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Afrika

Afrikanische Filme gegen Homophobie

Verfolgt und gedemütigt: In vielen Ländern Afrikas leben Homosexuelle in Angst. Filmemacher bringen ihr Schicksal ins Kino, auch in Deutschland. "Queer Africa" heißt ein Schwerpunkt des Afrika Filmfestivals 2014 in Köln.

"Wenn man mich in Gefängnis wirft, wird mich das etwa ändern?", fragt Esther Abu Abelinga in die Kamera - anklagend, aber auch verängstigt. In ihr Dorf könne sie nicht zurückkehren, erzählt sie, und ihre Tochter dürfe sie auch nicht mehr sehen. Esther ist lesbisch und lebt in Kamerun. Dort ist Homosexualität nicht nur ein gesellschaftliches Tabu, sondern

eine Straftat

. Die Organisation PAEMH (Projekt zur Unterstützung sexueller Minderheiten) hat Esthers Geschichte und die von anderen verfolgten Schwulen und Lesben in Kamerun verfilmt. Die Kurzdoku ist einer von vielen Beiträgen zum Thema "Queer Africa" auf dem diesjährigen

Afrika Filmfestival "Jenseits von Europa"

in Köln.

"Ein Teenager wie alle Anderen"

Schriftsteller und Regisseur Abdellah Taia aus Marokko (Foto: Aude Gensbittel/DW)

Schriftsteller und Regisseur Abdellah Taia aus Marokko

Während zehn Tagen (18.09.-28.09.2014) werden auf dem Festival 83 Filme aus 27 afrikanischen Ländern gezeigt. Oft geht es dabei um heikle politische und gesellschaftliche Themen. Gerade in den vergangenen zwei Jahren sind in Afrika viele Filme entstanden, die sich mit dem Schicksal von Schwulen und Lesben befassen. Zum Beispiel "Salvation Army" ("Die Heilsarmee") von Abdellah Taia aus Marokko. Der Schriftsteller und Regisseur ist einer der wenigen Künstler in Nordafrika und der arabischen Welt, der offen zu seiner Homosexualität steht.

Sein Spielfilm, zum Teil autobiografisch, erzählt vom Alltagsleben eines 15-jährigen schwulen Jungen in Marokko. "Wer das Thema anspricht, versucht meistens die Homosexuellen vom Rest der Gesellschaft zu isolieren. Ich wollte das Gegenteil machen und zeigen, dass dieser Teenager genauso ist wie alle Anderen“, sagt Taia. In seiner Heimat Marokko ist der Film auf Kritik gestoßen. Nachvollziehen kann der Abdellah Taia das nicht. "Dieser Film ist überhaupt nicht skandalös, und wenn, dann nur in den Augen derjenigen, die ihre Meinung über manche Menschen nicht ändern wollen."

Gewalt gegen Lesben in Südafrika

Zum Festival wurde auch die lesbische Fotografin und Aktivistin Zanele Muholi aus Südafrika eingeladen, die sich seit Jahren für die Gleichberechtigung von Homosexuellen in ihrem Land einsetzt. Zanele Muholi, die sich selbst als "visual activist" bezeichnet, ist für ihre Porträts von schwarzen Lesben in Südafrika auch international bekannt. Mit ihrem Dokumentarfilm "Difficult Love" will sie zur "visuellen Geschichte" ihres Landes beitragen - einer Geschichte, in der sexuelle Minderheiten ihren Platz haben, sagt sie.

Die Fotografin und Aktivistin Zanele Muholi (Foto: Zanele Muholi)

Die Fotografin und Aktivistin Zanele Muholi

Obwohl die südafrikanische Verfassung sexuelle Minderheiten schützt und gleichgeschlechtliche Ehen erlaubt, sind Gewalt und Diskriminierung gegen Schwule und Lesben Alltag. Schwarze Lesben aus den Townships würden gezielt vergewaltigt, um - so glauben einige Südafrikaner - ihre sexuelle Orientierung "zu korrigieren". In den vergangenen Wochen seien mehrere Lesben ermordet worden, berichtet Muholi und fragt immer wieder nach den Gründen. "Die Leute wissen doch eigentlich gar nicht, warum sie Schwulen und Lesben hassen".

Islam und Homosexualität vereinbaren

Auch zu Gast in Köln: der schwule Imam Muhsin Hendricks aus Südafrika, der seinen Dokumentarfilm "Fitrah" über Islam und Homosexualität vorgestellt hat. Muhsin Hendricks, der islamische Theologie in Pakistan studiert hat, war vor seinem Coming Out sechs Jahre lang verheiratet und hat drei Kinder. Heute hilft er mit seiner Organisation "The Inner Circle" mit Sitz in Kapstadt anderen homosexuellen Muslimen.

Hendricks sagt, Islam und Homosexualität seien vereinbar. Ablehnung und Vorurteile ließen sich eher mit patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen erklären. Sein Film zeigt die Schwierigkeiten, die homosexuelle Muslime überwinden müssen, um ihren Glauben mit ihrer Sexualität in Einklang zu bringen. "Manchmal führen diese Schwierigkeiten zu Alkohol- oder Drogenexzessen, und manchmal treiben sie Menschen in den Selbstmord", so Hendricks. Deshalb wirbt er mit seinen Filmen für mehr Akzeptanz innerhalb der muslimischen Gemeinde - auch jenseits von Afrika.

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