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Afrika

Afrikanische Elite-Senioren suchen Lösungen

Es liest sich wie das "Who is Who" der reformbereiten Ex-Präsidenten in Afrika: Festus Mogae aus Botswana, John Kufuor aus Ghana, Aristides Pereira von den Kapverden. Sie alle diskutierten in Berlin über Landreformen.

Feld in Mosambik

Wem gehört das Land? Die Frage führt immer wieder zu Konflikten.

Die Zahl der Afrikaner an der Humboldtuniversität hat sich vergrößert in diesen Tagen. Und die Bänke füllen sich mit ehrwürdigen Herren, die ihr Studium zumeist schon länger hinter sich haben. Auf Einladung der Boston University diskutieren ehemalige Staatslenker aus Afrika über politische Themen.

Konflikte um Landverteilung

Jerry Rawlings (Foto: AP)

Jerry Rawlings: Vom Putschisten zum demokratischen Präsidenten

Im Mittelpunkt der glanzvoll besetzten Diskussionsrunden hinter sorgfältig verschlossenen Türen stand ein hochpolitisches Thema: Landreformen, Landnutzung und Landverteilung in Afrika. Das findet auch Jerry Rawlings, ehemaliger ghanaischer Präsident. Er putschte sich 1981 an die Macht und war dann bis 2001 Präsident Ghanas. Entsprechend der neu geschaffenen Verfassung räumte er 2001 den Posten. Die Frage der Landnutzung und Landverteilung habe über die Jahre immer wieder zu vielen Konflikten geführt, sagte Rawlings. Im Laufe der Zeit hätten Regierungen immer wieder politisch und juristisch über Landfragen entschieden. "Und die Menschen auf dem Land, die traditionellen Autoritäten, die Chiefs haben sich unter Verweis auf ihre traditionellen Rechte dem entgegen gestellt."

Große Fortschritte

Rawlings wurde von Charles R. Stith nach Berlin eingeladen. Stith hat die illustre Diskussionsrunde der ehemaligen Präsidenten vor acht Jahren begründet. Als langjähriger US-Botschafter in Tansania wollte er den reformbereiten und verantwortungsbewussten politischen Eliten Afrikas ein Forum geben. "Die gute Nachricht ist, dass Afrika seine Geschicke selbst in die Hand nimmt", sagte Stith. Es gebe in Afrika eine klare Bewegung in Richtung Demokratie. Er macht diesen Trend in insgesamt 16 Ländern aus. Aber, betont Stith, dies seien die bevölkerungsreichsten Staaten Afrikas. Er kommt zu einer interessanten Schlussfolgerung: "Das heißt doch: Die Mehrheit der Afrikanerinnen und Afrikaner wacht morgens in einem Land auf, in dem sie über demokratische Wahlen ihre politische Führung mitbestimmen können und in dem diese politische Führung für ihr Handeln Rechenschaft ablegen muss. Und das ist doch eine wirklich große Sache!"

Emanzipiertes Afrika

Stith geht es mit der Arbeit des von ihm begründeten Forschungszentrums für Afrika an der Universität Boston nicht um theoretische Debatten. Es geht ihm vielmehr um eine veränderte Politik gegenüber einem Afrika, das sich emanzipiert, das eigene Modelle entwickelt und eigene Lösungen für afrikanische Fragen sucht.

Bäuerin auf vertrocknetem Feld (Foto: dpa)

In Simbabwe hat die Landreform die Landwirtschaft ruiniert

Die Wahl des jeweiligen Themas geht maßgeblich auf die teilnehmenden Präsidenten zurück. Für die sei die Frage nach Landreform und Landverteilung ein sehr unmittelbares und sehr politisches Thema. Nicht nur in Simbabwe sei das ein sehr reales politisches Thema. Vor allem für die jungen Demokratien auf dem Kontinent sei das eine wichtige Frage, sagt Stith und er warnt: "Von der Frage der Landverteilung und Landnutzung kann große Destabiliserung ausgehen – gerade in den jungen Demokratien."

Gefahr für die Nahrungsmittelsicherheit

Auch wenn einem vielleicht zuerst die gewaltsamen Vertreibungen weißer Farmer in Simbabwe einfallen, so geht das Thema doch sehr viel weiter. Industriestaaten, zum Beispiel aus der Golfregion, kaufen in Entwicklungsländern Anbauflächen an, um ihre eigene Nahrungssicherheit zu gewährleisten – auf Kosten der Ärmsten, wie afrikanische Kritiker meinen. Als Erbe von Kolonialismus und Apartheid ist das Recht auf Land und dessen Besitz in Afrika zumeist immer noch ungleich verteilt. Rechtssicherheit soll geschaffen werden, Landmangel und fehlerhafte Nutzung von Anbauflächen vermieden werden. Die Landnutzung ist ein soziales und ein politisches Thema; eine Schlüsselfrage für die Entwicklung auf dem Kontinent. "Aus meiner Sicht fehlt es an politischer Integrität und Verantwortung. Das hat zu Missbrauch an vielen Stellen geführt", sagt Ex-Präsident Rawlings. Das Thema der Landnutzung sei ein permanentes Problem, von dem viele Schwierigkeiten für die afrikanischen Länder ausgingen. "Wenn wir hier der Lösung einen Schritt näher kommen, dann haben wir eine wichtige Voraussetzung geschaffen, um Frieden und Stabilität zu erreichen."

Hier liegt im übrigen der Grund, warum die Veranstalter diesmal Berlin als Ort gewählt haben: Vor genau 125 Jahren beschlossen die Kolonialmächte auf der Berlin Konferenz die territoriale Verteilung und die Grenzen auf dem afrikanischen Kontinent – ohne die Afrikaner zu fragen. Mit dem schwierigen Erbe aus der Kolonialzeit hat Afrika bis heute zu kämpfen, nicht nur was den Umgang mit Landrechten und Landnutzung angeht. Bei der Berlin Konferenz 2009 sitzen hingegen die Afrikaner nun selbst am Tisch. Die Diskussion damals habe für Afrika keine guten Ergebnisse gebracht, betont Institutsleiter Stith, dieses Mal würde die Diskussion sicher zu ganz anderen und weit besseren Ergebnissen führen.

Autorin: Ute Schaeffer

Redaktion: Christine Harjes

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