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Afrika

Afrikas Staaten handeln kaum miteinander

Afrikanische Staaten sollen mehr Handel miteinander treiben, empfiehlt die UN-Handelsorganisation UNCTAD in ihrem neuen Bericht. Die regionalen Handelsbündnisse wollen seit Jahren Hemmnisse abbauen.

Emmanuel Edra ist gerade mitten auf dem Markt in Jos, als ihn der Anruf der Deutschen Welle erreicht. Hier, in der fruchtbaren Mitte Nigerias, baut der Farmer seit mehr als 30 Jahren Kartoffeln an. Die Gegend um Jos ist das größte Kartoffelanbaugebiet in Westafrika.

Vor einem Jahr hatte Edra gehört, dass es auch im Nachbarland Benin eine hohe Nachfrage nach Kartoffeln gebe. Also mietete er sich einen Lastwagen, packte ihn voll mit Kartoffeln und machte sich auf den Weg in die mehr als 1000 Kilometer entfernte Hauptstadt von Benin, Cotonou. Bereits in Nigeria musste er ständig an Checkpoints von Polizei und Armee anhalten, verlor Zeit und zahlte hier und da auch Bestechungsgeld. An der Grenze ging es aber erst richtig los. "Überall sollte ich plötzlich Schmiergeld zahlen", erinnert sich der Farmer. 129 Säcke Kartoffeln hatte er in Nigeria aufgeladen, durch die vielen Unterbrechungen auf der Reise wurden schon vor der Ankunft die meisten Kartoffeln schlecht. "So ein Geschäft werde ich nicht noch mal machen."

Lange Wartezeiten an der Grenze zwischen Nigeria und Benin (Foto: DW)

"Bittere Realität: 54 Länder voller interner Handelshemmnisse"

Rohstoffhandel mit dem Norden dominiert

Probleme wie diese hemmen den Handel auf dem Kontinent. Das bestätigt ein neuer Bericht der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD). 1997 fand demnach noch gut ein Fünftel des gesamten afrikanischen Handels auch in den Ländern südlich der Sahara statt. Heute sind es nur noch elf Prozent.

Der Anteil hat sich also halbiert - und das ist ein schwerwiegendes Problem, findet Taffere Tesfachew, Direktor für Afrika bei der UNCTAD. Afrikas Handelsstruktur sei zu stark auf den Norden und die seiner entwickelten Länder ausgerichtet. Dabei spezialisiere sich der Kontinent auf Rohstoff-Exporte und spüre dadurch starke Auswirkungen bei Preisschwankungen. "Asiatische Staaten beispielsweise handeln viel mehr untereinander - und konnten so viel besser mit der Euro-Krise umgehen", so Tesfachew.

Checkpoint in Kano, Nigeria (Foto: Katrin Gänsler)

Behindern Handel: Polizei-Checkpoints in Nigeria

"54 Länder voller interner Handelshemmnisse"

Asiatische Staaten verkaufen die Hälfte ihrer Güter untereinander, in Europa liegt der Anteil des innerkontinentalen Handels sogar bei mehr als 70 Prozent. Dass Afrika weit dahinter liegt, ist vielen afrikanischen Regierungen und auch der Afrikanische Union nicht unbekannt. Sie versuchen seit Jahren, mit regionalen Wirtschaftsgemeinschaften und Handelsbündnissen Hemmnisse abzubauen und den Handel untereinander zu fördern, so etwa innerhalb der Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten ECOWAS und in der Ostafrikanischen Gemeinschaft EAC. Teilweise gibt es auch kleine Erfolge: Ein großer Teil des Handels unter afrikanischen Staaten findet nach Angaben der UNCTAD innerhalb dieser regionalen Wirtschaftsgemeinschaften statt. Neun Länder, unter anderem Kenia, Senegal und Ruanda, importieren mehr als 40 Prozent ihrer Waren aus anderen afrikanischen Ländern.

Doch die regionalen Wirtschaftsgemeinschaften stellen auch ein Problem dar, weil viele Staaten gleich in mehreren Handelsblöcken Mitglied sind. Wirtschaftswissenschaftler nennen das Geflecht deshalb "Spaghetti Bowl", also Spaghetti-Schale. "Die bittere Realität auf dem afrikanischen Kontinent sieht doch so aus: Wir haben 54 Länder voller interner Handelshemmnisse, bei denen ein Land den Handel mit dem Nachbarland blockiert", sagt der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Paul Collier von der Universität Oxford.

37 Staaten sind Netto-Importeure von Nahrungsmitteln

Grenze zwischen Nigeria und Benin (Foto: AFP)

Problem: Lange Wartezeiten an der Grenze zwischen Nigeria und Benin

Der UNCTAD-Bericht fordert die Regierungen nun auf, nicht nur den Abbau von Handelshemmnissen voranzutreiben, sondern gleichzeitig die Industrialisierung voranzutreiben und die Infrastruktur auszubauen. Außerdem sollen Unternehmertum und der private Sektor stärker gefördert werden. Nur so könne Afrika nachhaltig wachsen.

Die Landwirtschaft des Kontinents etwa kann nicht einmal den Bedarf der eigenen Bevölkerung decken. Deshalb importieren 37 afrikanische Staaten mehr Nahrungsmittel als sie exportieren. Auch Nigeria gehört dazu - sehr zum Ärger von Farmer Emmanuel Edra. Nach seinen schlechten Erfahrungen auf der Reise nach Benin wird er seine Kartoffeln weiter nur in seiner Heimatstadt Jos verkaufen - während große Hotels in Lagos und Abuja tiefgefrorene Pommes aus Europa importieren.

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