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Politik

Afrika wieder im Blickpunkt der Deutschen

Auffallend viel deutsche Politprominenz hat in jüngster Zeit ihr Interesse an Afrika entdeckt. Wirtschaftliches Kalkül vermutet man dabei weniger. Es geht vielmehr um das weltpolitische Klima.

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Außenminister Fischer besuchte im November Südafrika

Afrika scheint wieder interessanter zu werden für Deutschland. Zumindest ist es auffällig, dass sich innerhalb kurzer Zeit einige der wichtigsten deutschen Politiker auf den Weg nach Süden machen. Bundeskanzler Schröder plant einen Besuch im Januar, kurz danach Bundespräsident Rau. Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul war erst Anfang Oktober (2003) in Kenia und Außenminister Fischer besuchte in der vergangenen Woche (28.10-1.11.2003) das südliche Afrika.

Auch Afrika gehört ins Boot

Woher rührt das plötzliche Interesse? Wirtschaftlich gesehen verliert Afrika weiter an Bedeutung. Sowohl die Importe aus Afrika als auch die Exporte dorthin sind stark gesunken. Die einzigen Länder, die wirtschaftliches Gewicht haben, sind Südafrika und Nigeria. Das ökonomische Gewicht der restlichen Länder tendiert gegen Null. Trotzdem meint Joschka Fischer: "In einer globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts werden die Afrikaner ihre Rolle spielen. Wir können nicht zulassen, dass dieser Nachbarkontinent, der ja gewaltige Dimensionen hat, abgekoppelt wird von der Weltwirtschaft, abgekoppelt von der Globalisierung, das erfordert gemeinsame Anstrengung." Gemeinsame Anstrengung, das bedeutet auch, dass der Weltmarkt endlich auch für afrikanische Länder geöffnet werden muss. Damit sie überhaupt eine Chance haben.

Westliche Werte auf dem Weg nach Afrika

Andreas Mehler, Direktor des Instituts für Afrika-Kunde in Hamburg meint, dass es noch weitere gute Gründe für ein deutsches Interesse an Afrika gebe: "Wir wollen, dass unsere Werte, die wir im Grundgesetz haben, auch in Afrika respektiert werden." Dazu gehören auch Demokratie und Menschenrechte.

Denn spätestens seit den Anschlägen vom 11. September ist klar: Diese Werte haben auch mit unserer Sicherheit zu tun. Armut, fehlende Bildung, Perspektivlosigkeit, all das sei auch Nährboden für Terrorismus, so Andreas Mehler: "Wir sollten hier nicht Panik machen, aber dennoch ist es so, wenn staatsfreie Räume entstehen in Afrika und das tun sie derzeit, dann sind das möglicherweise auch Rückzugsräume für internationale Terroristen - dann ist das mittelbar möglicherweise irgendwann ein Problem für uns. Jedenfalls sollte man diese Probleme nicht ignorieren, sie kommen irgendwann zurück."

Langfristig zahlt sich Hilfe aus

Nachdem das Auswärtige Amt vor allem in den 1990er Jahren immer mehr Botschaften und Konsulate schließen ließ, verstärkt Deutschland seine Präsenz in afrikanischen Ländern wieder. Auch die Entwicklungshilfe wurde in den 1990er Jahren reduziert - wobei Afrika zumindest noch immer den dicksten Brocken der deutschen Entwicklungsgelder bekommt.

Dass sich Investitionen in und das Interesse an Afrika auch auszahlen, hat das Beispiel Mali gezeigt. Ohne die Unterstützung des malischen Präsidenten wären die 14 Sahara-Geiseln wahrscheinlich bis heute nicht frei. Deutschland würde immer nur geben, sagte damals Präsident Amadou Toumani Touré, jetzt sei es ihm eine Ehre gewesen, auch einmal Deutschland zu helfen.

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