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Afrika

Afrikanische Atomträume

Während in Deutschland über einen Ausstieg nachgedacht wird, wünschen sich viele Länder den Einstieg in die Kernenergie. Auch in Afrika.

Atomkraftwerk (Foto:dpa)

Mehr Atomenergie für Afrika?

Wer nachts über Afrika fliegt, sieht meist kaum Lichter am Boden. Von den anderthalb Milliarden Menschen, die weltweit keinen Strom bekommen, leben hier besonders viele. Weil jedoch Energiemangel ein großes Handicap in einer globalisierten Welt ist, setzen viele afrikanische und Staaten auf Kernenergie als eine der möglichen Lösungen ihrer Probleme. Auch international hat es in den vergangenen Jahren eine Art Renaissance im Interesse an Kernkraftwerken gegeben. Bei der Internationalen Atomenergieagentur IAEA in Wien melden sich zunehmend Nationen, die noch keine Kernkraftwerke besitzen, aber am Einstieg interessiert sind. In Afrika und im Arabischen Raum sind es Länder wie der Jemen, Ägypten, Nigeria, Senegal, der Sudan, Uganda, Algerien oder Marokko, ebenso Burundi, Kongo und Ghana. Jordanien plant ein Kernkraftwerk am Roten Meer. Bahrain, Oman, Qatar und die Vereinigten Arabischen Emirate wollen mit Nuklearenergie Meerwasser entsalzen.

Mehr Kernkraftenergie für Afrika?

Koeberg (Foto:DW)

Romantischer Strandspaziergang vor der Kulisse von Koeberg

Bislang läuft in Afrika jedoch nur eine Anlage, das Atomkraftwerk Koeberg, etwa 30 Kilometer von Kapstadt entfernt. Geht es nach den Wünschen mancher Politiker, wird sich das ändern. Viele Afrikaner sind der Meinung, dass ihre Zukunft in der als prestigeträchtig geltenden Kernenergie liegt. Die Südafrikaner sind besonders stolz darauf, dass die eigenen Wissenschaftler und Ingenieure derzeit erfolgreich einen Reaktor entwickeln. Nachdem die deutschen Patente für den Kugelhaufenreaktor gekauft wurden, möchte man jetzt daraus einen Exportschlager machen, der auch im eigenen Land zur Stromversorgung entlegener Gebiete beitragen könnte. Denn wie viele andere Länder des Kontinents kämpft auch Südafrika mit Stromausfällen.

Andere Sorgen - andere Risikowahrnehmung

Slum Nairobi (Foto:DW)

In den afrikanischen Slums haben die Menschen meist überhaut keinen Strom

Es sind die großen Sorgen ihres Alltags, die die Menschen Risiken anders bewerten lässt. Stromausfälle haben in Afrika Folgen, die sich ein Europäer nur schwer vorstellen kann. So häufen sich zu diesen Zeiten in den Slums Vergewaltigungen und Morde und kleine Händler gehen Pleite, weil empfindliche Waren ohne Kühlung schlecht werden. Als in Nigeria durch häufige Stromschwankungen das Notstromaggregat eines Medikamentenlagers explodierte, verdarben die darin gelagerten Aids-Medikamente, die für ganz Westafrika bestimmt waren. Afrika braucht Strom, um den Anschluss an die moderne Welt zu bekommen. Und während die Preise für Öl und Gas explodieren, erscheint Uran preiswerter zu sein. Allerdings sind moderne Kernkraftwerke fast schon prohibitiv teuer zu bauen. Deshalb wird für Afrika über den Bau von Light-Versionen nachgedacht. Auch für das Kernkraftwerk, das Frankreichs Präsident Sarkozy Libyens Diktator al-Gaddafi versprochen hat, erklärt Michael Sailer, vom Ökoinstitut Darmstadt: "Es geht um ein allgemeines Abspecken der Sicherheitsanforderungen." Dadurch würden die Anlagen in der Summe billiger, doch es bestehe auch ein höheres Risiko.

Risiko Atomkraftwerk

Selbst ohne abgespeckte Sicherheitssysteme bergen Kernkraftwerke in Entwicklungsländern ganz andere Risiken als in Industrienationen. Sie liefern große Mengen Strom, und allein das kann die schwache Netzwerke afrikanischer Staaten überfordern. Außerdem wird bei manchen Störfällen der Notstrom aus dem Netz gezogen. Ist es zu schwach, wird es gefährlich. Außerdem gibt es in vielen Ländern große personelle wie politische Probleme. Kernenergie einzuführen sei ein großes Unterfangen. "Man braucht eine kompetente, vom politischen Druck unabhängige Aufsichtsbehörde mit ausreichender finanzieller Ausstattung", sagt Richard Meserve, Vorsitzender der Internationalen Beratergruppe für nukleare Sicherheit INSAG. Gut ausgebildetes Personal mit viel Erfahrung ist ebenfalls ein Engpass, nicht nur in Afrika. Deshalb machen die Südafrikaner derzeit die Erfahrung, dass ihnen die besten Leute abgeworben werden. Verhindern kann niemand, dass ein Land ein Kernkraftwerk baut. Wenn es hart auf hart kommt, bleibt nur zu hoffen, dass sich die Kraftwerksbauer aus Angst vor dem Imageschaden eines GAU zurückhalten.

Autorin: Dagmar Röhrlich

Redaktion: Michaela Paul