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Afrika

Afrikas "König der Könige" attackiert die UNO

Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi sprach erstmals bei einer UN-Generaldebatte. Im Namen "1000 afrikanischer Königreiche" forderte er fast acht Billionen Dollar als Entschädigung für die Kolonialzeit.

Muammar al-Gaddafi vor der UN-Generalversammlung (Foto: AP)

Gaddafi hält eine zerknüllte Kopie der UN-Charta in der Hand

In einen braunen Beduinenumhang gehüllt, das Revers mit einer Brosche in Form des afrikanischen Kontinents geschmückt, trat Gaddafi ans Rednerpult. Dabei wurde er vom Präsidenten der Vollversammlung, dem Libyer Ali Treki, als "König der Könige" angekündigt. Diesen Titel hat er sich quasi selbst verpasst, nachdem ihn die afrikanischen Stammesführer und Könige im letzten Jahr zu ihrem Oberhaupt gewählt hatten. Und diesen Platz wollte er sich offenbar nicht mehr nehmen lassen: anstatt der für ein Staatsoberhaupt üblichen 15 Minuten beanspruchte er am Mittwoch (24.9.2009) mehr als eineinhalb Stunden Redezeit für sich.

Kritik an UN-Charta

US-Präsident Barack Obama vor der UNO (Foto: AP)

Lob für Obama, Schelte für UN

Während US-Präsident Barack Obama, der direkt vor Gaddafi gesprochen hatte, der UNO die Hand zur Versöhnung reichte, zerriss der libysche Revolutionsführer die UN-Charta symbolisch vor den Augen der Welt. Gaddafi ließ es sich jedoch nicht nehmen, seinen Vorredner zuvor in den höchsten Tönen zu loben. Er nannte Obama einen "Sohn Afrikas" und sagte Afrika wäre glücklich "wenn Obama für immer Präsident von Amerika bleiben könnte". Gleich danach holte er zu einem Rundumschlag aus. Den UN-Sicherheitsrat bezeichnete er als einen "Terrorrat". Den fünf Vetomächten USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien warf Gaddafi vor, die kleineren Staaten als Länder zweiter Klasse zu behandeln. An seine Billionen-Forderung nach Entschädigung für die Kolonialzeit knüpfte er eine Drohung: sollten die westlichen Länder nicht zahlen, würden die Afrikaner sich das Geld holen.

Verärgertes Publikum

Beim Auftritt Gaddafis schlug die Stimmung im Saal schnell um. Bereits als er von seinem eigenen Minister Ali Treki, dem diesjährigen Präsidenten der Vollversammlung, als "König der Könige" ans Rednerpult gerufen wurde, brach Unruhe aus. Treki brauchte fast zehn Minuten und viele Hammerschläge auf sein Pult, um die Ordnung wieder herzustellen. Die Reihen im Saal waren dann bald deutlich gelichtet. Doch der libysche Staatschef ließ sich davon nicht beirren. Als ihm nach offensichtlicher Überschreitung seiner Redezeit ein Zettel gereicht wurde, zerknüllte er ihn und warf ihn weg. Das rote Licht, dass die Zeitüberschreitung signalisierte, leuchtete unbeholfen weiter. Und auch Sitzungspräsident Ali Treki wagte es wohl nicht, den "König der Könige" zu unterbrechen.

Gaddafi und die AU

Gaddafi vor den Flaggen der AU-Mitgliedsstaaten (Foto: AP)

Gaddafi ist Vorsitzender der Afrikanischen Union.

Ob Gaddafi tatsächlich wie von ihm angedeutet den afrikanischen Staaten aus dem Herzen spricht sei einmal dahingestellt. Zwar hat er derzeit den Vorsitz der Afrikanischen Union inne. Sein wichtigstes Projekt: seine Vision der "Vereinigten Staaten Afrikas" voranzutreiben. Dafür bekommt er allerdings nicht nur Zustimmung aus den Reihen der AU. Im Juli konnte er zwar die Gründung einer neuen AU-Behörde mit neuen Zuständigkeiten und Befugnissen durchsetzen, die an die Stelle der bisherigen AU-Kommission treten soll. Vor allem bei den wohlhabenderen afrikanischen Staaten stößt diese Idee aber auf Vorbehalte. Sie fürchten um ihre Souveränität. Und so stemmen sich zum Beispiel Nigeria, Angola und Südafrika gegen Gaddafis Pläne.

og/db/afp/dpa/ap

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