichnungen, Buchillustrationen, Metallgefäße, Keramiken, Schmuck und Holzarbeiten bezeugen nicht nur außergewöhnliche Fertigkeiten, sondern auch sichtbare Einflüsse von Europa bis China. Darüberhinaus hat jedes Exponat seine eigene Geschichte. Gereon Sievernich, der Direktor des Martin-Gropius-Baus, erzählt beispielhaft die der ausgestellten ältesten bekannten Handschrift des ‚Kanons der Medizin‘ von Ibn Sina.

Text: Sure al-Furqan („Die Unterscheidungsnorm“) Copyright: Aga Khan Trust for Culture, Geneva, Switzerland

Doppelblatt aus dem "Blauen Koran", Ausschnitt Nordafrika, 9. und 10. Jahrhundert

"Diese Handschrift hat in Europa eine Wirkung gehabt, die man heute gar nicht mehr richtig einschätzen kann. Man kann sie aber gar nicht überschätzen, denn sie war dann, in lateinische Sprache übersetzt, für etwa 500 Jahre das Handbuch für europäische Ärzte. Oder Ärzte in Europa".

Kunst der Verständigung

Wir hoffen, sagt Kurator Benoit Junod, dass die westlichen Besucher dieser Ausstellung mit Fragen im Kopf nach Hause gehen und neugierig auf den Islam und die Entwicklung seiner Zivilisationen werden. Und Junod hofft auch, dass sich viele in Deutschland lebende Muslime die Ausstellung ansehen. Und dass die Ausstellung sie mit Stolz erfüllt. Weil sie sehen, wir reich die islamische Kultur ist. Und weil sie merken, dass man ihren eigenen Kulturgütern hier mit demselben Respekt begegnet wie der westlichen Kunst.

Autorin: Silke Bartlick

Redaktion: Sabine Oelze

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