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Afrika

Afrikas vergessener Konflikt in Darfur

300.000 Tote, zwei Millionen Flüchtlinge - seit zehn Jahren herrscht Krieg in der westsudanesischen Region Darfur. Doch gesprochen wird nur noch selten darüber. Dabei hat sich die Lage kaum verbessert.

Das Medieninteresse war groß - damals, vor zehn Jahren. Hilfsorganisationen, westliche Politiker und Prominente - alle wollten helfen, die Krisenregion Darfur im Westsudan zu retten. 2003 brach dort der Krieg aus: Rebellen der Sudanesischen Befreiungsbewegung (SLM/A) und der Islamischen Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung (JEM) lieferten sich immer wieder heftige Gefechte mit Regierungstruppen. Täglich stiegen die Opfer- und Flüchtlingszahlen - und die Welt sah zu.

US-Schauspieler George Clooney vor dem Weißen Haus in Washington (Foto: Getty Images)

Engagiert sich für Darfur: George Clooney

Die humanitäre Katastrophe in der Region mit geschätzt fünf Millionen Einwohnern war omnipräsent in den Schlagzeilen der internationalen Medien und selbst Persönlichkeiten wie der US-Schauspieler George Clooney reisten in die Region, um auf den Konflikt aufmerksam zu machen. Im Februar dieses Jahres wurde Clooney für sein Engagement in Darfur mit dem Deutschen Medienpreis ausgezeichnet. Doch abseits besonderer Ereignisse wird kaum noch von Darfur gesprochen.

Frustration in Flüchtlingslagern

Ein Mann steht vor den Zelten eines Flüchtlingslagers in Darfur (Foto: dpa)

Vetrieben im eigenen Land: Binnenflüchtlinge im Sudan

200.000 Menschen leben nach wie vor in Zelten und Notunterkünften im Nachbarland Tschad - ohne Hoffnung auf eine baldige Rückkehr in die Heimat. "Die Frustration ist sehr groß, weil niemand gedacht hätte, dass es so lange dauern würde. Außerdem ist die Sicherheitslage im Tschad instabil und die Menschen haben außerhalb der Flüchtlingslager keine Sicherheit", sagt der in Deutschland lebende Sudanese Ahmed Musa Ali. Mit der kleinen Hilfsorganisation "Darfur Hilfe" kümmert er sich um die Menschen in den Flüchtlingslagern im Tschad. In Darfur selbst könne seine Organisation nicht arbeiten, sagt Ali, denn die Einreise werde den Helfern von der sudanesischen Regierung erschwert. Für alles brauche man offizielle Genehmigungen. Im Frühjahr 2009 wurden mehrere Hilfsorganisationen aus dem Sudan ausgewiesen. Sie hatten den Großteil der zwei Millionen Kriegsopfer und Flüchtlinge mit Nahrungsmitteln versorgt. Mit der Ausweisung reagierte Präsident Omar al-Bashir auf die Anklageerhebung des Internationalen Strafgerichtshofs gegen ihn. Darfur werde so immer weiter isoliert, kritisiert Aktivist Ali. 

Neue Konfliktlinien

Bewaffnete Kämpfer sitzen auf einem Lkw (Foto: AFP)

Kämpfer der größten Rebellengruppe JEM

"Es herrscht nach wie vor Krieg", sagt Magdi El Gizouli, Sudan-Experte beim Konfliktforschungs-Instituts Rift Valley. Doch die Konfliktparteien hätten sich im Laufe der Zeit verändert. "2003 waren es hauptsächlich Konfrontationen zwischen Rebellen und Regierungstruppen. Heute ist es komplizierter, weil einstige Alliierte sich inzwischen auch gegenseitig bekämpfen."

Spannungen zwischen sesshaften afrikanischstämmigen Bauern und arabischstämmigen Nomaden hatte es in Darfur seit den achtziger Jahren immer wieder gegeben. Die Gruppen konkurrierten um Besitz von Wasser und Land. Eskaliert ist der Konflikt 2003, als eine lang anhaltende Dürre und die Angst um schwindendes Weideland die Situation verschärfte. Kämpfe brachen aus: Die SLM/A und die JEM rebellierten gegen die Zentralregierung. Den Machthabern in Khartum warfen sie Ausgrenzung und Benachteiligung afrikanischer Stämme zugunsten der muslimisch-arabischen Bevölkerung vor. Die sudanesische Zentralregierung schickte Militär nach Darfur und bekam Unterstützung von der arabischstämmigen Reitermiliz Janjaweed.

Gescheiterte Friedensbemühungen

Ein Blauhelmsoldat steht am Rande eines Weges. An ihm fährt ein Pferdekarren vorbei. (Foto: Reuters)

Soldaten der UNAMID-Friedensmission in Darfur

2007 schaltete sich die internationale Gemeinschaft ein. Eine gemeinsame Friedensmission der UN und der Afrikanischen Union unter dem Namen UNAMID sollte Darfur befrieden. Das schien am 14. Juli 2011 geglückt, als im Golfemirat Katar das letzte von zwei großen Friedensabkommen unterschrieben wurde. Die sudanesische Regierung und die größte Rebellengruppe JEM verpflichteten sich zu einem Waffenstillstand. Doch Frieden brachte das Abkommen nicht. "Es gibt viele unterschiedliche Fraktionen und Stämme in Darfur. Die Regierung hat aber nur mit einigen von ihnen einen Friedensvertrag unterschrieben", erklärt Eri Kaneko, Sprecherin der Vereinten Nationen in New York. "Wir drängen darauf, dass die internationale Gemeinschaft diese Region im Fokus behält und wir müssen sicherstellen, dass alle Gruppen ihre Waffen niederlegen."

Derzeit versucht die Friedensmission UNAMID die Rebellen zu überzeugen, ihre Waffen abzugeben. Doch im Juli 2013 läuft das UNAMID-Mandat aus - ob es zum sechsten Mal verlängert wird, muss der Weltsicherheitsrat in den nächsten Monaten entscheiden. Dann, so die Hoffnung vieler Menschen in Darfur, kehrt der vergessene Konflikt vielleicht wieder ins Schlaglicht der Weltöffentlichkeit zurück. 

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