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Afrika

Afrika enttäuscht von G8

Zum Abschluss des Gipfels im italienischen L'Aquila besiegelten die führenden Industriestaaten und Russland eine 20 Milliarden Dollar-Hilfe für arme Bauern. Afrikanische Hilfsorganisationen fordern mehr Unterstützung.

Treffen mit den afrikanischen Staatschefs auf dem G8-Gipfel (Foto: AP)

Auch Nigerias President Umaru Musa Yar'Adua, reiste zum G8-Gipfel (Mitte)

Die Staatschefs der führenden Industrienationen ändern ihre Entwicklungsstrategie: Statt Nahrungsmittel in Hungergebiete zu liefern und so lokale Märkte zu zerstören, soll das Geld den Landwirten ermöglichen, die heimische Produktion anzukurbeln. Die Summe soll innerhalb von drei Jahren ausgezahlt werden. Allerdings handelt es sich bei dem zugesagten Betrag wohl nur zum Teil um neues Geld. Der Rest stammt aus bestehenden Töpfen. Viele Hilfsorganisationen zeigten sich von den Ergebnissen des Gipfels enttäuscht. Kumi Naidoo, Chef der Organisation "Global Action Against Poverty" hielt den G8-Staaten zögerliches Handeln vor. Es gebe einen riesigen Unterschied zwischen Worten und Taten.

Zahl der Hungernden steigt

Dürre in Malawi (Foto: picture-alliance/dpa)

Durch Dürren und Ernterückstände wird oft die Nahrung knapp

Naidoo warf den G8-Staaten vor, Unmengen von Geld in die Rettung von Banken und Unternehmen zu stecken und gleichzeitig viel zu wenig Geld für den Kampf gegen Armut und Hunger in den Entwicklungsländern bereitzustellen. Billionen von Dollar seien in die Finanzmärkte und die Wirtschaft gepumpt worden. Ein Bruchteil dessen würde bereits ausreichen, um dafür zu sorgen, dass weniger Menschen in armen Ländern an Hunger oder Krankheiten sterben. Viele afrikanische Staaten sind von der schweren Wirtschaftskrise besonders stark betroffen. Die Zahl der weltweit hungernden Menschen ist im letzten Jahr nach Angaben der Organisation Oxfam um 100 Millionen gestiegen. Und laut Welternährungsorganisation überschreitet die Zahl der Hungernden in diesem Jahr erstmals die Milliarden-Schwelle. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel versicherte, die G8-Länder stünden jedoch zu ihren Verpflichtungen. Eine Kürzung der Entwicklungshilfe sei trotz Krise nicht vorgesehen.

Afrikas Eigenverantwortung stärken

Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi beim G8-Gipfel (Foto: AP)

Libyens Staatschef Gaddafi vertrat in L'Aquila die Afrikanische Union

Die Staats- und Regierungschefs der G8 trafen am Freitagvormittag (10.07.2009) mit ihren Amtskollegen aus Algerien, Nigeria, Senegal, Ägypten, Angola und Libyen zusammen, das derzeit den Vorsitz der Afrikanischen Union inne hat. Erstmals saß damit der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi mit am Tisch einer solchen Konferenz. Er war jahrzehntelang politisch isoliert. Am Vorabend hatte US-Präsident Barack Obama ihm die Hand geschüttelt. Ein historisches Ereignis. Neben der Ankündigung der Agrarhilfen, wies Obama nach Angaben des Weißen Hauses in L’Aquila aber auch auf die Mitverantwortung Afrikas an seinen eigenen Problemen hin. Er sprach die weit verbreitete Korruption und den Mangel an effizienter Verwaltung an.

Nicht nur Kritik

Abdoulaye Wade (Foto: dpa)

Lob und Tadel für die G8 von Senegals Präsident Abdoulaye Wade

Das angekündigte Hilfspaket zur Ankurbelung der Landwirtschaft stieß bei den anwesenden afrikanischen Staatschefs auf Zustimmung. Das neue Konzept sehe nun vor, Getreide direkt in Afrika anzubauen, und nicht in den Vereinigten Staaten, lobte Senegals Staatschef Abdoulaye Wade. Allerdings benötige Afrika neben Geld auch technische Hilfe. Außerdem müssten Handelsschranken abgebaut werden. Wade bemängelte zudem, dass die reichen Industrienationen ihre Versprechen bisher nicht eingehalten hätten. Dem ersten Staatsbesuch des US-Präsidenten Barack Obama in Afrika seit Beginn seiner Amtszeit sieht er dennoch positiv entgegen. Er erhofft sich neue Impulse im Kampf gegen die Nahrungsmittelknappheit. og/chr/dpa/rtr/ap

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