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Afro-Amerikaner erschöpft und erleichtert

Kaum eine Wählergruppe hat Obamas Wiederwahl so entgegengefiebert wie die Afro-Amerikaner. Am Ende sind sie überglücklich - und zu erschöpft, den Sieg ihres großen Idols so richtig zu feiern.

Wahlnacht in den USA. Die letzten Amerikaner geben ihre Stimme ab, die ersten Hochrechnungen flimmern über die Bildschirme. Über tausend Studenten der Howard University strömen in den Festsaal ihrer Uni. Auf einer großen Leinwand wollen sie verfolgen, wie die Wahl ausgeht. Einer von ihnen ist Yanick Saila-Ngita. Er ist Afro-Amerikaner - so wie alle seine Kommilitonen hier. Und wie die anderen hofft auch er darauf, dass Obama wiedergewählt wird: "Für unsere Geschichte und für unser Land ist es unerlässlich, dass wir einen schwarzen Präsidenten für zwei volle Amtszeiten haben."

"He votado hoy" steht auf dem Button auf Yanicks Pullover. Er spricht zwar kein Spanisch, aber die "Ich habe gewählt"-Sticker auf Englisch gab es nicht mehr, als er wählen gegangen ist, denn er hat sich bis 18 Uhr Zeit gelassen. Der 25-Jährige mit der grauen Wollmütze studiert Deutsch an der traditionell afro-amerikanischen Howard University. Noch heute sind über 90 Prozent ihrer Studenten schwarz. Dass Obama als erster Schwarzer zum Präsidenten gewählt wurde, gibt ihnen Selbstvertrauen: "Viele schwarze Kinder glauben daran, dass sie es bis zum Präsidenten der Vereinigten Staaten bringen können. Als ich klein war, war das noch anders."

Tanzen für Obama

Obama-Unterstützer Yanick Saila-Ngita während der Wahlnacht an der Howard University, Washington D.C., 06.11.2012 (Foto: DW)

Obama-Unterstützer Yanick Saila-Ngita

Yanick hat seinen Kandidaten nicht nur mit seiner Stimme unterstützt: Wochenlang war er als freiwilliger Helfer der Obama-Kampagne aktiv und hat potentielle Wähler angerufen, um sie davon zu überzeugen, für die Demokraten zu stimmen. Jetzt hat er Feierabend - und schaut gebannt auf die große Leinwand im Festsaal. Hat sich die Mühe gelohnt? "Ich bin schon etwas nervös", gibt er zu. "Aber insgesamt bin ich mir ziemlich sicher, dass Obama gewinnen wird."

"93 Prozent der Afro-Amerikaner haben für Obama gestimmt", verrät eine Hochrechung. Jubel bricht los. Dann dröhnt HipHop aus den Lautsprechern. Neben der Leinwand steht ein DJ-Pult, die Studenten nutzen die Wartezeit bis zum nächsten Ergebnis, um zu tanzen. Yanick steht an der Seite und tippt auf seinem Smartphone herum: Über Twitter und Facebook verfolgt er die Wahl weiter.

Ohio entscheidet

Noch sieht alles nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus. Pennsylvania geht an Obama, North Carolina an Romney. Die heiße Phase beginnt - erhitzte Gemüter und steigende Temperaturen im Festsaal der Howard University. Yanick zieht seine Jacke aus und setzt die Wollmütze ab. Dass noch immer unklar ist, an wen die Swing States gehen, die Wechselwählerstaaten Virginia, Ohio und Florida, bringt ihn ins Schwitzen.

Wahlnacht an der Howard University, Washington D.C., 06.11.2012 (Foto: DW)

Gespannte Erwartung bei den Studenten der Howard University

Dann geht es auf einmal ganz schnell: Obama hat Ohio gewonnen, gibt der Fernsehmoderator bekannt. Aus über tausend Kehlen bricht ein nicht enden wollender Jubel los. Ungläubig starrt Yanick auf die Zahl der Wahlmänner-Stimmen auf der Leinwand. Es sind genug! Barack Obama bleibt Präsident der Vereinigten Staaten! Yanick macht einen Luftsprung: "Ich bin völlig aus dem Häuschen! Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet, dass so schnell klar sein wird, dass Obama die Wahl gewinnt. Ich habe bloß die Zahl gesehen und gedacht: Wir haben es geschafft!"

Schlummern statt Feiern

Yanick will raus. Raus auf den Hof, feiern mit den anderen Studenten. So wie vor vier Jahren, als Obama zum ersten schwarzen Präsidenten der USA gewählt wurde. Aber der Vorplatz ist leer. In Grüppchen verlassen die Studenten das Universitätsgelände. Keine Sprechchöre, kaum Jubelschreie. "Die meisten Leute wollen jetzt nur nach Hause", mutmaßt Yanick. "Sie sind froh, dass alles beim Alten bleibt, und können sich jetzt beruhigt schlafen legen."

Erschöpfung und Erleichterung: Es ist noch einmal gut gegangen. Sogar besser als erwartet. Dass die Amerikaner Obama im Amt bestätigt haben, lässt den Afro-Amerikaner Yanick auch für die fernere Zukunft hoffen: "Wenn ich einmal Enkelkinder habe, dann wird es völlig normal sein, dass der Präsident kein Weißer sein muss. Jetzt gerade klingt das noch sehr aufregend. Aber bis dahin ist es hoffentlich das Normalste der Welt."

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