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Wirtschaft

"Afrika braucht Unternehmer!"

Sie wollen zur Entwicklung Afrikas beitragen: Junge afrikanische Führungkräfte die am "Afrika kommt!" Programm teilgenommen haben. Kurt Gerhardt zieht den Erfolg in Zweifel.

DW: Warum hinkt der afrikanische Kontinent bei der Entwicklung immer noch hinterher?

Kurt Gerhardt (Journalist, Development Expert) © Deutsche Welle/K. Danetzki

Kurt Gerhardt zweifelt am Erfolg

Gerhardt: Das Problem Afrikas ist die wirtschaftliche Entwicklung. Afrika muss wirtschaftlich mehr leisten. Die Frage ist aber: Wer soll diese ökonomische Mehrleistung organisieren? Unfähige Regierungen, von denen es zu viele in Afrika gibt, können das ganz bestimmt nicht, die allermeisten fallen aus. Bleiben also nur private Unternehmer, so wie wir das aus unserer Wirtschaft auch kennen. Obwohl, wenn wir nach Ostasien gucken und die Tiger-Staaten und deren Entwicklung sehen, dann müssen wir feststellen, dass auch Staaten wirtschaftlichen Fortschritt organisieren können. In Afrika sehe ich dafür aber überhaupt keine Möglichkeit. Daher müssen private Unternehmer einspringen. Die gibt es aber nicht in Afrika. Genauer gesagt: Das was wir uns etwa unter einem mittelständischen privaten Unternehmer vorstellen, das gibt es in Afrika so gut wie nicht. Die sind aber dringend nötig.

Kann ein Programm wie "Afrika-kommt!" zur Entwicklung von Führungskräften und unter Umständen auch Unternehmern beitragen?

Möglicherweise kann das Programm dazu einen Beitrag leisten. Das kann man aber jetzt noch nicht sagen, das wird die Zukunft zeigen. Dass das Programm zunächst mal in einem wirtschaftlichen Bereich stattfindet, ist wichtig und richtig. Denn es geht ja um wirtschaftliche Fragen. Außerdem ist Bildungstransfer und Erfahrungstransfer immer etwas Richtiges. Aber so einfach ist das natürlich nicht. Man kann nicht erwarten, dass man Leute aus Afrika für ein Jahr in einen deutschen Betrieb holt und dann kehren die zurück in ihre Heimat und machen Gleiches in Afrika. Das funktioniert leider nicht.

Warum nicht?

Weil der Lernprozess in einem deutschen Milieu stattfindet, nicht in einem afrikanischen Milieu. Man könnte ja auch sagen, wir gucken mal, ob wir etwas ähnliches, was wir hier in Deutschland finden, auch in Afrika haben. Vielleicht in Südafrika oder in einem der Maghreb-Staaten und führen so ein Programm dann da durch. Das hätte den Vorteil, dass die Afrikaner in einem afrikanischen Milieu lernten und Erfahrungen sammelten. Das würde einen großen Unterschied machen und wäre ein großer Vorteil.

Warum ist das Lernmilieu so wichtig?

Wenn die Afrikaner mal in Deutschland waren, ihr Jahr hier verbracht haben und viel gelernt und viel gesehen haben, dann sollen sie ja nach Hause zurückkehren und etwa die Tugenden, die sie gelernt haben, als Wirtschaftsführer, als Unternehmensführer in Afrika umsetzen. Und da gibt es ein schwieriges Problem, über das man nur mit großer Vorsicht reden kann, um nicht einen falschen Eindruck zu erwecken. Aber, es ist ja nicht das erste Mal, dass junge Afrikaner zu uns kommen, um hier etwas zu lernen, sondern das machen wir seit einem halben Jahrhundert. Und man kann ja fragen: Wo sind die denn eigentlich geblieben, die hier in den nördlichen Staaten etwas in den Bereichen gelernt haben? Die sind ja nicht alle in Deutschland, in Europa, in Amerika, Russland oder China geblieben, sondern die meisten sind zurückgekehrt. Ja, wo sind denn deren gute Einflüsse in den afrikanischen Gesellschaften abzulesen? Die sieht man kaum. Und das hat damit zu tun, dass leider, leider viele derer, die in unserem System hier „funktioniert“ haben, nach Hause zurückkehren und oft in die alten schlechten und entwicklungshinderlichen Gewohnheiten zurück fallen. Auch das habe ich oft erlebt. Und ich kann Beispiele genug dafür nennen. Das ist ein Riesenproblem, dass junge Afrikaner in Industrieländern tüchtig sein können und dieselben Menschen, wenn sie nach Hause zurückgekehrt sind, nicht mehr tüchtig sind.

Wie könnte eine bessere Lösung aussehen?

Die Lösung wäre nach meiner Ansicht, wenn die deutschen gutwilligen Betriebe, die an dem Programm teilnehmen, wirtschaftliche Unternehmensdependancen in afrikanischen Ländern einrichteten, dort industrielle Produktion organisierten. Die Arbeitsabläufe, Arbeitsschutzvorschriften und ähnliche deutsche Standards könnten auch in Afrika eingeführt werden. Dort sollten dann Afrikaner auf allen Ebenen beschäftig werden. Das würde zu einer Qualifizierung der Arbeiter führen. Bis zum mittleren Management könnten sie Afrikaner einsetzen, die auf diese Weise lernten, im afrikanischen Milieu, bei ihnen zu Hause, unternehmerisch zu handeln, mit der dann erhofften Folge, dass sie später selbst einmal ein Unternehmen gründen.

Kurt Gerhardt war Journalist beim WDR-Hörfunk. Als früherer Landesbeauftragter des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) im Niger kennt er die Problematik der Afrikahilfe aus eigener Anschauung. Zudem ist er einer der Mitbegründer des „Bonner Aufrufs“, einer Initiative, die für „eine andere Entwicklungspolitik" plädiert. "Nach einem halben Jahrhundert personeller und finanzieller Entwicklungshilfe für Afrika stellen wir fest, dass unsere Politik versagt hat. Die Ergebnisse sind weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben", heißt es beim Bonner Aufruf.