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Welt

Afrikas Smartphone-Generation

Afrika ist "sexy": Start-ups, Smartphones und eine junge Zivilgesellschaft, die auf ihre Rechte pocht. Doch die Gefahr besteht, dass der Hype der vergangenen Jahre die Probleme ausblendet.

In dem ehemaligen Umspannwerk in Berlin-Kreuzberg ruft Elvis Afriyie-Ankrah ins Mikrophon. "Kennt ihr das Lied? The world is not my home, I'm just passing by..." Lachen, das in Johlen und Applaus umschlägt, als Ghanas Minister für Jugend und Sport auch dann laut und melodiös weiter singt, als ihm der Text nicht mehr so ganz genau einfällt: "Dadadadada."

Der Text ist auch nicht weiter wichtig. Denn anders als im Gospellied soll Afrikas Jugend sehr wohl die Welt für sich beanspruchen. "Wir wollen jetzt Taten!" Afriyie-Ankrah hebt die Hände, lässt sie dann schnell wieder fallen, um auf seinem Ipad zur nächsten Folie zu wischen. Er ist Mitte 40. Damit gehört der Minister zur Jugend, wie er selbst sagt. Er ist einer von wenigen: Noch immer werden in vielen Ländern Afrikas wichtige Positionen in der Wirtschaft und Politik von der älteren Generation besetzt, die traditionell wenig Raum für Afrikas Jugend lässt.

"Doppelte Übel von Religion und Kultur"

"Das liegt am doppelten Übel von Religion und Kultur: In den meisten afrikanischen Gesellschaften wird Autorität einfach nicht in Frage gestellt", sagt Yomi Adamolekun. "Politiker lassen sich wählen, werden alt, danken ab. Da ist kein Platz für junge Leute." Die Nigerianerin ist eine von etwa 100 jungen Unternehmern, Aktivisten und Künstlern aus Kenia, Ghana oder Südafrika, die das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) nach Berlin geladen hat, um über Jugend in Afrika zu diskutieren. An den Wänden der Konferenzhalle hängen Fotos von jungen Menschen, die demonstrieren, wütend ihre Fäuste in Richtung der Kamera ballen. "Artivismus", so hat der junge kenianische Fotograf seine Ausstellung genannt.

Kinder in den Slums von Nairobi. Foto: DPA

Kenias Start-up-Unternehmen boomen - in den Slums herrscht noch immer Armut

Afrikas Jugend, so das Credo der Konferenz, hat begonnen, sich gegen die alten Eliten aufzulehnen, die sie lange ignoriert und marginalisiert hat. "Menschen haben gelernt, dass es okay ist, die alten Strukturen in Frage zu stellen", sagt Adamolekun. Das liege unter anderem daran, dass sich in vielen - aber nicht allen - afrikanischen Ländern demokratischere Systeme gefestigt habe. Auch die Revolutionen in Nordafrika und im Nahen Osten würden als Beispiel dienen.

Start-ups und Hubs

Die Nigerianerin ist die Leiterin der Nichtregierungsorganisation "Enough is Enough", die sich für Transparenz und für "good governance" einsetzt, also für eine ethische Art der Regierungsführung. In den kommenden Tagen wollen sie eine Kampagne lancieren, die sich an 18-Jährige richtet: "Fahrt nicht betrunken Auto, habt keinen ungeschützten Sex und geht wählen." Damit macht sie sich nicht unbedingt Freunde in Nigerias Moscheen und Kirchen, oder der politischen Elite. "Ein paar Mal wurde mir mitgeteilt, dass ich beobachtet werde und dass ich besser aufpassen sollte", sie zuckt mit den Schultern.

Die ältere Generation beobachte sehr genau, was die Jugend tue, sagt sie. Denn Afrika wächst rasant, und die immer besser ausgebildete Jugend ist sich ihrer Rechte bewusst - und fordert sie auch zunehmend in der Politik und Wirtschaft ein. Mark Kaigwa etwa, ein Blogger und Unternehmensberater aus Kenia. Noch vor fünf Jahren sei es schwierig gewesen, an Finanzierung für Projekte zu kommen. "Da musste ich dann meine ganzen Kontakte durchtelefonieren." Jetzt nicht mehr. "Wenn die Idee gut ist, dann kann ich in Nairobi innerhalb von einem Tag 50.000 Euro auf meinem Konto haben." Investoren wollten in die neuen Start-up-Unternehmen investieren, die vor allem in Nairobi, aber auch Kapstadt, Laos und Accra Fuß fassen. Seit drei, vier Jahren sei Afrika "einfach sexy". Sechs der zehn am schnellsten wachsenden Landespopulationen seien afrikanisch, Afrika und seine junge Unternehmerschicht sei einfach der neue Liebling von internationalen Geldgebern und Medien. "Nach dem Motto: 'Investiert in Afrika, hier gibt es überall Handys.'"

Internet-cafe in Afrika. Foto: Ioussuf Sanogo/ AFP

Das neue Afrika?

Verfrühter Afro-Optimismus?

"Dieser ganze Afro-Optimismus ist super, aber ich glaube, das ist möglicherweise ein bisschen verführt," gibt Kaigwa zu. Denn die einseitige Berichterstattung überdecke die echten Probleme, die weiterhin existieren: Afrika sei schließlich nicht ein Land, sondern ein Mosaik aus verschiedenen Lebenswelten und Entwicklungen. Nicht alle jungen Afrikaner besitzen ein Smartphone, und außerhalb der drei oder vier Boomstädte sei es weiterhin äußerst schwierig für Unternehmer, an Startkapital zu kommen. "Die ganzen Nuancen werden einfach ignoriert", sagt Kaigwa. Denn natürlich gebe es auch weiterhin Korruption und Krisen, Armut und Arbeitslosigkeit.

Letzteres will Elvis Afriyie-Ankra, der ghanaische Minister für Jugend und Sport, mit einem großangelegten Job-Programm bekämpfen. "Aber das ist nicht einfach, weil der Sport so viel Geld verschlingt." Die Black Stars, Ghanas Fußballnationalmannschaft, brauchten einfach viel Geld - und so "bleibt weniger für andere Dinge." Aber, fügt er lachend hinzu, die Jugend wolle bestimmt nicht, dass der Fußball zu ihren Gunsten gekürzt werde.

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