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Welt

Afrikas Position auf dem Klimagipfel

Mit einem eindringlichen Appell, die Erderwärmung zu bremsen, hat in Kopenhagen der größte Klimagipfel aller Zeiten begonnen. Die Erwartungen der Afrikaner an das Treffen sind besonders hoch. Es geht um die Existenz.

Fortschreitende Wüstenbildung in der Sahara (Foto: dpa)

Immer mehr Afrikaner sind von Wüstenbildung bedroht

Die Zeit für bloße Worte sei vorbei, sagte UN-Klimachef Yvo de Boer in seiner Eröffnungrede. Er forderte verbindliche Klimaschutzziele und eine sofortige Finanzzusage über 10 Milliarden US-Dollar jährlich von 2010 bis 2012 für die armen Länder. Bis zum 18. Dezember 2009 kämpfen Regierungsvertreter aus über 192 Staaten um weitreichende Klimaziele. So viele Länder wie nie zuvor haben ihre Vorschläge zur Reduzierung von Treibhausgasen vorgelegt. Ob das am Ende für eine Einigung reichen wird bleibt abzuwarten. Und ob den Afrikanern das Ergebnis des Treffens reichen wird auch. Denn sie sind sich über ihre prekären klimatischen Perspektiven im Klaren. Sie wissen, dass ihrem Kontinent schwerwiegende Probleme bevorstehen. Klimasimulationen, die auf der Grundlage vorhandener Entwicklungen beruhen, sagen voraus, dass extreme Wetterereignisse wie Unwetter oder lange Hitzeperioden zunehmen werden. Dadurch wird sich die Wüste weiter ausbreiten, fruchtbares Land wird knapper und die Lebensbedingungen verschlechtern sich.

Afrika fordert Entschädigung

Dürre erschwert die Feldarbeit (Foto: picture-alliance/dpa)

Immer längere Dürreperioden sind Folgen des Klimawandels

Schon jetzt ist Afrika der Kontinent, der am meisten unter den Auswirkungen des Klimawandels zu leiden hat - ohne selbst viel dazu beizutragen. Genau dies bestätigt ein in diesem Jahr veröffentlichter Entwicklungsbericht der Weltbank, der sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf afrikanische Dürregebiete befasst.

Meles Zenawi, Premierminister von Äthiopien, sagte, Afrika könne nicht alleine für die Folgen aufkommen. "Wir werden mit dem Schaden leben, der durch die unvermeidbare Erderwärmung entsteht, und fordern eine Entschädigung und Unterstützung, die uns helfen soll, den Schaden zu begrenzen."

Gemeinsame Position

Plenarsaal der Afrikanischen Union beim Gipfel in Libyen (Foto: AP)

Die AU vertritt beim Klima erstmals eine gemeinsame Position

Die afrikanischen Länder wollen sich bei der Klimakonferenz in Kopenhagen gemeinsam dafür einsetzen, dass sie mit knapp 47 Milliarden Euro jährlich unterstützt werden. Außerdem verlangen sie, dass die Industriestaaten bis zum Jahr 2020 ihre Emissionen um 40 Prozent reduzieren. Zum Vergleich: Weltweit müssen nach Schätzungen der EU-Kommission jährlich 100 Milliarden Euro in den Klimaschutz investiert werden. Dazu kommen mehrere zehn Milliarden Euro für Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Sven Harmeling, Referent für Klima und Entwicklung von Germanwatch, hält die Forderungen der afrikanischen Staaten für angemessen und begrüßt, dass sie nun eine gemeinsame Position vertreten. "Schon die Tatsache, dass Afrika wahrscheinlich der mit am stärksten betroffene Kontinent des Klimawandels sein wird, führt dazu, dass die Länder sich zusammen tun müssen". Wenn die Industriestaaten nicht wirklich sehr viel stärker ihre Emissionen reduzierten, als bisher angekündigt, dann seien in vielen Regionen Afrikas die Lebens- und Entwicklungsperspektiven vollkommen in Frage gestellt.

AU droht mit Ausstieg aus Klimaverhandlungen

Die afrikanischen Staaten wollen bei den Verhandlungen eine starke Position beziehen. Sollten die Industrienationen nicht bereit sein, ihre Emissionen deutlich zu vermindern, drohen die Länder Afrikas, aus den Klimaverhandlungen auszutreten, so Äthiopiens Regierungschef Meles Zenawi: "Wir werden niemals ein weltweites Abkommen akzeptieren, das die Klimaerwärmung nicht auf ein unvermeidbares Minimum begrenzt, egal was uns zur Entschädigung und zur Hilfe versprochen wird". Die Afrikanische Union werde ihre Stimme nutzen, um jede Vereinbarung zu verhindern, die nicht mit ihren minimalen Anforderungen übereinstimme.

Druck auf Industriestaaten

Umweltverschmutzung durch Industrie

Die Industriestaaten sind die größten Umweltverschmutzer

Dennoch sind sich die afrikanischen Staatschefs bewusst, dass sie gegen einflussreiche Länder wie die USA oder China Verbündete brauchen. Wie stark die Verhandlungsmacht der afrikanischen Staaten nun in Kopenhagen sein wird, ist laut Sven Harmeling von Germanwatch schwer einzuschätzen. Dennoch betont er, dass die Industrieländer es sich nicht erlauben könnten ein Abkommen zu unterzeichnen, wenn möglicherweise 40 afrikanische Staaten gar nicht dabei seien. "Das würde auf jeden Fall zum Scheitern von Kopenhagen führen. Deshalb müssen die Forderungen der Afrikaner auch sehr ernst genommen werden."

Autorin: Miriam Lindenroth / Klaudia Pape

Redaktion: Katrin Ogunsade





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