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Politik & Gesellschaft

Afroamerikaner Troy Davis hingerichtet

Nach 20 Jahren in der Todeszelle ist der wegen Polizistenmordes verurteilte Davis mit der Giftspritze hingerichtet worden. Die Exekution in Georgia war eine der umstrittensten in der Justizgeschichte der USA.

Troy Davis vor Gericht im Januar 1991 (Foto: AP)

Troy Davis vor Gericht im Januar 1991

Im US-Bundesstaat Georgia ist der wegen Polizistenmordes verurteilte Afroamerikaner Troy Davis hingerichtet worden. Der 42-Jährige wurde in der Nacht zum Donnerstag (22.09.2011) um 23.08 Uhr Ortszeit/05.08 Uhr MESZ durch eine Giftinjektion in einem Gefängnis in Jackson getötet, wie die Gefängnisverwaltung mitteilte. Seine Verteidiger hatten bis zuletzt versucht, die umstrittene Hinrichtung zu stoppen und riefen noch kurz vor der Exekution das Oberste Gericht der USA an. Die Beratungen der Richter verzögerten die Hinrichtung um gut vier Stunden.

In der Zeit warteten mehrere hunderte Menschen gebannt vor dem Gefängnis. Sie protestierten mit Schildern und Sprechchören, riefen immer wieder "Todesstrafe? Zur Hölle nein!" und "Befreit Troy Davis". Ein Großaufgebot von Polizisten in Kampfausrüstung beobachtete die Lage. Auch vor dem Weißen Haus in Washington hatten zuvor rund 100 Menschen für Davis demonstriert.

Todesurteil schon 1991

Studenten protestieren vor dem Weißen Haus in Washington gegen die Hinrichtung von Troy Davis (Foto: AP)

Studenten-Protest vor dem Weißen Haus in Washington

Die Hinrichtung ist eine der umstrittensten in der US-Justizgeschichte überhaupt. Davis soll 1989 in Savannah in Georgia den jungen weißen Polizeibeamten Mark MacPhail erschossen haben, doch die tatsächliche Schuldfrage erscheint ungeklärt. Sieben von insgesamt neun Zeugen, die Davis im damaligen Mordprozess belastet hatten, haben in den vergangenen Jahren ihre Aussagen widerrufen oder gravierend abgeändert. Einige von ihnen sagten, sie seien von Polizisten zu den Aussagen gezwungen worden. Zudem tauchten neue Zeugen auf, nach deren Angaben sich ein anderer Mann zu der Tat bekannt hat. Auch eine Tatwaffe, DNA-Spuren oder Fingerabdrücke, die auf Davis als Täter hingedeutet hätten, wurden nie gefunden. Er selbst beteuerte bis zuletzt seine Unschuld.

Davis war bereits 1991 zum Tode verurteilt worden. Die Hinrichtung wurde in den folgenden 20 Jahren dann drei Mal verschoben. Im August 2009 beauftragte der Oberste Gerichtshof der USA ein Bundesgericht, den Fall neu aufzurollen. Trotz der zahlreichen zurückgezogenen Zeugenaussagen gegen Davis bestätigten die Richter in Savannah im August 2010 das Todesurteil. Ende März 2011 scheiterte Davis mit einem letzten Berufungsversuch vor dem Obersten Gerichtshof, der einen Antrag zur Wiederaufnahme des Verfahrens ablehnte.

"Er hatte genug Zeit"

Enttäuschte Kritiker der Hinrichtung halten sich nach dem negativen Votum des Obersten Gerichts der USA in den Armen (Foto: AP)

Enttäuschte Demonstranten nach dem negativen Votum des Obersten Gerichts

Die Kritik an dem Verfahren gegen Davis war weltweit. Wegen der Zweifel an seiner Schuld sprachen sich unter anderen der frühere US-Präsident Jimmy Carter, Papst Benedikt XVI., der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu und die Europäische Union gegen eine Vollstreckung des Todesurteils aus. Auch der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik, Markus Löning, äußerte sich kurz vor der Hinrichtung bestürzt. Bis heute bestünden "schwerwiegende Zweifel" an der Schuld von Davis, so Löning in New York. Und: Ein eventueller Justizirrtum sei nicht wieder gut zu machen.

Bedenken, die die Familie des ermordeten Polizisten - aus welchen Gründen auch immer - nicht hatte. Sie sprach sich ohne Wenn und Aber für die Hinrichtung aus. "Er hatte genug Zeit, seine Unschuld zu beweisen", sagte MacPhails Witwe Joan MacPhail-Harris. "Davis ist nicht unschuldig." Und die Mutter des Beamten erklärte: "Wir sind bereit, dieses Kapitel zu beenden."

Autor: Stephan Stickelmann (afp, dapd, dpa, kna, rtr)
Redaktion: Susanne Eickenfonder

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