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Afrika

Afrikas Bauern und der Kakao-Boom

Nicht nur mit Gold oder Erdöl lässt sich an der Börse zocken - auch Kakao ist von den Spekulanten heiß begehrt. Der Preis ist auf dem höchsten Stand seit 30 Jahren, doch auf den Plantagen hält sich der Jubel in Grenzen.

Zwei Hände greifen in einen Berg von Kakaobohnen.

Kakao ist das Öl der Elfenbeinküste.

Schokoladenweihnachtsmänner

Jetzt schon wird der Kakao fürs Weihnachtsgeschäft gebunkert.

Auf dem Kakao-Markt hat ein britischer Hedge-Fonds kräftig zugeschlagen. Durch seinen Einkauf wurde an der Londoner Terminbörse ein künstlicher Engpass erzeugt, daraufhin ist der Kakaopreis enorm gestiegen. In der westafrikanischen Elfenbeinküste müssten die Kakao-Bauern nun eigentlich Luftsprünge machen vor Freude. Denn für das Weihnachtsgeschäft müssen sich die Schokoladenhersteller aus aller Welt genau jetzt mit Kakao eindecken.

Kakao ist sein Leben

Edi Mbourou kann sich über den Kakao-Boom nicht wirklich freuen. Er kommt aus dem Süden der Elfenbeinküste, und auf den Plantagen arbeitet er so lange er denken kann. Heute ist er Mitte 50, hat zehn Kinder und ebenso viele Hektar Grundbesitz. Es ist Erntezeit. Mit einem Stab, an dem eine Klinge befestigt ist, schneidet er die ovalen, dicken Früchte ab, die wie gelbe American Footballs oben im Baum hängen.

gelbe Kakaofrucht hängt am Baum

Die Kakaofrüchte sind die einzige Einkommensquelle von Edi Mbourou.

Dass die Kakaopreise stark gestiegen sind und die Tonne nun rund 3000 Euro kostet - doppelt so viel wie im Vorjahr - davon hat Edi gehört. Doch er macht sich Sorgen. Lange Jahre waren die Kakaopreise so niedrig, dass Edi auf Masse produzieren musste, um überhaupt etwas zu verdienen. Den Kakaobäumen gönnte er keine Schonzeiten, darunter litt die Qualität.

Ausgerechnet jetzt, wo die Nachfrage nach hochwertigem Kakao steigt, könne er deshalb nicht reagieren, beklagt sich Edi, und seinen Kollegen gehe es genauso. Zum vierten Mal in Folge ist seine Ernte schlecht - die Plantagen sind viel zu alt und leiden unter Pilzbefall. Edi sagt, ihm fehle es an Geld, um die Bäume besser zu pflegen und damit den Ertrag zu steigern. Aufgrund der Preisschwankungen verdiene er zu wenig, lebe nur von der Hand in den Mund.

Das Öl der Elfenbeinküste

Was für Kuwait das Öl, ist für die Elfenbeinküste der Kakao. Nirgendwo auf der Welt wächst so viel davon wie hier, das Land liefert allein fast die Hälfte der gesamten Weltproduktion. Etwa 600.000 Kakaoproduzenten gibt es in der Elfenbeinküste. Lancine Bakayoko, Wirtschaftsredakteur der regierungskritischen Zeitung Nord-Sud in Abidjan, betont, dass keine einzige Kakaoplantage dem Staat gehöre. Es handle sich nicht um Groß-Plantagen, sondern um Einzelproduzenten.

Die Kakaobranche der Elfenbeinküste mag in privaten Händen liegen - aber für den Niedergang des Kakaosektors sei trotzdem auch die Regierung verantwortlich, meint Zoungrana Moussa, der Präsident der Kakao-Genossenschaften. Denn mit dem Rohstoff verdienten die Politiker des Landes zwar viele Steuermillionen, investierten aber so gut wie nichts, um den Anbau zu erhalten. Dabei sei genau das dringend notwendig, damit auch die Kakao-Bauern vom Bohnen-Boom profitieren. Denn die Kakaoproduzenten in der Elfenbeinküste hätten keine Chance, ihren Kakao selbst zu lagern. "Deswegen sind sie bei der ganzen Kakao-Spekulation völlig außen vor. Sie müssen sofort und zu jedem Preis verkaufen, ob sie wollen oder nicht, sie müssen ja davon leben."

Gewinner des Booms

Die Händler dagegen könnten das Angebot steuern und so von den steigenden Preisen enorm profitieren. Bei den aktuellen Kapriolen, die die Börse derzeit schlage, gewännen natürlich nicht die Bauern, so Moussa, sondern die Exporteure.

Edi Mbourou dagegen ist verzweifelt - noch nie war der Preis für seinen Kakao so hoch, und trotzdem hat er nichts davon. Einige seiner Freunde haben sich schon umorientiert. Wer es sich leisten kann, sattelt von Kakao auf Kautschuk-Bäume um. Denn daraus kann man Reifen und Plastiktüten herstellen - all das, was aufstrebende Länder wie etwa China jetzt brauchen. Doch eine sichere Zukunft haben sie damit auch nicht, denn wer weiß, wann die Hedge-Fonds an den Agrarbörsen auf Kautschuk spekulieren.


Autor: Alexander Göbel

Redaktion: Carolin Hebig


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