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Afrika

Afrikaner und der Brexit: "Was ist das Beste für meine Kinder?"

Kurz vor der großen Abstimmung in Großbritannien sind sich viele noch nicht sicher, ob sie für oder gegen die EU-Mitgliedschaft sind. Auch Afrikaner dürfen abstimmen - und zweifeln. Wir haben einige in London getroffen.

Londoner aus aller Welt kommen täglich auf dem Markt im Nordosten der britischen Hauptstadt zusammen, viele sind Afrikaner. Die Händler bieten lautstark ihre Waren feil: Von grellbunten Tüchern bis zu getrockentem Fisch - das Angebot ist vielfältig. Und das trifft auch auf die Meinungen zu der großen Frage zu: Soll Großbritannien die Europäische Union verlassen oder nicht?

Ian Campbell handelt mit Parfüm. Er findet es nicht leicht, sich für oder gegen den sogenannten Brexit zu entscheiden: "Als Selbstständiger fühlt sich ein Teil von mir zum Austritt aus der EU hingezogen. Der andere Teil will drin bleiben." Den Großteil seiner Waren beziehe er über Europa, sagt Campell. Er ist in London geboren und seine Eltern stammen aus Nigeria. "Die Entscheidung ist schwer. Ich frage mich: Was ist das Beste für meine Kinder?" Die Antwort hat er auch kurz vor der Abstimmung noch nicht gefunden.

Auch Afrikaner stimmen über Brexit ab

Über die Frage "EU - ja oder nein?" dürfen in dem Referendum am Donnerstag

auch Afrikaner abstimmen

; wenn sie einen britischen Pass besitzen - oder aus Commonwealth-Staaten kommen und in Großbritannien leben. Die früheren Kolonialstaaten des britischen Königreiches umfassen unter anderem 18 afrikanische Länder.

Einige Briten wollen die Entscheidung über den Verbleib in der EU lieber den britischen Staatsbürgern überlassen. Aber die britische Unabhängigkeitspartei UKIP und die Vertreter der "Leave"-Kampagne setzen laut der Einschätzung vieler Beobachter bewusst auf die Stimmen der Bürger aus den Commonwealth-Staaten - um ihr Ziel zu erreichen und die EU zu verlassen.

Ein Bus in London mit Werbung der Partei UKIP - sie ruft dazu auf, bei der Abstimmung am 23. Juni für den Austritt aus der EU zu stimmen (Foto: picture-alliance/PA Wire/P. Toscano)

"Wir wollen unser Land zurück" - so wirbt die UKIP-Partei für den Austritt aus der EU

Rassitische Töne in der Kampagne?

Clement Edeh aus Nigeria fühlt sich davon angesprochen: Der 29-Jährige studiert in London und hofft auf bessere Chancen bei der Arbeitssuche, wenn er für den Brexit stimmt. Das habe der Parteiführer von UKIP zumindest als Vorteil eines unabhängigen Großbritanniens beschrieben. Aber er ist sich nicht sicher: "Ehrlich gesagt glaube ich, der Parteivorsitzende ist ein bisschen rassistisch in seiner Wortwahl. Auch seine Mitstreiter", sagt Edeh. Die rechtspopulistische UKIP unter Führung von Nigel Farage hatte bei ihren Anhängern mit ihrer Anti-Europa-Haltung und Rufen nach einer strengeren Einwanderungspolitik gepunktet.

Das Aufenthaltsrecht in Großbritannien und in der EU spielt für Esther Koroma aus Sierra Leone eine wichtige Rolle. Sie verteilt Flugblätter ihrer Kirchengemeinde auf dem Markt und sagt: "Ich kam als Migrantin, jetzt darf ich bleiben. Andere sollten dann auch diese Möglichkeit erhalten."

Währungen könnten schwanken

Auf einem ganz anderen Marktplatz herrscht ebenfall Anspannung vor der großen Entscheidung: Bei den Finanzunternehmen in der

Londoner City

- einem der wichtigsten Börsenstandorte Europas und der Welt. Sollte es zum Brexit kommen, befürchtet Sarah Baynton-Glen negative Auswirkungen auf die Währungen. Sie ist Ökonomin bei "Standard Chartered Bank", einem Finanzunternehmen in London, das unter anderem in afrikanischen Ländern operiert. "Das britische Pfund, aber auch afrikanische Währungen wie der südafrikanische Rand und die ostafrikanischen Währungen würden anfälliger für Schwankungen", sagt sie der DW.

Mitarbeit: Mark Caldwell

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