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Afrika

Afrikaner fordern in Rio mehr Mitsprache

Dürre und Unwetter richten in vielen Ländern Afrikas schon heute schwere Schäden an. Das könnte sich mit dem Klimawandel weiter verschlimmern. Beim Gipfel Rio+20 verschaffen sich afrikanische Teilnehmer Gehör.

Bunt gekleidet und bewaffnet mit Bannern, Trommeln und Megaphonen zogen sie in die Stadt. Teilnehmer des alternativen "Gipfels der Völker" machten am Mittwoch (20.06.2012) in Rio de Janeiro klar, was sie von den Bemühungen der Regierungsvertreter halten, die mit Rio+20 die Welt retten oder doch zumindest eine umweltfreundlichere Weltwirtschaft entwickeln wollen.

Unter den lautstark Protestierenden: viele Teilnehmer aus Afrika, die als Vertreter von Nichtregierungsorganisationen nach Rio de Janeiro gekommen sind. Moussa Goita vom Netzwerk der afrikanischen Agrarproduzenten glaubt nicht, dass sich die Regierungsvertreter vom Klang der Trommeln und Tamburine haben beeindrucken lassen. Ihm ist jedoch wichtig, dass die Stimme Afrikas in Rio de Janeiro laut zu hören war. Afrika leide schließlich stark unter Naturzerstörung und Klimawandel, obwohl die Länder des Kontinents nicht selbst zu den großen Umweltverschmutzern gehören.

Schornsteine rauchen über dem Industriegebiet (Foto: ddp images/APThomas Kienzle)

Die Schornsteine rauchen - vor allem im Westen

"Die Staaten, die hier darüber entscheiden, wie sie Geld verteilen, um ein wenig an der Krankheit des Planeten herumzudoktern, sind doch genau diejenigen, die die Umwelt verschmutzen und die Natur zerstören", so Goita.

Mit der Natur rechnen

Vertreter Afrikas waren aber selbstverständlich auch im "Riocentro", dem Konferenzzentrum des Rio+20-Gipfels, anwesend. Die afrikanischen Regierungen wollten in Rio de Janeiro möglichst geschlossen auftreten und hatten deshalb Denis Sassou-Nguesso, den Präsidenten der Republik Kongo, zu ihrem Sprecher ernannt.

Er setzt sich insbesondere dafür ein, das UN-Umweltprogramm UNEP aufzuwerten und in eine vollwertige Organisation der Vereinten Nationen umzuwandeln. Diese Initiative könnte von Erfolg gekrönt sein, da die Regierungen vereinbart haben, UNEP künftig auf eine solidere Finanzbasis zu stellen. Mit seinem Sekretariat im kenianischen Nairobi ist UNEP die einzige größere Unterorganisation der Vereinten Nationen, die ihren Hauptsitz in einem Entwicklungsland hat.

Denis Sassou-Nguesso, Präsident der Republik Kongo (Foto: AP Photo/Remy de la Mauviniere)

Sprecher für Afrika: Denis Sassou-Nguesso aus der Republik Kongo

Auf einem gemeinsamen Gipfel Ende Mai waren sich die afrikanischen Staatschefs außerdem einig, dass der Abbau von Rohstoffen wie etwa Erz oder Kohle in seiner jetzigen Form der Welt mehr Schaden als Nutzen bringe, da er oftmals wertvolle Flächen zerstöre. Sie kündigten an, deshalb den Wert von Wäldern, Savannen oder Korallenriffen künftig einzuberechnen, wenn über Kosten und Nutzen neuer Wirtschaftsprojekte entschieden wird.

Nichtregierungsorganisationen: Magere Bilanz

Nichtregierungsorganisationen aus Afrika sind mit dem Rio+20-Gipfel unzufrieden. Das so genannte Landgrabbing etwa, also die Aneignung von landwirtschaftlich nutzbaren Flächen mit teilweise zweifelhaften Methoden, sei nicht genug diskutiert worden. Dabei führe die hektarweise Landnahme durch ausländische Konzerne zum weiteren Kahlschlag wertvoller Naturreservate. Deshalb hatten Vertreter von Nichtregierungsorganisationen an die Teilnehmer von Rio+20 appelliert, Maßnahmen zum Stopp des Landgrabbing zu treffen.

Frauen in einem Reisfeld (Foto: picture alliance/Godong)

Ohne Land kein Reis: Bäuerinnen in Senegal

Idi Ba, Mitglied der Umweltschutzorganisation Enda Third World (Environment and Development Action in the Third World), sieht jedoch keinen Fortschritt in dieser Frage in Rio de Janeiro. Er fordert, dass die Landnahme sofort aufhören müsse. "Wir müssen nein sagen zum Landgrabbing und ja zu einer Landreform, die alle Beteiligten berücksichtigt", so Ba. "Das ist ein Raub von Land, das wir von unseren Eltern geerbt haben, und das wir an künftige Generationen weitergeben wollen.“

Das Spiel ist aus

Afrika brauche eigene Lösungen für seine Umweltprobleme, das betonen Vertreter von Nichtregierungsorganisationen immer wieder. Für Scheich Tidiane Deye, ebenfalls für Enda Third World in Dakar tätig, gilt: "Wenn sich etwas bei uns in den Entwicklungsländern ändern soll, dann müssen wir zuerst unsere eigenen Ressourcen und Ideen einsetzen. So verbessern wir unser Leben und nicht durch Hilfe aus dem Norden."

Auch wenn in Rio de Janeiro keine handfesten Ergebnisse erzielt wurden: Immerhin habe man sich wieder einmal bemerkbar gemacht, so das Fazit vieler Aktivisten aus Afrika. Für Simon Bodéa, Generalsekretär eines Bauernverbands aus Benin, war das Spiel sowieso nicht zu gewinnen. Der Abpfiff sei ja schon vor Beginn des Gipfels zu hören gewesen. "Die Staatschefs sind doch nur nach Rio de Janeiro gekommen, um eine fertige Abschlusserklärung zu unterzeichnen", so Bodéa.

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