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Afrika

Afrika im Drogenrausch

Sie kommen aus Südamerika und sind auf dem Weg nach Europa und Asien: Drogen, die in Westafrika zwischengelagert werden. Jetzt haben Ermittler in Gambia eine Ladung Kokain im Wert von einer Milliarde US-Dollar entdeckt.

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Tonnen von Drogen werden in Westafrika jährlich beschlagnahmt

Versteckt hinter einer eigens eingezogenen Wand lagerten zwei Tonnen Kokain – der bislang größte Fund von Drogen in Gambia. Gelagert waren sie im Keller eines Warenlagers, gedacht für den Export nach Europa. Eine extrem große Menge – und doch nur Teil eines weit größeren Handels, in den fast alle westafrikanischen Länder einbezogen sind. Sierra Leone, Ghana, Nigeria – die Menge des dort beschlagnahmten Kokains, Heroins und hochwertigen Cannabis beträgt mehrere Tonnen pro Jahr. Der Teil, der tatsächlich Europa über Westafrika erreicht, liegt nach Schätzungen der UNO-Drogenkommission UNODC bei 40 Tonnen – das sind rund ein Drittel des gesamten Kokains in Europa.

Meist werden die Drogen verschifft, in Containern verborgen, abgenickt von bestochenen Hafen- und Zollmitarbeitern. Gerade die Faktoren Korruption und schwache Justiz machen Westafrika als Drehscheibe für den südamerikanischen Drogenhandel so attraktiv. Denn in Südamerika wächst der Druck auf die Drogenbarone: Immer häufiger werden dort Lieferungen beschlagnahmt, Handelswege dicht gemacht und Netzwerke zerschlagen. Schon 2007 warnte der Chef von UNODC, Antonio Maria Costa: "Afrika wird attackiert: Von Kokainschmugglern aus dem Westen und Heroinschmugglern aus dem Osten."

Afrikaner nehmen das Geschäft selbst in die Hand

Kokain Drogenhandel nach Europa über West Afrika Guinea Bissau

Der Drogenhandel läuft wie hier in Guinea Bissau oft per Schiff

Doch in den vergangenen drei Jahren hat sich die Szene geändert. Immer einflussreicher werden ACN`s – African Criminal Networks. Vor allem Dealer aus Nigeria beschaffen sich in Südamerika selbst den Stoff, schmuggeln ihn über Westafrika nach Europa und lassen den Stoff dort von Westafrikanern verkaufen. In der Schweiz gelten die Nigerianer als klar dominanteste Gruppe. Roger Flury vom Schweizer Bundesamt für Polizei: "Sie sind sehr aktiv und gut organisiert." Auch das deutsche Bundeskriminalamt bescheinigt den Afrikanern ein: "hohes Maß an Mobilität und Flexibilität".

Und nicht nur das: Immer häufiger entdecken Fahnder in Afrika Drogenlabors, in denen afrikanische Schmuggler ihren Stoff selber herstellen. Vor allem Designerdrogen wie Amphetamine, Speed und Ecstasy. Mit dem Know-How des Handels ist auch das Wissen um Herstellung und Veredelung von Drogenmaterial in Afrika angekommen.

Afrika wird auch Absatzmarkt für harte Drogen

Drogen Kokain

Europa ist der zweitgrößte Absatzmarkt für Kokain weltweit

Und damit auch der Ausbau des Kontinents als Absatzmarkt. Denn etwa 1,1 Millionen Menschen konsumieren nach Angaben der UNO in Afrika mittlerweile Kokain – vor allem in den urbanen Zentren und nicht nur in Westafrika. So hatte die tansanische Regierung schon Mitte der 1990er Jahre vor den Folgen des Drogenschmuggels über Ostafrika gewarnt und darauf hingewiesen, dass immer mehr Afrikaner selbst zu Drogen greifen. Zwar war der Gebrauch von lokalen, meist "weichen" Drogen schon traditionell ein Problem – schnell süchtig machende Stoffe wie Heroin und Kokain aber waren neu. Das hat auch die UNODC erkannt. Antonio Maria Costa: "Nun steigt der Drogenkonsum auch in den Staaten, über die Kokain nach Europa geschmuggelt wird."

Drogenhandel sorgt für politische Instabilität

Drogenbekämpfung in Kolumbien

In Südamerika fängt die Polizei immer mehr Drogen ab

Zudem destabilisiert die wachsende Macht der afrikanischen Drogenbarone das meist schon wackelige Staatswesen in manchen afrikanischen Ländern. Die vereinten Nationen haben Hinweise darauf, dass südamerikanische Kartelle Waffen bei terroristischen Gruppierungen in Westafrika kaufen und mit Drogen bezahlen – mit denen die Terroristen wiederum Anschläge finanzieren. Und die Drogenbarone selbst können sich dank ihres Einflusses von polizeilicher Verfolgung ungestört bewegen. Immerhin übersteigt laut UNO der Profit aus dem Handel die Sicherheitsbudgets ganzer Staaten in Westafrika. So glaubt der malische Präsident Amadou Toumani Touré, dass aufständische Touareg in seinem Land kein Interesse an einem Friedensvertrag hätten, "weil sie sich bequem mit Waffen-, Menschen- und Drogenhandel finanzieren".

Helfen können auf Dauer nur gemeinsame Aktionen von afrikanischen und europäischen Experten und Sicherheitskräften wie jetzt in Gambia. Dort hatten lokale Polizisten das Versteck der Drogen ermittelt und die Schmugglerbande dann gemeinsam mit britischen Fahndern der Serious Organised Crime Agency hochgenommen. Zusätzlicher Erfolg der konzertierten Aktion: Die Polizisten fanden Computerdateien mit Listen der Zulieferer und Abnehmer.

Autor: Dirk Bathe

Redaktion: Katrin Ogunsade