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Afrika

Afrika entdeckt Crowdfunding

Weil die Banken ihm nicht vertrauten, wandte sich Unternehmer Jacques Georges Badjang aus Kamerun erstmals an eine Crowdfunding-Plattform. Neue Anbieter bringen diese Finanzierungsform jetzt auch nach Afrika.

Nach Europa auswandern, das war nie Jacques Georges Badjangs Traum. Schon als Student wollte der heute 41-Jährige zeigen, dass es möglich sei, in seiner Heimat Kamerun etwas aufzubauen. Da es in seiner Umgebung mehrere Imker gab, entschied er sich für Honig. Sein Geschichtsstudium brach er ab. „Alles hat zu Hause angefangen, in Mamas Küche", erzählt Badjang. Dort habe er die ersten Gläser gewaschen und den Honig verpackt. Dann zog er von Haus zu Haus, um seine Ware zu verkaufen.

Aus diesem Ein-Mann-Betrieb wurde ein veritables Unternehmen. Inzwischen beliefern fast 200 Imker aus mehreren Regionen Badjangs Firma „Les Mielleries“. In Douala, Kameruns größter Hafenstadt , wird das Produkt gefiltert und abgepackt. Für diese Expansion habe er Geld gebraucht, erzählt der Unternehmer in seinem kleinen Büro. Dabei stieß immer wieder auf ein Hindernis, das viele afrikanische Kleinfirmen kennen: Die örtlichen Banken vertrauen ihnen nicht. Sicherheiten können sie kaum bieten.

Screenshot von der Internetseite von Bluebees

Die Crowdfunding-Plattform Bluebees hat sich auf die Finanzierung von Projekten in Entwicklungsländern spezialisiert

Im vergangenen Jahr fand Badjang eine neue Lösung für dieses alte Problem. Er hörte von der neugegründeten Crowdfunding-Plattform BlueBees aus Frankreich, die gerade dabei war online zu gehen. Bei dieser in Europa und den USA bereits etablierten Finanzierungsform stellen Unternehmer ihre Projekte auf einer Internetplattform öffentlich vor. Nutzer können entscheiden, ob und wie viel sie investieren wollen. Häufig werden diese Plattformen für Kunst- oder Sozialprojekte genutzt, statt Zinsen gibt es für die Investoren dann kleine Geschenke oder Aufmerksamkeiten. BlueBees dagegen hat sich auf Unternehmer in Entwicklungsländern wie Badjang spezialisiert, die sie mit Investoren in Europa zusammenbringt.

„Jacques Georges ist ein ernstzunehmender Unternehmer“, sagt Emmanuelle Paillat, die Geschäftsführerin von BlueBees. „Er braucht uns, weil er keinen Zugang zu Banken hat. In Kamerun verlangt man von ihm Garantien, die er nicht geben kann. Trotz der Tatsache, dass seine Firma schon seit zehn Jahren existiert.“

„Les Mielleries“ wurden zum allerersten Projekt der Plattform im Frühjahr 2013. Mehr als 100 Gläubiger liehen Badjang ingesamt 20.000 Euro für seinen Honig-Vertrieb. Ein für beide Seiten lohnendes Investment. Nach nur sechs Monaten zahlte Badjang das Darlehen zurück plus zehn Prozent Zinsen. Ein Prozent Gebühren gingen an BlueBees.

Inzwischen hat die "Crowd", das heißt die BlueBees-Nutzer, weitere Projekte unterstützt. Sie investierten unter anderem Soja-Anbau in Burkina Faso, für einen Heilpflanzengarten in Peru und für eine Litschi-Genossenschaft in Madagaskar. In den vergangenen Monaten sind zudem auch weitere Plattformen gestartet, die Crowdfunding afrikanischen Kleinunternehmern zugänglich machen wollen. Neben „BlueBees“ hat der Investmentfonds „Fadev“ (Fonds Afrique pour le développement) seine eigene Crowdfunding-Seite gestartet. Die Plattform „Babyloan“ etwa wendet sich gezielt an die Exil-Afrikaner als Investoren. Die Seite will bis zum 15. September dieses Jahres 50.000 Euro für 50 Kleinunternehmer aus Benin sammeln. Andere Plattformen, wie die in London basierte „AfrikStart“ oder „SliceBiz“ aus Ghana, bereiten gerade ihren Start vor.

Viele Hindernisse für afrikanische Plattformen

Dass die meisten Crowdfunding-Seiten für Afrika von Europa aus arbeiten, ist kein Zufall. Aus Afrika zu operieren, sei nicht einfach, erklärt der südafrikanische Investor Patrick Schofield, der eine Plattform in Südafrika aufbauen will. „Hier ist Crowdfunding noch sehr neu, viele Menschen verstehen es nicht, und viele vertrauen dem System noch nicht", erklärt Schofield. Auch seien die Zahlungssysteme und der Zugang Internet zum vielerorts nicht so ausgereift wie in Europa.

Doch in der Entfernung zwischen den Plattformen und den Unternehmern liegen auch Herausforderungen. Überweisungen nach Afrika sind teuer „Unsere Bank kann uns nicht im Voraus sagen, was eine Überweisung aus Europa kosten wird", sagt Emmanuelle Paillat. "Für Kamerun hat uns das ein Prozent gekostet. Wenn die Bank ein Prozent nimmt, dann verdienen wir aber nichts.“

Hochhäuser in Duala Foto: picture-alliance/Bibliographisches Institut/Prof. Dr. H. Wilhelmy

In Afrikas Wirtschaftszentren wie Duala fließt derzeit viel Geld. Kleinunternehmer haben jedoch kaum Zugang zu Investoren

Da es bei den Gläubigern oft an unternehmerischem Know-How fehlt, haben die kleinen Teams der Plattformen auch eine Beraterfunktion. Sie verbessern Geschäftspläne, sorgen für Aufmerksamkeit bei Internetnutzern, potenziellen Investoren und neuen Auftraggebern. Gewinn werfen diese Crowdfunding-Seiten bisher nicht ab. „Ohne einen Mäzen, funktioniert es bislang nicht“, stellt Paillat fest.

Endlich ernst genommen?

Was Jacques Georges Badjang neben seinem ersten Darlehen gewonnen hat, ist auch eine neue Glaubwürdigkeit. „Unsere Bank, die uns früher nicht einmal anhören wollte, versteht inzwischen besser, was wir machen“, erzählt der Unternehmer. Seine Firma kann jetzt immerhin auf einen ständigen Überziehungskredit von umgerechnet etwa 7500 Euro zugreifen.

Aber wenn Badjang Geld braucht, ist es immer noch günstiger, sich an die „Crowd“ zu wenden. Der Honig-Händler hat vor kurzem ein zweites Darlehen via „BlueBees“ bekommen. Mit diesen 15.000 Euro will er in ein neues Geschäft investieren: Bienenwachs. Und weil dieses Produkt mehr Bearbeitung erfordert, plant er auch, neue Stellen zu schaffen.

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