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Afrika

Afrikas Reggae hat ein Zuhause

Reggaemusik hat sich in Westafrika schneller verbreitet als ein Buschfeuer. Die Elfenbeinküste ist zur Heimat der Mischung aus Grooves und politischen Texten geworden. Dort findet man auch den Reggaeclub No.1 in Afrika.

Reggae-Fans auf einem Festival in Addis Abeba (Foto: dpa)

Die Reggae-Fangemeinde in Afrika wächst

Eigentlich gäbe es keinen vernünftigen Grund, sich nachts in Abidjans düsterem Industriegebiet herumzutreiben. Wäre da nicht zwischen schäbigen Lagerhallen ein unscheinbarer Club namens Parker Place versteckt – das Mekka des Reggae in der Elfenbeinküste. Eine wahre Pilgerstätte für hunderte Musikfans, die hier meistens Stammgäste sind und so gut wie jede Nacht zum Tag machen. Sehr zur Freude von Clubbesitzer Desiré Aloka.

"Wir haben hier einfach richtig gute Vibes, eine positive Stimmung", schwärmt Desiré. Die Leute seien gut drauf, und sie fühlen sich im Club wie zu Hause. Das sei schon etwas Besonderes. Der Club bringe Menschen durch Musik zusammen: "Wir fragen nicht, wo sie herkommen, ob sie reich sind oder arm, welche Hautfarbe sie haben, welche Religion. Alle sind bei uns gleich – und darum geht es doch beim Reggae".

Reggae ist eine Religion

Alpha Blondy (Foto: AP)

Seit der ivorische Reggae-Musiker Alpha Blondy...

Vor sieben Jahren kam Desiré aus London zurück nach Abidjan – und eröffnete das "Parker Place" – benannt nach dem Funk-Saxophonisten Maceo Parker. Hier geht es ums Wesentliche – um gute Musik, immer live gespielt. Das Parker Place ist absolut schnörkellos: schummriges Licht, eine Mini-Bühne, eine Bar, kleine Tische, ein paar lederne Sitzwürfel. Die Wände sind übersät mit Bob Marley-Graffitis und äthiopischen Fahnen in Grün, Gelb und Rot - den Farben der Rastafari. Der Reggae ist eine Religion in Abidjan - und das Parker Place ist seine Kirche.

"Die Musiker haben beste Bedingungen hier", sagt Desiré Aloka. Zumal der Sound stimme, was nicht zuletzt dem hervorragenden Mann am Mischpult zu verdanken sei, der sich wirklich auskenne. "Was auch immer er an Technik braucht, sagt Desiré stolz, "das treiben wir irgendwie auf".

Stars des irvorischen Reggae

Bob Marley auf der Bühne beim One Love Peace Concert, Kingston, Jamaica, April 1978 (Foto: bobmarley.freeserve)

... in die Fußstapfen von Bob Marley getreten ist...

Und deshalb geben sie sich hier die Klinke in die Hand, die Stars des ivorischen Reggae – Alpha Blondy, Ras Goody Brown, Tiken Jah Fakoly, Ismael Issac und Kajeem, der absolute Publikumsmagnet. Am Parker Place schätzt er besonders, dass es hier zwar um Party geht, aber immer auch um den tieferen Sinn der Musik und der Texte.

Mit dem Reggae sei es ja so, erklärt Kajeem, "wenn Du nichts zu sagen hast, hältst Du besser die Klappe". Reggae sei keine Blubbermusik, sie beschreibe die Dinge, die die Menschen beschäftigen, die um sie herum passieren. Der Musiker sei der Ghetto-Reporter, der seinen Ärger raus lasse – über die Zustände, in denen die jungen Leute hier leben müssen. "Du musst ihr Sprachrohr sein", betont Kajeem,"das ist der Kern des Ganzen!"

Große Fangemeinde

Tiken Jah Fakoly: Konzert des ivorischen Reggaemusikers von der Elfenbeinkueste am 15.10.2008 in der Hamburger Fabrik. (Foto: picture-alliance)

... hat sich die Reggaemusik in Westafrika verbreitet. Auch mit ihm: Tiken Jah Fakoly.

Manchmal kann Parker Place-Gründer Desiré Aloka es nicht glauben, dass sein kleiner Club mittlerweile eine so große Fangemeinde hat. Dass sogar Deutschlands Reggae-Star Gentleman zum Jammen vorbeikommen will. Aber was auch immer geschieht, sagt Désiré bescheiden, das Parker Place soll das bleiben, was es immer war: einfach ein Ort, an dem gute Musik zu Hause ist.

"Ich denke", sagt Clubbesitzer Desiré, "dass Gott über uns wacht, vielleicht ist das Parker Place deswegen ein so einzigartiger Club." Natürlich gebe es reiche Leute in der Stadt, die es auch mit Reggae-Kneipen versucht hätten, aber die hätten alle wieder zugemacht. Es gehe eben nicht ums Geld. Es gehe um den Geist, um Leidenschaft. "Und ich glaube, Gott ist da oben und findet das, was wir hier tun, richtig gut!"

Autor: Alexander Göbel

Redaktion: Klaudia Pape