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Afrika

Afrikas digitales Dilemma

Im Juni soll Afrika laut einer UN-Deadline seine analoge Fernsehübertragung abschalten. Bereit für den Wechsel sind nur wenige Länder. Auch die größten Fernsehmärkte auf dem Kontinent hinken hinterher.

Starren auf schwarze TV-Bildschirme: In Kenia ist in diesen Tagen Realität geworden, was vielen afrikanischen Fernsehzuschauern am 17. Juni bevorstehen könnte. Dann nämlich - so will es eine Deadline für die Region Afrika-Nahost der Internationalen Telekommunikationsunion der Vereinten Nationen ITU - werden Fernsehprogramme auf dem Kontinent nur noch digital übertragen. Das heißt: Sat-Schüsseln und Antennen empfangen ihre Signale über eine andere Technik. Damit ist es theoretisch möglich, eine viel größere Zahl an Programmen zu empfangen. Zudem verbessert sich die Qualität der Bilder.

Kenia Standard Group Company (Foto: Simon Maina/AFP/Getty Images).

Kenias führendes TV-Konsortium Standard sperrt sich gegen den Wechsel

Die schwarzen Bildschirme in Kenia haben bisher einen anderen Hintergrund: Die Regierung in Nairobi hatte angeordnet, dass ein Konsortium von vier großen Fernsehsendern vorzeitig auf die digitalen Ausspielwege umsteigen sollte. Diese hatten sich geweigert. Sie seien noch nicht bereit für den Wechsel. Vor Gericht versuchen sie nun, einen Aufschub um hundert Tage zu erwirken. Kenia ist einer der größten Fernsehmärkte in Afrika - neben Nigeria und Südafrika. Auch diese Länder seien nicht für den Wechsel gewappnet, sagt Mike Jensen von der

Vereinigung für Progressive Kommunikation

(APC). Die internationale Organisation mit Sitz in Südafrika hat es sich zum Ziel gesetzt, die Nutzung von modernen Kommunikationstechnologien für Entwicklung und soziale Gerechtigkeit zu erleichtern. In Nigeria habe gerade ein einziger Bundesstaat den Wechsel vollzogen, so Jensen.

Eine Aussicht auf eine flächendeckende Abdeckung mit digitalen Signalen ist also völlig unsicher. Wie in Kenia geht es oft um Geld: Eine Umstellung sei kostspielig für Regierung und Bürger, informiert der Verein auf einer eigens eingerichteten Internetseite, mit der er Aufmerksamkeit für das Thema schaffen will. Die Fernsehzuschauer brauchen in der Regel Decoder - so genannte set-top boxes, die rund 50 US-Dollar kosten, um das digitale Signal zu entschlüsseln. Zudem müssen auch die Fernsehunternehmen tief in die Tasche greifen, um ihre Programme mit der neuen Technik übermitteln zu können.

Erfolgsgeschichte Tansania?

Zufrieden zeigt sich die Tansanierin Vera Moses. Sie hat bereits digitalen Empfang. "Die Qualität der Bilder ist gut", sagt sie. "Dieses Flimmern ist vorbei, viele Menschen freuen sich darüber." Tansania ist eines von drei Ländern, die bereits weitgehend auf das digitale Breitbandsignal DVB umgestiegen sind. In Dar es Salaam habe man die analoge Übertragung bereits Ende 2012 abgeschaltet, sagt John Nkoma, der Leiter der tansanischen Kommunikationsbehörde TCRA, im Gespräch mit der DW. In den Städten sei man inzwischen fast komplett auf DVB-T umgestiegen, also die digitale Übertragung per Antenne. Auf dem Land setzt Tansania auf einen anderen Verbreitungsweg - die Ausstrahlung via Satellit.

Dar es Salaam (Foto: Daniel Hayduk/AFP/Getty Images).

Erfolgreicher Umstieg: Dar es Salaam

Es habe einige Überzeugungsarbeit gebraucht, um Bürger und Unternehmen von dem neuen System zu überzeugen. Doch schließlich sei dies gelungen, sagt Nkoma. Zum einen habe man einen Steuernachlass auf die set-top boxes durchgesetzt: "Dadurch ist der Preis künstlich niedrig, dadurch sind sie bezahlbar geworden." Für dreißig Dollar könnten seine Landsleute einen solchen Decoder erstehen. Zum anderen habe man Rücksicht auf die Gewohnheiten der Nutzer genommen: "Tansanische Bürger sind es gewohnt, kostenlos fernzusehen. Wir haben festgelegt, dass die fünf beliebtesten Fernsehsender kostenlos übertragen werden." Eine Sicherheit für alle Fernsehzuschauer, deren Abonnements auslaufen.

Marktinteressen

Für Mike Jensen von APC greift diese Erzählweise allerdings zu kurz: Tansania und das Nachbarland Ruanda hätten die Umstellung erzwungen, indem sie das analoge Signal abgeschaltet hätten. Natürlich gebe es in beiden Ländern Bürger, die sich die notwendige Technik schlicht nicht leisten könnten. Jensen hält es für angebracht, dass die Regierungen eine wirkliche Kompensation der Kosten garantieren. Auch auf Mauritius habe es eine große Debatte um den Preis der Decoder gegeben. Die Regierung habe in großem Stil Billigware aus China geordert - Geräte, die oft fehlerhaft gewesen seien, sagt Jensen.

Kinder betrachten Satellitenschüssel in Sierra Leone (Foto: Tom Schulze).

Auch die Übertragung per Satellit soll digitalisiert werden.

Jensen versteht auch das von der ITU gesetzte Datum nicht: Bis zu dem Termin im Juni würden es vielleicht sechs Länder schaffen, die Umstellung formell abzuschließen. Deutschland sieht schon komplett digital fern - und mit ihm der größte Teil der Industrieländer. Lateinamerika hingegen hat die Umstellung sogar auf 2020 gesetzt. Das frühe Datum ist laut Jensen auf Drängen der afrikanischen Telekommunikationsunternehmen zustande gekommen. Diese seien die einzigen Profiteure, weil sie sich eine Monopolstellung auf die Fernsehübertragung sicherstellen wollten.

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