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Wirtschaft

Afrika - ein Magnet für Investoren?

Krisengeschüttelt, arm und chaotisch - damit verbinden viele ausländische Investoren Afrika. Wieso dann dort investieren? Weil es der Zukunftsmarkt schlechthin ist, sagen Experten.

Eine Milliarde Konsumenten, die jährlich über 600 Milliarden US-Dollar ausgeben, fünf Prozent Wirtschaftswachstum jedes Jahr, eine Mittelschicht, die sich weltweit am schnellsten entwickelt und deren Appetit nach qualitativen und luxuriösen Gütern kontinuierlich wächst, ein Kontinent, auf dem sich 60 Prozent des weltweit nichtbewirtschafteten Ackerbodens befinden.

Europa kann von solchen Zahlen nur träumen. Afrika dagegen präsentiert sie stolz auf dem AFIF Africa Finance and Investment Forum in Köln. "Afrika ist auf dem aufsteigenden Ast. Zugegeben die bisherige Entwicklung hat Afrika verschlafen, aber jetzt befindet sich der Kontinent auf der Überholspur", sagt Monty Jones, Präsident der Nichtregierungsorganisation EMRC und Veranstalter des Forums.

Monty Jones, Präsident der NGO EMRC (Foto: DEG/ Thomas Brill)

Monty Jones: "Afrika holt auf"

Er ist überzeugt: Das Afrika von gestern ist nicht zu vergleichen mit dem Afrika von heute und schon gar nicht mit dem von morgen. "Vor 20 Jahren haben ethnische Konflikte und Kriege alles zum Erliegen gebracht. Es gab wenig Raum für Entwicklung. Aber vieles hat sich zum Besseren gewandelt. Ich kann Europäern sehr empfehlen, nach Afrika zu kommen.

Afrika braucht Europa.

Wir sind geografisch zu nah, um entfernt zu sein", sagt Monty Jones.

Laut einem aktuellen Bericht der Vereinten Nationen werden Investitionen im Jahr 2014 in die Rohstoffförderung in Ländern wie Tansania, Sambia, Angola, Liberia und Sierra Leone maßgeblich zum wirtschaftlichen Wachstum des Kontinents beitragen. Die Mittelschicht, jung und gut ausgebildet, fordert westliche Güter - qualitative und leistungsstarke. Im letzten Jahrzehnt hat sich das Bruttoinlandsprodukt der afrikanischen Haushalte im Durchschnitt verdoppelt, das Pro-Kopf-Einkommen ist um 2,3 Prozent jährlich gestiegen. In den nächsten fünf Jahren werden sich laut dem Internationalen Währungsfonds sieben von zehn der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in Afrika befinden.

So gesehen stehen die Aussichten für ausländische Investoren auf Erfolg: China, Indien und Brasilien haben das längst erkannt. Sie sind die größten Investoren auf dem afrikanischen Kontinent. Wo aber bleibt Europa, fragen sich viele?

Europa zögert - aber warum?

"Ich bin traurig, dass Australien und Neuseeland, die so weit von Europa entfernt sind, jeweils mehr nach Europa exportieren als alle afrikanischen Länder zusammen. Dabei sind wir doch Nachbarn", sagt Monty Jones.

Auch Idit Miller vom EMRC kann die zögernde Haltung europäischer Firmen nicht nachvollziehen. "Europäische Investoren schauen zuerst, ob demokratische Strukturen und völlige Transparenz vorhanden sind, aber sie müssen doch eigentlich auch nach den Kapitalerträgen schauen", sagt sie. Und die seien in Afrika deutlich höher als in Europa. "Laut einem Bericht der Weltbank befinden sich sechs von zehn Ländern, in denen sich am besten Geschäfte machen lassen, auf dem afrikanischen Kontinent." Und dennoch, der Weg, auf dem sich Afrika derzeit befindet, sei lang, vieles müsse noch passieren, aber die lokalen Politiker würden sich inzwischen mehr Mühe geben, sagt Miller.

Soll heißen: Sie investieren in die Jugend und setzen nicht alles auf den schnellen Profit. Ein Beispiel: "Nigeria ist reich an Öl, doch das ist kein ewiger Rohstoff. Wir erstellen ein Konzept mit dem Titel 'Nigeria nach dem Ölboom'", sagt Chike C. Ogeah, Minister für Kommunikation des Delta Staates in Nigeria.

Die Wirtschaft nicht vom Öl abhängig machen, sie diversifizieren, das ist sein Ziel.

Dafür wird dringend nach Investoren Ausschau gehalten. "Wir suchen Leute, die in unsere Landwirtschaft und Infrastruktur investieren. Wir wollen auch unsere Tourismusbranche auf Vordermann bringen, dafür bauen wir ein großes Erholungsressort. Ausländische Investoren aus China zum Beispiel unterstützen uns, aber wir wollen auch, dass die Europäer kommen", sagt Ogeah.

Deutsche Unternehmen in Wartestellung

Bruno Wenn (li), Präsident der DEG und Monty Jones, Präsident des Nichtregierungsorganisation EMRC (Foto: DEG/Thomas Brill)

Bruno Wenn (li.), Geschäftsführer der DEG: "Deutsche Unternehmen zögern häufig noch, sich in Afrika zu engagieren."

Korruption und intransparente Strukturen sind oft nicht das eigentliche Risiko, das deutsche Unternehmen daran hindert, in Afrika zu investieren. "Die Korruption ist in Afrika nicht so hoch, wie man meinen würde. Wenn man Statistiken von Transparency International zu Rate zieht, dann steht Afrika im Durchschnitt besser da als die BRIC-Staaten. Das sollte uns ein stückweit zu denken geben", sagt Bruno Wenn, Geschäftsführer der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG).

DEG-Umfragen unter deutschen Firmen weisen andere Faktoren als Hindernisse auf, wie etwa der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. "An zweiter Stelle werden

Mängel in der Infrastruktur

genannt - Energie-, Wasser- und Abwasserversorgung funktionieren nicht, Transportknoten wie Häfen sind unzuverlässig. Aktuell ist es leider so, dass der Transport eines Containers von Europa nach Mombasa zehn Mal billiger ist als der Transport dieses Containers von Mombasa nach Kampala", sagt Bruno Wenn. Ein weiterer Punkt seien rechtliche Risiken, die sich durch unzureichende Investitionsbedingungen ergeben.

Trotz der Hindernisse steigt das Interesse deutscher Investoren an Afrika. "Es gibt immer mehr Firmen, die sich Gedanken darüber machen, inwieweit Afrika auch einen zukünftigen Absatzmarkt darstellt. Das ist etwas Neues, was man so in der Vergangenheit nicht in Betracht gezogen hat. Damals hatte man Afrika eher als den Markt, der Rohstoffe liefert, gesehen. Dass da zunehmend ein Markt entsteht, auf dem man Produkte absetzen kann, das ist eine neue Erkenntnis", sagt Bruno Wenn. Er hofft, dass diese Erkenntnis dazu führen wird, dass immer mehr Unternehmen Produktionsstätten in Afrika aufbauen und die Chancen dort nutzen.

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