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Afrika

Afrikanische Lösungen für Afrika

Der Deutsche Afrika-Preis 2010 geht an den ghanaischen Spitzendiplomaten Mohamed Ibn Chambas. Er erhält die Auszeichnung für seine Verdienste als Kommissionspräsident der westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS.

Mohamed Ibn Chambas (Foto: ap)

Mohamed Ibn Chambas

Für Mohammed Ibn Chambas ist der deutsche Afrika-Preis die Bestätigung, dass er richtig lag mit seinem politischen Engagement. Der Preis bestärke ihn darin, mit seiner Arbeit fortzufahren, sagt er. Vor allem wolle er sich weiter für die regionale Integration auf dem Kontinent einzusetzen.

Genau das ist das Lebensthema von Mohammed Ibn Chambas: Bis Anfang dieses Jahres hat er als Exekutivsekretär und Kommissionspräsident der westafrikanischen Staatengemeinschaft daran gearbeitet, die ungleichen Staaten im Westteil des Kontinent auf gemeinsame Normen festzulegen und eine integrierte regionale Wirtschaftspolitik zu entwickeln. Keine leichte Aufgabe – angesichts der großen Unterschiede zwischen den 15 Staaten.

Gemeinsame Normen für Westafrika

ECOWAS-Treffen mit Togos Präsident Faure Gnassingbe (Foto: dpa)

Krisentreffen bei der ECOWAS

Zur Ecowas gehört der Wirtschaftsriese Nigeria mit 150 Millionen Einwohnern und es gehören Ressourcenstaaten wie die Elfenbeinküste dazu, deren Wirtschaftskraft durch eine langjährige politische Krise gelähmt ist. Zum Kreis der 15 Staaten Westafrikas gehören aber auch ehemalige Bürgerkriegsstaaten wie Sierra Leone und Liberia und "ewige" Entwicklungsländer wie Benin oder Togo. Wie lassen sich solch verschiedene Voraussetzungen unter das Dach einer Regionalorganisation bringen?

Chambas Botschaft: Trotz aller Ungleichheiten sorgt ein regionaler Zusammenschlusses dafür, dass Afrika seine Interessen klarer wahrnehmen kann. Und: Durch Abstimmung und gemeinsame Verantwortung lassen sich afrikanische Entwicklungshindernisse überwinden. Viel Überzeugungsarbeit sei da nötig gewesen, auch bei den politischen Eliten: "Es wird immer mehr anerkannt, dass die ECOWAS eine wichtige Rolle spielt, wenn es um die Einhaltung guter Regierungsführung geht, um Frieden und Sicherheit", so Chambas.

Regelwerk funktioniert nicht überall

ECOWAS-Soldat in einem Krankenhaus in Liberia (Foto: ap)

ECOWAS-Soldat in einem Krankenhaus in Liberia

Die ECOWAS zählt inzwischen neben der Staatengemeinschaft des südlichen Afrika zu den Regionalorganisationen in Afrika, die gut funktionieren. Das war aber nicht immer so. Schon 1975 gegründet, dämmerte die Staatengemeinschaft zunächst vor sich hin. Erst Mitte der neunziger Jahre gab es einen Neustart. Chambas sorgte dafür, dass auf diesen Neustart klare politische Ideen und entsprechende Institutionen folgten – übrigens nach dem Vorbild der Europäischen Union. Die ECOWAS gab sich eine eigene Friedenstruppe, die ECOMOG, die unter anderem in Liberia für die Sicherung des Friedens nach dem Bürgerkrieg sorgte. Sie gab sich ein Parlament und sogar einen eigenen westafrikanischen Gerichtshof. Und sie verpflichtete sich auf gute Regierungsführung und den Respekt demokratischer Grundregeln.

Das klappt nicht immer: Die Elfenbeinküste ist erst gerade auf dem Weg zu einer regulären Wahl. In der Republik Niger, hatte der ehemalige Präsident Mamadou Tandja 2009 versucht, über eine Verfassungsänderung seine Amtszeit zu verlängern. Ein Militärputsch verhinderte das - von politischer Normalität oder demokratischen Spielregeln lässt sich da nicht sprechen. Diese Defizite kritisiert auch Chambas: "Es gibt noch viele Probleme in der politischen Praxis. Die Region hat sich zwar ein Regelwerk gegeben, aber nicht überall hält man sich daran."

Probleme selbst in die Hand nehmen

Kaffeebohnen (Foto: ap)

Kaffee spielt für die Wirtschaft Westafrikas eine wichtige Rolle

Auch deshalb sei es wichtig, die Gesellschaften an der Seite zu haben, wenn es um das Einfordern von guter Regierungsführung geht. Der private Bereich spiele eine wichtige Rolle, sagt Chambas, die Zivilgesellschaft und vor allem die Wirtschaft. "Die private Wirtschaft ist für mich eine Art Motor für die ökonomische Entwicklung."

Die Afrikaner müssten ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme, fordert Chambas, damit die Vision der ECOWAS vielleicht ein Modell für andere Regionen Afrikas werden kann: "Wir sprechen von einem Westafrika ohne Grenzen. Wir sprechen von Gesellschaften, in denen man die demokratischen Rechte der Menschen achtet."

Autorin: Ute Schaeffer

Redaktion: Klaudia Pape