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Afrika

Afrikas Traumstrände bald ohne Sand?

Häuser, Straßen, Telefone, Mikrochips: In allen ist Sand verarbeitet - jedes Jahr rund 40 Milliarden Tonnen. Mehrere afrikanische Staaten schlagen nun Alarm: Ihren Stränden geht allmählich der Sand aus.

Zwei afrikanische Frauen an einem weißen Sandstrand

Noch findet sich weißer, feiner Sand an den Stränden Afrikas. Die Frage ist nur, wie lange noch?

An den Küsten von Ghana und Kenia, auf den Kap Verden und auf Sansibar locken malerische Strände aus feinstem Sand - das reinste Postkarten-Idyll. Was aber, wenn den Traumstränden Afrikas auf einmal der Sand fehlt und nur noch Geröll anstatt der weichen, scheinbar unendlichen Ressource zu finden ist?

"Sansibar geht der Sand aus", sagt der sansibarische Minister für Rohstoffe, Hamad Rashid Mohammed, im DW-Gespräch. Der Grund sei ein übermäßiger Sandabbau zu Zwecken von Bauprojekten in dem halbautonomen Teilstaat des Unionsstaates Tansania. Die offiziellen Statistiken des Amtes für Wälder und natürliche Ressourcen zeigen, dass auf Sansibar in den zehn Jahren von 2005 bis 2015 knapp drei Millionen Tonnen Sand abgebaut wurden. Das sind ungefähr 120.000 LKW-Ladungen. "Und das ist nur der offiziell genehmigte Abbau. Der inoffizielle Abbau ist möglicherweise doppelt so hoch", so Mohammed.

Tansania Sansibar Jambiani (picture alliance/dpa)

Auf Sansibar hat der Sandabbau bedrohliche Ausmaße angenommen

Weltweit werden jedes Jahr durchschnittlich 40 Milliarden Tonnen Sand verarbeitet, schätzt das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP). Sand findet sich heutzutage nicht mehr nur noch an den Stränden der Welt: In Mikrochips, Telefonen und selbst in den deutschen Autobahnen steckt der beliebte Rohstoff. Rund 30 Milliarden Tonnen Sand fließen jedes Jahr in die Herstellung von Zement. Doch Sand ist ein endlicher Rohstoff. Neben Kohle, Erdgas und Öl gehört er zu den nicht erneuerbaren Ressourcen. Das bedeutet, dass er nicht in der Schnelligkeit und dem Zeitraum regeneriert werden kann, in dem die Menschheit ihn der Erde entnimmt.

Ein Teufelskreis aus Armut und schnellem Geld

Die Kapverdischen Inseln liegen rund 600 Kilometer vor der westafrikanischen Küste. Das Land gilt als eines der sichersten Afrikas. Doch die Arbeitslosigkeit ist hoch. Eine schnelle Methode, an ein bisschen Geld zu kommen, ist, Sand zu stehlen - einen Rohstoff, der zu jeder Zeit überall auf der Welt benötigt wird. Doch die Konsequenzen des übermäßigen Sandabbaus sind verheerend. An den Stränden, an denen Schildkröten ihre Eier vergraben, prägen mancherorts nur noch Dreck und Steine das Landschaftsbild. Kein Sand hält mehr die Brandung auf, das Salzwasser strömt ungehindert ins Land und zerstört Getreide, Pflanzen und Wohnhäuser.

Bereits 2002 verbot die kapverdische Regierung den Abbau von Sand in der Stadt Pedra Badejo auf der Insel Santiago; der schwarze Sand wird vom Militär beschützt. Anfang Februar verabschiedete die kapverdische Regierung eine Resolution, die den Abbau von Sand auf allen Inseln suspendiert. Außerdem ist der Einsatz von Maschinen zur Sandgewinnung verboten worden. Trotzdem treibt die Armut die Bevölkerung immer weiter ins Meer, um den wertvollen Sand in Eimern aus dem Meeresboden zu holen.

Fehlende Alternativen

Auch in Ghana ist der Sandabbau illegal. Doch steigende Temperaturen haben zur Abwanderung von Fischen im Ozean geführt, die Erosion der Küsten lässt kultivierbares Land verschwinden. Viele Menschen können mit der Fischerei und der Landwirtschaft nicht mehr genug verdienen. Sie setzen statt dessen auf den Abbau von Sand. Das verschäft die Problematik zusätzlich. 

Eine kleine Schildkröte im Sand

Der Sandabbau bedroht auch Bewohner der Strände und des Meeresbodens wie zum Beispiel Schildkröten

In Kenia haben sich illegale Sandarbeiter bereits den Flüssen Masaani, Kiungwani, Mbitini und Kwa Nditi zugewandt. Doch mit dem Sandabbau entziehen sie sich ihre eigene Lebensgrundlage: Durch den fehlenden Sand trocknen die Flüsse aus und schneiden so Anwohner und ihr Vieh von wertvollen Wasserressourcen ab. Auch in Nigeria ist der Sandabbau ein Problem: Er lässt bereits das Fundament wichtiger Brücken und Straßen brüchig werden.

Auf Sand gebaut

Es sind nicht nur die afrikanischen Zementwerke, die vom Sandabbau profitieren: Einer der Hauptabnehmer von afrikanischem Sand ist der Wüstenstaat Dubai, der durch Vorspülungen seine Küste erweitern will. Alleine für das Inselprojekt "The Palm Jumeirah" wurden 200 Millionen Kubikmeter Sand und Steine für die Aufschüttung verwendet. Dafür wurde teilweise Sand vor der eigenen Küste abgesaugt, aber auch vor den Stränden Afrikas. Der eigene Wüstensand kam nicht in Frage, da er immer wieder abrutschte. Wüstensand ist zu glatt und rund, um sich ineinander zu verkeilen und somit eine Alternative für Meeressand als Basis für Beton zu bilden.

"Wir müssen das Tempo des Abbaus und des Verbrauchs drosseln, um unsere Landwirtschaftsflächen und unsere Dörfer zu schützen", mahnt Sansibars Rohstoff-Minister Mohammed. "Wir müssen nach Ersatzwerkstoffen suchen und mit weniger Sand auskommen." Der Minister will Übergangslösungen. Abbaugenehmigungen müssten überdacht und stärker kontrolliert werden, um der Knappheit zu begegnen, so Mohammed.

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