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Musik

Afrobeats statt Panflöten

Das Elektroniker- und Musikerkollektiv Novalima gehört zu den ersten, die den charismatischen Rhythmen und Gesängen des schwarzen Peru auf zeitgemäße Art zu Leibe rücken und ihnen so ein Tor zur Welt aufgestoßen haben.

CD-Cover Novalima (Quelle: Exil Music)

Cover des Albums Coba Coba von der peruanischen Band Novalima

Charismatisch, aber lange Zeit ignoriert: Die Kultur des schwarzen Peru assoziiert man meist mit andinischen Panflöten. Dabei vergisst man gern, dass der Andenstaat auch eine schwarze Seele hat. Vor allem an der Pazifikküste und in der Hauptstadt Lima kultiviert man nach der Abschaffung des Sklavenhandels im Jahr 1845 bis heute diverse afroperuanische Rhythmen, Tänze und Gesänge. Dass man außerhalb Perus auf den Geschmack dieser reichhaltigen Musikkultur kam, dafür sorgte insbesondere ein CD-Sampler afroperuanischer Klassiker, der 1995 vom einstigen Kopf der Band Talking Heads, David Byrne, veröffentlicht wurde. Nachdem diese Musik ins weltweite Bewusstsein getreten ist, widerfährt ihr nun per Elektronik eine ähnliche Modernisierung und Internationalisierung, wie sie auch der Tango bereits seit längerem erlebt.

Einmal um die Welt und zurück zu den Wurzeln

(Quelle: Yayo Lopez)

Novalima modernisiert afro-peruanische Musik

Seit dem Jahrtausendwechsel führt Novalima, ein Verbund versierter Instrumentalisten, Elektroniker und Sänger aus Lima, beeindruckend vor, wie weltläufig und club-kompatibel diese 200 Jahre alte Musikkultur des schwarzen Peru klingen kann. Die Ziehväter des Projekts, vier alte Schulfreunde, bewegen sich schon seit 1987 gemeinsam durch musikalisch unterschiedlichste Gefilde – von Trash Metal über Psychodelic bis zu Jazz und Blues. In Novalima-Anfangszeiten tauschten sie zwischen ihren damaligen Lebensorten Lima, Barcelona, London und Hongkong per Filetransfer ihre musikalischen Ideen aus. Mittlerweile ist das Quartett wieder beisammen, buchstäblich back to the roots und ein jeder aus seiner jeweiligen Wahlheimat heimgekehrt mit vielen neuen Inspirationen und interessanten Musikerkontakten im Gepäck, die dem Sound von Novalima hörbar zugute kommen.

Innovativ, aber nicht bilderstürmerisch

Auf dem aktuellen Album „Coba Coba“ finden sich Neuvertonungen, wie die eines Gedichts vom Poeten und Musiker Nicomedes Santa Cruz, einer Schlüsselfigur der afroperuanischen Kultur. Aber auch Vertrauteres gehört zum Repertoire, wie das Lied „Se me van“ im bewegten Festejo-Rhythmus, das schon die Sängerin und international populärste Botschafterin des schwarzen Peru Susana Baca um die Welt trug. Dieser Ohrwurm bohrt sich bei Novalima als Afrobeat mit viel Gebläse in die Gehörgänge. Überhaupt ist verblüffend, wie gut neue Stilblüten aus diversen Afro-Rhythmen, Funk, Soul, Reggae, Jazz und Latin-Stilen wie Reggaeton, Salsa Son oder Bolero gedeihen können auf dem Boden dieser alten Tradition. Fast möchte man meinen, sie hätte nur darauf gewartet, sich von neuen Kräften, von fernen Stilen und Stimmen mitreißen und verjüngen zu lassen.

Die sanfte Elektrifizierung der Materia Prima

Die Elektronik ist zwar bei all dem stets präsent, aber laut dem Gitarristen und DJ Rafael Morales, einem der vier Masterminds, nur ein Hilfsmittel, um Organisches zu schaffen, die Essenz dieser alten Musik zu bewahren. Und tatsächlich nähert sich Novalima diesem musikalischen Erbe aus der Sklavenzeit mit viel Respekt. Da wird nichts in zu enge, schicke Partykleider gezwängt, in denen das Altehrwürdige womöglich keine Luft mehr bekommt - wie mitunter beim Elektro-Tango zu erleben. Vielmehr hüllte man die Musik in eine fein-luftige Gaze aus Elektrobeats und Sequencen, durch die hindurch all ihre Schönheit unvermindert schön zur Geltung kommt. Entsprechend ist auch das Foto auf dem CD-Cover zu verstehen: Da sitzt und spielt ein Perkussionist auf einer Kiste - halb Lautsprecherbox, halb Cajón, das neben dem präparierten, schnarrend klingenden Eselskiefer namens Quijada de Burro das markanteste Perkussionsinstrument der afroperuanischen Musik ist. Diese hybride Kiste ist zwar noch nicht Realität, die Klänge, die aus ihr herauskommen, dagegen schon.


Autorin: Katrin Wilke

Redaktion: Matthias Klaus