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Hintergrund

Afrika: Lehrer-Ausbildung durch das Internet

Lesen, Schreiben, Rechnen: Was für Kinder in der industrialisierten Welt eine Selbstverständlichkeit ist, stellt für viele ihrer Altersgenossen in Afrika ein unerreichbares Gut dar. Kann das Internet helfen?

Grubndschüler in Manyange, Ruanda Foto: Pascal Nepa

Konkurrenz um die Aufmerksamkeit des Lehrers

"Bis zum Jahr 2015 soll sichergestellt werden, dass Kinder in der ganzen Welt, Jungen wie Mädchen eine Grundschulausbildung vollständig abschließen können." Millenniums-Entwicklungsziel Nummer zwei

Ein ehrgeiziges Ziel, das sich die UNO-Mitgliedsländer vor sieben Jahren gesetzt haben. Während Nordafrika gute Fortschritte auf dem Weg zur allgemeinen Grundschulbildung macht, kommen die afrikanischen Länder südlich der Sahara nur sehr schleppend voran. Ein entscheidender Grund: Es gibt zu wenig Lehrer. Und von denen sterben dann auch noch viele an AIDS und Malaria. Soll das zweite Millenniums-Entwicklungsziel aber tatsächlich erreicht werden, müsste Afrika knapp 70 Prozent mehr Lehrer ausbilden. Allein mit einem herkömmlichen Studium ist das nicht zu schaffen.

Brian Sayer Foto: Christine Harjes

Brian Sayer

"Es ist entscheidend wichtig, dass man moderne Unterrichtsmethoden einsetzt", sagt der elearning-Experte Brian Sayer von der University of London. Nur so könne man schnell viele Menschen ausbilden und sicherstellen, dass nicht jedes Kind direkten Kontakt zu seinem Lehrer brauche, um die fürs spätere Berufsleben wichtigen Fertigkeiten zu erlernen.

Individuelle Förderung

Dabei ist der direkte Kontakt zum Lehrer auch beim traditionellen Unterricht, so wie er zurzeit noch in den meisten afrikanischen Schulen stattfindet sehr relativ. Klassen mit mehr als 60 Schülern sind keine Seltenheit. In Deutschland gelten schon Klassen mit 30 Schülern als viel zu groß. Brian Sayer setzt auf die Lehrerausbildung durch elearning auf der einen Seite, auf der anderen Seite aber auch auf das Lernen am Computer für die Schüler selbst. Aber sind die afrikanischen Länder dafür schon bereit? "Wir sind immer noch im Anfangsstadium der Entwicklung, wo Wissen aus Büchern und auf Papier sehr geschätzt wird und viele Leute erreichen kann. Wir leben in einer Gesellschaft, in der ein Schulbuch von 50 Schülern geteilt wird", sagt der kenianische Pädagoge Wycliffe H.Odiwar. "Wenn wir aber ins Internet gehen, dann verringern wir diesen Prozentsatz auf weniger als fünf Prozent der Bevölkerung."

Infrastruktur und Training

Auf dem Weg in die IT-Epoche muss Afrika zwei Hauptprobleme bewältigen: Erstens muss eine entsprechende Infrastruktur mit Internetzugängen, genügend Computern und Elektrizität geschaffen werden. Und zweitens müssen die afrikanischen Lehrer lernen, mit der Technologie umzugehen. Dazu gehören auch Lehrer, die schon lange unterrichten, sich mit Computern und dem Internet aber nicht auskennen. Die Inderin Marisha Pandey erteilt an der Universität von Addis Abeba Seminare für solche Lehrkräfte. Die Teilnehmer hatten zu Beginn des Seminars nicht einmal E-Mail-Adressen und vielen machte der fremde Stoff Angst. "Zu Anfang war da ein bisschen Widerstand bei den Leuten, die gar nichts wussten. Später dann fanden sie es einfach toll. Und jetzt sitzen sie meistens im Computerraum. Aus eigener Motivation heraus!" Die Professorin ist begeistert von ihren Studenten.

"Blended-Learning"

Reine elearning-Kurse finden aber bisher in Afrika kaum statt. Die Probleme mit den Leitungen sind einfach noch zu groß und die Datenmengen, die versendet werden können, zu klein. Blended-Learning heißt der Kompromiss. Das Studium setzt sich dabei aus traditionellen Seminaren und Einheiten am Rechner zusammen. Die technischen Probleme, die dem elearning bisher noch im Wege stehen könnten aber bald aus dem Weg geräumt sein, glauben vielen afrikanische Politiker. Durch starke Partnerschaften mit dem privaten Sektor und mit anderen, werde man bald in der Lage sein, diese Hürden zu nehmen, sagt der kenianische Bildungsminister George Saitoti. "Es gibt ein großes Engagement der afrikanischen Regierungen und der Menschen in Afrika, um die digitale Lücke zwischen dem Norden und dem Süden zu schließen. Ich bin sehr optimistisch."

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