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Wirtschaft

Afrika bietet deutschem Mittelstand gute Chancen

Afrika ist auf dem Sprung - in vielen Ländern des Kontinents wächst die Wirtschaft rasant. Eine große Chance für den deutschen Mittelstand. Allerdings ist der Weg nach Afrika oft schwer.

Workers transfer bricks at a construction site, Tuesday, Aug. 18, 2009 in Johannesburg, South Africa. Africa's largest economy shrunk by 3 percent in the second quarter, according to South African government figures released Tuesday, more evidence of the impact the global recession is having on the continent. (ddp images/AP Photo/Karel Prinsloo).

Bauarbeiter in Jonhannesburg

Korruption, eine unsichere Rechtslage, Kriminalität - für viele Unternehmer aus den Industrieländern ist Afrika der verlorene Kontinent, zu unsicher, um dort tätig zu werden. Besonders die kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland scheuen daher häufig den Schritt dorthin. Dabei hat Afrika auch einiges zu bieten. Während das Wirtschaftswachstum in Europa nur noch mit kleinen Schritten voranschreitet oder stagniert, haben einige afrikanische Länder Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich. Für den gesamten Kontinent rechnet die Weltbank in diesem Jahr mit einem Plus von über fünf Prozent. Zudem haben viele Länder reiche Rohstoffvorkommen.

Defizite schaffen Nachfrage

Außerdem haben die Afrikaner einen großen Nachholbedarf. Beispiel Infrastruktur: In Afrika haben rund 80 Prozent der Menschen keine Stromversorgung. Mehr als 40 Prozent haben keinen Zugang zu Trinkwasser. Und auch die Verkehrswege sind meist in einem beklagenswerten Zustand. Der gebürtige Senegalese Ababacar Seck vom Ingenieurbüro Pecher, das bei Wasser-, Abwasser- und Infrastrukturprojekten berät, meint: "Es gibt sehr viele Defizite. Im Umkehrschluss heißt das aber: Wo Defizite sind, gibt es eine große Nachfrage".

Allerdings fehle vor allem das Kapital, um die vielen Defizite zu beheben, sagt Hartmut Sieper von der Beratungsfirma Trans Africa Invest. "Derjenige, der aber Kapital mitbringt und es gut einsetzen kann, der kann von einer Vielzahl von Marktnischen und Marktlücken profitieren, die aus Mangel an Kapital einfach nicht angegangen werden können."

Mit dem Risiko umgehen

Heinz Rittmann, stellv. Hauptgeschäftsführer Baugewerbliche Verbände. Copyright: H. Rittmann 2012

Heinz Rittmann stellv. Hauptgeschäftsführer Baugewerbliche Verbände

Natürlich sei es riskanter, in Afrika Geschäfte zu machen, gibt Heinz Rittmann vom Baugewerblichen Verband zu. "Aber es gibt eben auch eine erhebliche höhere Chance, weil die Renditen höher sind." In Deutschland müssten die Mitglieds-Unternehmen des Verbandes meist sehr eng kalkulieren. "Sie erreichen aber in keinem Fall die Renditen, die man in Afrika erzielen kann." Zwar seien Maschinen und Baustoffe in Afrika meist teurer als in Europa, dass würden aber die sehr niedrigen Löhne mehr als wett machen.

Zudem sei das höhere Risiko nicht völlig unberechenbar - zumindest, wenn sich die Unternehmen an den Rat von Rittmann halten. Wenn sie das erste Mal zusammen mit einem neuen afrikanischen Partner Geschäfte auf dem Nachbarkontinent machen, sollten sie sich nur für renommiert finanzierte Ausschreibung bewerben. Also nicht an lokale Ausschreibungen teilnehmen. "Denn es muss sich um sicheres Geld handeln. Afrika hat in der Regel ein eher negatives Image bei unseren Betrieben. Das heißt, wir müssen erst mal diese Lücke zwischen negativem Image und der Realität überbrücken."

Sicheres Geld, das bedeutet Ausschreibungen von der Weltbank, der Europäischen Investitionsbank, der deutschen KfW und ähnlichen Finanzinstitutionen. Das Risiko ist aber auch noch aus einem anderen Grund oft überschaubar, sagt Hartmut Sieper von der Beratungsgesellschaft Trans Africa Invest: "In manchen Projekten und in manchen Ländern ist es durchaus möglich und realistisch, dass man eine Investition innerhalb des ersten oder maximal zweiten Jahres schon wieder komplett zurück hat." Damit konzentriert sich das Risiko also auf einen relativ schmalen Zeitrahmen.

Konkurrenz schläft nicht

Hohe Renditen und reiche Rohstoffvorkommen haben aber auch schon andere Nationen auf den Plan gerufen. Und die stellen oft eine harte Konkurrenz dar. Chinesische Unternehmen etwa hätten es im Vergleich zu deutschen oft leichter, sagt Rittmann. So bekämen chinesische Bauunternehmen Bürgschaften von der Bank of China und zwar ohne aufwendige Anträge zu stellen. Anders in Deutschland - hier dauere der Antrag von Bürgschaften viel zu lange, so Rittmann.

Trotzdem könne man sich auch gegen die Chinesen durchsetzen, nämlich "wenn wir technische Alternativvorschläge abgeben können. Unsere Stärke ist, dass unsere Betriebe quer denken und Vorschläge machen, wie sie eine Sache besser machen können, als es in der Ausschreibung vorgegeben wurde".

Aufbau von Märkten

Wenn dann aber doch die Chinesen den Auftrag bekommen, bringen sie meist alles aus der Heimat mit: Kapital, Arbeitskräfte und Maschinen. Dadurch profitieren aber weder lokale Unternehmen, noch werden Arbeitsplätze für Einheimische geschaffen. "Die Europäer sollen dafür sorgen, dass die Entstehung der afrikanischen Mittelschicht voran getrieben wird", meint Ababacar Seck vom Ingenieurbüro Pecher, "damit Afrikaner in die Lage gebracht werden, teure Güter aus Europa, vor allem aus Deutschland, zu kaufen."

Bislang gehört der afrikanische Kontinent noch nicht zu den großen Kosummärkten. Aber die Mittelschicht wächst. Ungefähr 60 Millionen Haushalte verfügen über 3000 US-Dollar pro Jahr, in drei Jahren sollen es bereits 100 Millionen sein. Diese Zahlen nennt zumindest Germany Trade and Invest, eine Agentur, die im Auftrag des deutschen Wirtschaftsministeriums Informationen zur Außenwirtschaft bereitstellt.

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