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Afrika-Cup

Afrikas Fußball tritt auf der Stelle

Der Afrika-Cup in Gabun zeigt die Probleme des afrikanischen Fußballs. Es fehlt an allem: Fußballplätzen, Organisation und richtig eingesetztem Geld. So wird es schwer, ab 2026 neun gute Teams zur WM zu schicken.

Es regnet. Der Rasen gedeiht. Voll sieht er aus. Und lang, sehr lang. Darauf trainiert die beste Fußball-Mannschaft Gabuns, CFM aus der Hauptstadt Libreville. Die erste Liga hat 14 Teams. CFM ist Meister und Pokalsieger, hat in der Vorbereitung des Afrika-Cups sogar die Nationalmannschaft Gabuns geschlagen und trainiert nun auf dem holprigen Rasenplatz 45 Minuten außerhalb der Stadt. Nicht gerade optimale Trainingsverhältnisse. Und nicht nur wegen des Platzes. Viele Spieler anderer Clubs streiken derzeit, weil ihr Gehalt nicht gezahlt wird. Bei CFM bekommen noch alle Spieler ihr Geld, auch wenn sie nicht wissen, wie lange noch. Gabun lebt vom Öl, und weil der Ölpreis schwach ist, hat Gabuns Regierung große Geldsorgen. Und das ist auch ein Problem für die Spieler.

Fehlende Professionalität

Sassou Chico steht im Mittelkreis. Um ihn herum trainieren alle fleißig. Der Coach hat ihn ausgewählt, er soll sprechen. Chico erklärt das Problem: "Hier in Gabun ist der Fußball durch den Staat organisiert. Und wenn der Staat ein Problem hat, dann bekommt man als Spieler auch mal weniger Geld. Und manche Klub-Präsidenten stecken das Geld des Staates auch einfach in die eigene Tasche." So ist das in Gabun, und in Afrika generell. Der Fußball ist zumeist immer noch nicht professionell verwaltet, bis heute fehlt es in allen Ländern den Kontinents alleine schon an ordentlichen Fußballplätzen. Gut organisierte Trainings- oder gar Nachwuchsleistungszentren sind immer noch eine Rarität, genauso wie Taktiktrainer, Weiterbildungen oder Schulen, die das Fußballtraining mit in die Unterrichtsabläufe integrieren. Pierre-Emerick Aubameyang, Gabuns Kapitän und Superstar von Borussia Dortmund, bringt es gegenüber der ARD Sportschau und dem WDR-Hintergrundmagazin Sport Inside auf den Punkt: "Die Klubs hier in Afrika müssen einfach professioneller werden. Und zwar schon vom Jugendalter an. Das wird uns helfen, den afrikanischen Fußball mehr zu entwickeln."

Fußball spielende Kinder am Strand von Libreville. Foto: dpa-pa

Viele begeisterte Kicker (wie hier am Strand von Libreville), wenig Förderung

Finke: "Keine Fortschritte"

Der diesjährige Afrika-Cup ist ein Spiegelbild der Probleme. Das Niveau ist mehr als dürftig. Keine Mannschaft zeigt eine langfristig positive Entwicklung. Die Turnierfavoriten Elfenbeinküste und Algerien flogen wie Gabun schon in der Vorrunde raus. Die Halbfinals erreichten zwar - neben Außenseiter Burkina Faso - mit Ägypten, Kamerun und Ghana drei fußballerische Schwergewichte des Kontinents, allerdings mit nicht gerade überzeugenden Leistungen im Turnierverlauf. Das sieht auch Volker Finke so. Lange war er Bundesliga-Trainer in Freiburg und kurz auch in Köln, dann Nationaltrainer Kameruns.

Volker Finke bei der WM 2014 als Trainer Kamerums. Foto: dpa-pa

Volker Finke bei der WM 2014 als Trainer Kamerums

Er kennt die Probleme des afrikanischen Fußballs. Er sitzt auf einem umgefallenen Baumstamm am Strand von Libreville und resümiert, der Fußball Afrikas habe sich nicht weiterentwickelt. "Ich kenne im Grunde keine florierende lokale Meisterschaft. Die nennen sich irgendwann alle Profis, aber spielen auf katastrophalen Plätzen. Zuschauerschnitt, wie ich es in Kamerun kennengelernt habe, 300 bis 600 Zuschauer, im so genannten Profibereich. Von zwölf Monatsgehältern, die die Spieler eigentlich kriegen müssten, werden nur drei bis vier bezahlt."

Drei Millionen Euro Tagesgage für Messi?

Ab 2026 wird Afrika deutlich mehr Starter bei der FIFA-WM haben als bisher. Die Rede ist von neun Teams. Wenn sich bis dahin nicht einiges tut, wird es schwer, neun starke Mannschaften zu präsentieren. Dabei ist häufig sogar Geld da. Aber dieses versickert entweder in den Taschen von Fußballfunktionären, wie auch Finke bestätigt. Oder wird eher für öffentlichkeitswirksamere Dinge ausgegeben. In Gabun lud der umstrittene Präsident Ali Bongo Ondimba mal so eben Barcelonas Superstar Lionel Messi ein: für die Grundsteinlegung eines neuen Stadions des Afrika-Cups. Angeblich für über drei Millionen Euro Tagesgage. Die Regierung bestreitet das aber.

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